Spielend fürs Leben lernen

Die Albert-Einstein-Schule bietet ein Ferienprogramm mit reichlich Abwechslung

Wie die Steinzeitmenschen: Das Lagerfeuer haben die Schüler mit dem Feuerstein entzündet. Über der Hitze härten sie die Pfeilspitzen aus.
+
Wie die Steinzeitmenschen: Das Lagerfeuer haben die Schüler mit dem Feuerstein entzündet. Über der Hitze härten sie die Pfeilspitzen aus.

Die Begeisterung ist Jouli, Tobias und Julian anzusehen: Die künftigen Sechstklässler blicken ihren selbst gebauten Pfeilen mit reichlich Stolz hinterher.

Langen – Aus dem gespannten Bogen heraus saust der Holzstock viele Meter weit über die Wiese und manch einer bohrt sich sogar richtig in die Erde hinein. Am zweiten Tag des Ferienprogramms der Albert-Einstein-Schule ist die Gruppen von 14 Mädchen und Jungen zu Gast bei der Aktionsgemeinschaft Soziale Arbeit in Dietzenbach.

Die Schüler üben auf dem weitläufigen Areal am Waldrand nicht nur das Bogenschießen, sie bauen Pfeil und Bogen sogar selbst: „Wir haben das Holz für den Bogen aus dem Haselnussstrauch herausgeschnitten“, erläutert Christine Voß, Schulsozialarbeiterin an der Langener Gesamtschule. Mit einer Kordel wird der Bogen so stramm gespannt, dass der Pfeil später auch richtig Fahrt aufnehmen kann. Die Pfeilspitze ist mit dem Schnitzmesser deutlich geschärft und am Lagerfeuer ausgehärtet, damit das Geschoss auf der Zielscheibe oder eben im Boden auch steckenbleibt. „Haltet das Holz nicht zu lange in die Flammen, es soll ja nicht abfackeln“, warnt Erlebnispädagoge Christopher Hahn die Jungs, die ausgelassen am Feuer herumspielen.

„Ich freue mich immer, wenn die Jungen und Mädchen so konzentriert am Werk sind und sich für diese Dinge so begeistern können“, sagt Christine Voß. Überhaupt geht es nicht nur ums Bogenschießen an diesem Vormittag, das Freizeitvergnügen hat durchaus auch pädagogischen Wert: Die Jungen und Mädchen müssen als Team funktionieren, sie geben sich beim Bogenbau gegenseitig Hilfestellung und letztlich ist auch viel Disziplin gefragt. Denn alle müssen warten, bis jedes Kind den Bogen gespannt hat und der Pfeil über den Rasen fliegt. „Ja, da gehört auch ein bisschen Konzentration auf die anderen dazu, damit niemand in den herumfliegenden Pfeil rennt“, hat Christine Voß immer ein Auge auf ihre Schützlinge.

So geht’s: Erlebnispädagoge Christopher Hahn von der Aktionsgemeinschaft Soziale Arbeit (rechts) zeigt den Langener Kindern, wie sie die selbst gebauten Pfeile mit Federn noch flugtauglicher und optisch schöner machen.

Das Ferienprogramm ist von der Sozialpädagogin für die fünften und sechsten Klassen der Albert-Einstein-Schule konzipiert und wird komplett aus dem Budget der Schulsozialarbeit finanziert. Es soll vor allem für die Jugendlichen ein Angebot sein, deren Eltern möglicherweise die kompletten Ferien arbeiten müssen, die vielleicht keine Zeit oder auch kein Geld haben, in den Urlaub zu fahren oder ihren Kindern ein großes Alternativprogramm zu bieten. „Wir erleben jeden Tag etwas Neues und lernen auch ganz viel dabei“, freut sich Voß immer auf diese besondere erste Ferienwoche, die sie auch an Ostern und im Herbst organisiert. Es habe noch kurz vor Ferienbeginn eine Diskussion darüber gegeben, ob das Freizeitvergnügen wegen Corona überhaupt starten kann. „Viele Freizeitangebote sind ja abgeblasen, aber bei uns war es von der Schulleitung ausdrücklich gewünscht, dass wir den Kindern ein Angebot machen“, so Voß. Und so ist das Programm eben pandemietauglich unter freiem Himmel: Am Montag sind die Schüler mit Minigolf in die Woche gestartet, es steht noch ein Besuch auf dem Bauernhof in Egelsbach auf dem Plan, bei dem sie alles rund ums Korn bis hin zum Brotbacken lernen, es gibt noch einen Waldtag mit dem Team der Aktionsgemeinschaft Soziale Arbeit in Dietzenbach und einen Besuch beim Kinderzirkus Wannabe in Neu-Isenburg mit viel Kontakt zu den Tieren und dem Trainieren von Zirkus-Kunststücken. „Es macht einfach Spaß, Dinge zu erleben, die man alleine mit den Eltern einfach doch nicht macht“, ist Schülerin Sarina hochzufrieden und froh, dass sie schon zum zweiten Mal beim Ferienprogramm der Schule in Oberlinden dabei sein kann. (VON NICOLE JOST)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare