Chancen und Herausforderungen

Langen wächst und wächst - so viele Einwohner sollen es bis 2027 sein 

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Die zahlreichen Neubaugebiete, im Bild das Liebigstraßen-Areal aus der Vogelperspektive, sind Garanten für das weitere Wachstum von Langen. Dieses ist Chance und Herausforderung zugleich – die Wachstumsstrategie setzt finanziellen Anschub und Weitsicht voraus. 

Gut 39 000 Einwohner zählt Langen aktuell – bis 2027 dürften es tausende mehr werden. Die Stadt wächst, an allen Ecken und Enden prägen Baukräne die Szenerie.

Langen - Im Süden, am Belzborn, entstehen 260 neue Wohneinheiten für rund 650 Menschen, entlang der Elisabeth-Selbert-Allee im Norden finden bis 2020 ungefähr 600 Neubürger ein Zuhause. Und in Reichweite des Knotenpunkts Bahnhof führt das Areal an der Liebigstraße die kommunale Bau-Hitparade an: Dort wird bis 2027 Wohnraum für circa 3 600 Menschen geschaffen.

Wachstum gut – alles gut? So einfach wird die Nummer garantiert nicht. Welche Auswirkungen haben die neuen Baugebiete, welche Herausforderungen reisen im Handgepäck dieser unstrittig großartigen Chancen und Aussichten für die Stadt? Fragen die gestellt werden müssen, und bereits gestellt werden, allen voran in Magistrat und Stadtparlament. 

Die entscheidende nach dem Warum ist freilich längst beantwortet. Daran lässt Carsten Weise, der im Rathaus als Fachereichsleiter die Stadtplanung verantwortet, keinen Zweifel: „Wenn wir die aktuelle Entwicklung verpassen, dann sitzen wir im Zug ganz hinten“, rechtfertigt er den eingeschlagenen Wachstumspfad. Dass diese Strategie finanziellen Anschubs bedarf, auch wenn genau das der Stadt in der gegenwärtigen Situation wehtut, ist eine – von Weise durchaus offensiv kommunizierte – Conditio sine qua non.

Langen: 44.000 Einwohner bis 2027 erwartet 

Um Stadtentwicklung zur Gleichung mit möglichst wenig Unbekannten, ja ganz im Gegenteil zum Rechenstück mit möglichst vielen bekannten Kennziffern zu machen, setzt man im Rathaus auf ein neues Instrument: Der Magistrat hat den Stadtverordneten jüngst erstmals einen Demografiebericht vorgelegt. „Diese Erhebung ist eine gute Grundlage, um all die Fragen zu beantworten, die uns grundsätzlich bewegen; sie soll künftig fortgeschrieben werden“, kommentiert Bürgermeister Frieder Gebhardt. „Die aufgezeigten Fakten und Daten, Stand Ende 2018, sind wertvoll, um die demografischen Herausforderungen zu meistern.“ So wachse auch in Langen der Anteil älterer Menschen, während zugleich verstärkt junge Familien die frisch errichteten Quartiere bezögen. „Das gilt es, unter einen Hut zu bringen“, betont der Bürgermeister.

In Langen, der „jungen“ Boomstadt, sind Kinder herzlich willkommen – der Nachwuchs aus der Kita Zauberbaum tut’s in selbst gepinselten Lettern kund. Foto: P

Den Demografiebericht verfasst hat der Student Lars Fitterer im Rahmen eines mehrmonatigen Praktikums im Rathaus; die Erhebung ist Ableger seiner Bachelor-Arbeit. Fitterer startet bei der Einwohnerzahl, die sich von 1927 (etwa 8 100 Langener) bis heute nahezu verfünffacht hat (siehe Grafik) und leitet über zur Stadtviertel-Analyse. Demnach wohnen die meisten Langener in der Stadtmitte (rund 7 550), gefolgt von Nordend (7 300) und Steinberg (5 500). Etwa 5 700 Menschen leben in Oberlinden, das für die Besiedlungs-Erfolgsgeschichte der 1950er und 60er Jahre steht, weitere 5 000 in der Altstadt sowie 4 100 westlich der Goethestraße und 2 900 im Neurott.

Langen: Einwohnerzahl hat sich verfünffacht 

Dem demografischen Wandel zum Trotz attestiert Lars Fitterer: „Langen ist eine vergleichsweise junge Stadt.“ Die zugehörigen Zahlen: Knapp 27 Prozent (10 300 Einwohner) sind unter 27 Jahre alt; diese Gruppe umfasst circa 2 800 Mädchen und Jungen bis sechs Jahre sowie mehr als 5 000 Kinder, Teenager und junge Erwachsene von sieben bis 20 Jahre. Die größte Gruppe Langener, nämlich rund 21 500 Personen (52 Prozent) gehören dem „Mittelalter“ von 25 bis 64 Jahren an. Die Auflistung komplettieren mehr als 7 400 Rentner und Pensionäre.

Von 8 000 auf 38 000: Die Einwohnerstatistik seit 1925 weist Langen auch als Nutznießer der Wiederaufbau- und Wirtschaftswunderzeiten aus. GRAFIK: STADT

„Der Demografiebericht hält uns vor Augen, dass Langen wie so viele andere Kommunen in Deutschland auch immer vielfältiger wird“, resümiert Frieder Gebhardt. „Das bietet enorme Chancen, erfordert aber auch Anstrengung auf vielen Feldern. Von der steigenden Lebenserwartung einerseits bis hin zum wachsenden Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen dank des Zuzugs junger Familien ist da die volle Bandbreite der Aufgabenstellungen abzuarbeiten.“ Auf Letzteres reagiere die Stadtverwaltung aktuell in Form von Bau und Planung neuer Kitas nebst Erweiterung bestehender Einrichtungen.

Aus Carsten Weises Sicht bestätigt der demografische Premierenbericht im Prinzip auf ganzer Linie die im Rathaus formulierte Ausgangslage. „Sämtliche Daten stützen unsere Strategie ,Verbesserung durch Wachstum‘, die selbstverständlich auf lange Sicht angelegt ist.“ Das kommunale Monitoring sehe Langen in der Lage, kommende Herausforderungen ökonomisch wie im sozialen Bereich zu meistern.  Von Holger Borchard

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