Langen

„Kindergartenniveau“: Ungewöhnlicher Streit um Blumenkästen – Stadt spricht Machtwort

Der Stein des Anstoßes: Die Blumenkästen vor dem Haus von Hildegard Grote-Hoffmann in der Dieburger Straße sorgen seit zwei Jahren für Ärger. Das Ordnungsamt hat sie nun aufgefordert, die Bepflanzung abzuhängen.
+
Der Stein des Anstoßes: Die Blumenkästen vor dem Haus von Hildegard Grote-Hoffmann in der Dieburger Straße in Langen sorgen seit zwei Jahren für Ärger. Das Ordnungsamt hat sie nun aufgefordert, die Bepflanzung abzuhängen.

Zwei Jahre kämpft eine Frau aus Langen für die Blumenkästen an ihrem Fenster. Angeblich sollen sie zu weit auf den Gehweg ragen – je nachdem, wo man misst.

Langen – Von der Besitzerin sind sie als Verschönerung des öffentlichen Raums gedacht, aber seit zwei Jahren sorgen sie für juristischen Ärger: die Blumenkästen von Hildegard Grote-Hoffmann an der Dieburger Straße. 2019 wurde die Frau aus Langen, die die Kästen an ihrem Grundstück seit fast drei Jahrzehnten bepflanzt, von einem Nachbarn angezeigt. Im Sommer 2019 forderte die Stadt daraufhin von ihr, dass die Kästen, deren Bepflanzung in den schmalen Bürgersteig hineinragt, verschwinden.

Langen: Ordnungsamt fordert Entfernung von Blumenkästen

Die Begründung des Ordnungsamts in Langen: Auf Bürgersteigen dürften bis zur Höhe von 2,50 Metern keine Gegenstände aufgehängt sein, „die größere Personen oder radfahrende Kinder am Benutzen des Gehweges hindern“. Die in etwa 1,20 Meter Höhe hängenden Kästen verschmälerten den ohnehin engen Bürgersteig zusätzlich – insbesondere für Rollstuhlfahrer oder Fußgänger mit Kinderwagen. Grote-Hoffmann hielt die Messdaten des Ordnungsamts für falsch und argumentierte, dass die Stadt doch immer dazu aufrufe, dass Bürger etwas für deren Verschönerung tun. Im Sommer 2019 hatte die Stadt sich dann kulant gezeigt, nachdem Erster Stadtrat Stefan Löbig (Grüne) sich vor Ort ein Bild gemacht hatte – sodass die Blumenkästen unter Auflagen bleiben durften.

Doch kürzlich erhielt Grote-Hoffmann wieder Post vom Ordnungsamt in Langen – mit der Aufforderung, die Blumenkästen zu beseitigen. Sollte das nicht binnen zwei Wochen geschehen, drohen Kosten von 255 Euro. Über den Bürgermelder sei die Stadt wieder auf die Blumenkästen vor Grote-Hoffmanns Haus aufmerksam gemacht worden, die gut 30 Zentimeter in den Gehweg ragen. „Die Kästen gefährden den Fußgänger- und Radverkehr für Kinder“, heißt es im Schreiben. Zudem habe es im Juni 2019 wegen des verengten Gehwegs einen Unfall gegeben: Ein Fußgänger wurde demnach vom Außenspiegel eines vorbeifahrenden Autos gestreift. Dass bereits eine Gefährdung eingetreten sei, sei rechtlich aber ohne Belang, so das Ordnungsamt.

Frau aus Langen darf ihre Blumenkästen aber auf die Fensterbänke setzen

Grote-Hoffmann findet es schade, dass die Kästen weg sollen, nur weil sie ein bisschen in den Verkehrsraum hineinragen. An vielen Stellen in Langen gebe es überdies ähnliche Bepflanzung und das gegenüberliegende Verkehrsschild behindere viel mehr. Für die gesetzlichen Anforderungen habe sie aber Verständnis. „Ich bin ja auch bereit, die Pflanzen zurückzuschneiden“, sagt sie gegenüber unserer Zeitung. Aber dass der Blumenschmuck verschwinden soll, schmerzt sie.

Mittlerweile habe die Sache aber „Kindergartenniveau“ erreicht. „Ich will nicht mehr meine Energie für diese Angelegenheit verschwenden“, so die Langenerin, die sicher ist, dass Nachbarn sie gemeldet haben. Sie hatte um einen Ortstermin mit Vertretern des Ordnungsamts gebeten. Dabei wurden auch die Messdaten überprüft – denn die unterscheiden sich, je nachdem, an welcher Stelle der Gebäudemauer man den Zollstock ansetzt.

Es nützt nichts: Die Blumenkästen in Langen müssen weg

Doch alles nützt nun nichts: Die Blumenkästen müssen weg. Laut Ordnungsamt dürfen sie aber auf die Fensterbänke wandern, ohne dass es rechtliche Probleme gebe. Den 1. März hat die Langenerin nun als Frist gesetzt bekommen, um das zu erledigen. Ihr Fazit: Sie bedauert die Entscheidung, aber es sei es ihr nicht wert, „um jeden Preis“ – auch gerichtlich – für die Bepflanzung zu kämpfen. (Julia Radgen)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare