Verquickung von Radschnellweg mit Trasse

Radverkehr Langen: Streit über Nutzen der „Sommerroute“

Die Planung für die Radrouten westlich der Bahnlinie: Sie dienen auch als „Zubringer“ zum Radschnellweg.  
Grafik: Stadt
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Die Planung für die Radrouten westlich der Bahnlinie: Sie dienen auch als „Zubringer“ zum Radschnellweg. grafik: stadt

Mehr Radwege in Langen sind erstrebenswert, da sind sich eigentlich alle einig. Dafür sorgt der Radschnellweg zwischen Frankfurt und Darmstadt, dessen zweiter Teilabschnitt von der Gemarkungsgrenze Egelsbach in zwei Etappen bis zur Walter-Rietig-Straße führen soll – östlich der Bahnlinie.

Langen – Parallel dazu ist westlich der Bahn ein „Zubringer“ geplant – er geht auf einen Auftrag des Stadtparlaments an den Magistrat von 2017 zurück. Doch in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Bau und Verkehr ist eine hitzige Diskussion entbrannt, ob man die Radtrasse auf der Westseite wirklich braucht, da die Routenführung nicht optimal ist. Auch beim Radschnellweg gab es kein einstimmiges Votum. Weil beide Vorhaben zusammenhängen – auch wenn der Zubringer westlich der Bahn ein Extraprojekt ist, das die Stadt nach aktueller Planung trotz Fördergeldern 210 000 Euro kostet – entschlossen sich die Ausschussmitglieder, die Planungen zusammen zu diskutieren, aber getrennt abzustimmen.

Manfred Ockel, Geschäftsführer der für den Raddirektweg zuständigen Regionalpark Südwest GmbH, sagte, dass man in der Rietig-Straße dennoch mindestens 13 Parkplätze realisieren könne, bei ausreichend breiten Gehwegen. „Wir sind der Meinung, das ist ein guter Kompromiss“, so Ockel. Der Wegfall von 24 Parkplätzen ist ein Kernkritikpunkt der Anwohner. Die bekannte Engstelle in der Goethestraße sei natürlich suboptimal. „Aber auch auf einem Radschnellweg muss man mal warten – trotzdem überlegen wir, Fußgänger und Radverkehr zu trennen“, so Ockel. Die Holzbrücke an der Grenze zu Egelsbach – am Beginn des Langener Abschnitts – soll verbreitert werden. „Das tangiert das Naturschutzgebiet statisch nicht und schafft eine komfortablere Situation für Fußgänger und Radfahrer.“

SPD sieht Verbindung zwischen beiden Radwegen als nicht notwendig an

Der Radweg im Westen, „Sommerroute“ genannt, soll von der Brücke unter der Südlichen Ringstraße bis zur Haydnstraße ins Loh ausgebaut werden. Dazu werden noch zwei Varianten geprüft werden. 200 000 Euro sind dafür schon in den Haushalt 2022 eingestellt. Hier gibt es noch mehr Engstellen, der Weg ist oft nicht breiter als 2,30 Meter. Der große Vorteil wäre aber, dass man abseits des Autoverkehrs radelt.

Die SPD zweifelt die Verbindung zwischen Radschnellweg und „Ausweichstrecke“ an. „Wir befürworten den Radschnellweg, aber die Verbindung zwischen der Ost- und Westseite ist sachlich nicht notwendig“, sagt Rainer Bicknase. Die SPD-Fraktion wolle dafür keine „erhebliche Summe“ ausgeben. „Diese Route hat viele Engstellen, die Vorlage ist unausgegoren“, begründet Joachim Knapp die Ablehnung.

„Attraktive Alternativroute“

Andreas Keppeler (CDU) widerspricht: „Die Westvariante ist sinnvoller als das Risiko am Bahnhof.“ Shared Space führe zu einer gefährlichen Wegeführung an der Schnittstelle Bahnhof, auf der Westtrasse könne man entspannt radeln. „Das ist eine extrem attraktive Alternativroute.“ Rainer Schöner (Grüne) gab aber zu bedenken, dass die Strecke so gestaltet werden müsse, dass sich Autos keine Schleichwege bahnen können. Der Radschnellweg schaffe einen wichtigen Effekt für die Zukunft – trotz angespannter Haushaltlage, sagte Rolf Diefenthäler (FDP): „Doch wir müssen auch an Gewerbe denken und Flächen für die RTW vorhalten. Ich habe die Befürchtung, das ist noch nicht ganz stimmig.“

Die FWG-NEV stört sich vor allem daran, dass der Naturschutz der Variante, den Weg im Süden bis vor die Unterführung ins Loh zu führen – und die Goethestraße zu umgehen – einen Strich durch die Rechnung macht. „Ein gerader Streckenverlauf entlang der Bahnlinie hätte zu viele Eingriffe und Beeinträchtigungen für das Naturschutzgebiet bedeutet“, heißt es in einer neuen Antwort des Regierungspräsidiums Darmstadt, das die bisherige Linie der Naturschutzbehörden stützt. Allerdings sollen bei einer Begehung mit der Unteren Naturschutzbehörde nächste Woche alternative Wege für Fußgänger geprüft werden. „Wenn wir jetzt zustimmen, nehmen wir den Druck aus dem Kessel“, meint Uli Vogel (FWG-NEV). NEV-Vorsitzender Heinz-Georg Sehring kritisiert, man habe versäumt, entsprechende Flächen für den geraden Verlauf zu reservieren und schlägt vor, Ersatz-Naturschutzgebiete auszuweisen. Die NEV lehne die Planung ab, betont Sehring: „Die Bürger sind beeinträchtigt und wir lassen uns nicht die Pistole auf die Brust setzen.“

Fraktionen stellen sich quer

Das sorgt für Frustration. „Wir sind eigentlich alle einer Meinung, aber trotzdem entscheiden einige dagegen“, sagt Jörg Nörtemann (CDU). Die Westtrasse sei eine sinnvolle Entlastungsstrecke. In Richtung SPD kann sich Keppeler nicht verkneifen: „Sie sagen, Sie sind keine Verhinderer von Radwegen und entscheiden dann so!“

Trotzdem werden beide Anträge mit knapper Mehrheit angenommen. Der Radschnellweg-Planung stimmten alle zu, bis auf die Vertreter von NEV und FDP, die sich enthalten. Für die Planung auf der Westseite stimmen CDU, Grüne und UWFB, die SPD votiert dagegen, NEV und FDP enthalten sich. Das Thema steht im Finanzausschuss am Donnerstag auf dem Plan, bevor das Stadtparlament am 10. September einen Beschluss fassen soll. (Von Julia Radgen)

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