Tafel: Auf Lebensmittelausgabe reduziert

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Rund 3000 Menschen versorgt die Langener Tafel pro Monat mit Lebensmitteln. Mehr Angebote gibt es für die Bedürftigen seit Januar aber nicht mehr.

Langen - Es hat schon etwas von einem Behördenbesuch: Mehrere Dutzend Menschen warten im Pfarrsaal von Sankt Albertus Magnus darauf, dass ein Mitarbeiter der Langener Tafel endlich ihren Namen aufruft und sie sich Lebensmittel aussuchen dürfen. Von Markus Schaible

Wenn sie Pech haben, kann das schon mal zwei Stunden dauern. So lange heißt es: warten.

Das war zugegebenermaßen schon immer so. Nur früher saßen sie bei Kaffee und Kuchen oder bei einem warmen Essen zusammen. Seit dem 1. Januar ist die Bewirtung im Pfarrsaal untersagt. „Das ist schade“, sagen einige der Tafel-Gäste. „Es war doch immer so schön hier. Jetzt fehlt uns etwas.“ Andere wie Susanne Welsch werden sehr viel deutlicher: „Wenn ich mal davon ausgehe, dass die Klöster die ersten Garküchen zur Armenspeisung erfunden haben, dann ist das hier schon erbärmlich“, sagt sie mit Blick auf die katholische Gemeinde Sankt Jakobus, die als Vermieterin der Räume der Tafel strikte Auflagen gemacht hat.

„Es ist ja nicht nur die Lebensmittelausgabe, das war ein sozialer Treffpunkt hier. Die Leute kommen mal raus und sitzen nicht nur Zuhause und schauen Hartz-IV-Fernsehen“, sagt die Frau, die genau von dieser staatlichen Unterstützung lebt, aus Krankheitsgründen arbeitsunfähig ist und seit Jahren zur Tafel kommt. „Wir haben nun mal kein Geld, um ins Café zu gehen, ins Kino oder ins Theater.“

Keine neuen Unstimmigkeiten aufkommen lassen

Tafel-Vorsitzende Friedelgaard Pietsch ist derweil bemüht, keine neuen Unstimmigkeiten aufkommen zu lassen: „Es läuft, nur halt im erheblich reduzierten Umfang.“ Ab 9.30 Uhr kommen die Bedürftigen dienstags und freitags in den Albertus-Magnus-Saal, um sich registrieren zu lassen und eine Nummer zu ziehen. Ab 11 Uhr werden sie dann aufgerufen und dürfen Bananen oder Orangen, Milch oder Eier, Mehl oder Süßigkeiten auswählen. Dass die Gäste (so ist die offizielle Bezeichnung der Tafel-Nutzer) so lange zwischen Anmeldung und Bedienung warten müssen, sei ob ihrer großen Zahl nicht anders zu machen.

Gut 100 kommen jedes Mal, einige weniger als früher, aber immer noch genug, dass die Lebensmittel hinterher restlos weg sind. „Da hängen ja auch die Familien mit dran“, sagt Pietsch. Gut 3000 Personen werden monatlich versorgt, haben die Tafel-Mitarbeiter ausgerechnet.

Umfang und Angebot der Tafel

„Es hat sich zum Positiven verändert. So wie es jetzt läuft, ist das für uns kein Problem mehr“, betont Pfarrer Heiner Döll. Die Gemeinde hatte kritisiert, dass Umfang und Angebot der Tafel im Laufe der Jahre zu stark gewachsen seien und die räumlichen Möglichkeiten der Gemeinde überstiegen. Gut sei, dass die Tafel erst öffne, wenn Kindergarten und die Schule schon begonnen haben und vor deren Ende – „wenn hier das Verkehrschaos ausbricht“ – ihre Türen wieder schließe, so Döll.

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Tafel muss Service einschränken

Pietsch und ihre 50 Mitstreiter bedauern natürlich, dass sie ihren Gästen keine Bewirtung mehr bieten können. „Wir haben von den Hotels immer nicht benötigtes Essen bekommen und aufgewärmt und vom Gut Neuhof gab es Kuchen, der zwar nicht mehr ganz frisch, aber noch gut essbar war“, sagt Pietsch. Doch ihr Blick geht jetzt voraus. Zum einen schaut sie sich immer noch nach Räumen um, die groß genug sind, das Angebot wieder auszuweiten. Zum anderen hat sie sich mit Pfarrer Steffen Held von der evangelischen Petrusgemeinde getroffen. Die hat bekanntlich mit dem Gedeckten Tisch donnerstags ein ähnliches Angebot – derzeit in der Westendstraße 70, ab Ostern wieder in der Bahnstraße 46. „Da ist eine Vernetzung denkbar“, sagt Pietsch. Auch Held steht einer „sich ergänzenden Zusammenarbeit“ überaus offen gegenüber. Details sollen in der nächsten Zeit in den jeweiligen Gremien erarbeitet werden.

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