Lob gespendet, Hoffnung gemacht

Tarek Al-Wazir plädiert für RTW-Anschluss und würdigt Wohnungsbau

Alte Bekannte: Stefan Löbig (links) und Minister Tarek Al-Wazir kennen sich seit über 30 Jahren. Foto: p
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Alte Bekannte: Stefan Löbig (links) und Minister Tarek Al-Wazir kennen sich seit über 30 Jahren.

„Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass die Grünen in der politischen Gemengelage mal als die Stimme der Vernunft wahrgenommen werden? Dass wir an zehn von 16 Landesregierungen beteiligt sind, hat nichts mit Beliebigkeit zu tun, sondern mit einer konsequenten Sachorientierung. Deshalb schaffen wir es, von Linken bis CDU unsere politischen Mitbewerber zu integrieren. “

Langen –  Natürlich konnte er sich den Ausflug in die Bundespolitik nicht verkneifen, der stellvertretende hessische Ministerpräsident Tarek Al-Wazir, am Dienstag zu Gast im SSG-Freizeitcenter. Damit bot er Gastgeber Stefan Löbig gleich eine Steilvorlage. Auf die Frage aus der rund 60-köpfigen Gästeschar, wie er denn als grüner Bürgermeisterkandidat für seine Projekte politische Mehrheiten organisieren wolle, verwies er auf seine 30-jährige kommunalpolitische Erfahrung. „In Langen haben wir seit vielen Jahren keine festen Koalitionen. Jede Partei muss sich für ihre Anliegen Mehrheiten organisieren und das klappt bisher ganz gut. Ich werde wie bisher auch viel diskutieren, argumentieren und Überzeugungsarbeit leisten müssen. Politik ist die Kunst, dicke Bretter zu bohren“, so Löbig. .

Dass die beiden sich seit über 30 Jahren gut kennen, merkte man dem munteren und immerhin zweieinhalbstündigen politischen Ping-Pong-Spiel an. Al-Wazir, der in seinem Ministerium unter anderen die Themen Verkehr und Wohnen verantwortet, hatte für die Langener einiges im Gepäck. Von Löbig auf die Regionaltangente West (RTW) angesprochen, zeigte er für den Anschluss von Langen großen Optimismus. Seine Gespräche mit der RTW-Planungsgesellschaft hätten bisher immer ergeben, dass man dort sehr aufgeschlossen sei und auch noch alle Möglichkeiten offen stünden. Er selbst halte den Anschluss für eine hervorragende Idee. Grundsätzlich setze er in der Rhein-Main-Region viel auf den Ausbau der Schiene, um den Verkehrszuwachs zu bewältigen. Schon einfache Maßnahmen wie der Einsatz von Lang- statt Kurzzügen im S-Bahn-Verkehr bringe viel mehr Menschen auf die Schiene. Die Investitionsschwerpunkte dorthin zu verlagern, sei sehr klug und vernünftig, aber es liege noch viel Arbeit vor den Handelnden.

Natürlich kam aus dem Publikum auch die Frage nach dem vierspurigen Ausbau der B 486. Sowohl Al-Wazir als auch Löbig betonten, dass die B 486 in der Planungshoheit des Bundes liege, ein Landesminister oder ein Bürgermeister dort weder etwas beschleunigen noch bremsen könne. „Hessen Mobil“, so Al-Wazir, „ist über die Amtshilfe nur ausführendes Organ des Bundes, wir haben da keine Karten im Spiel.“ Löbig machte deutlich, dass er nach wie vor gegen den vierspurigen Ausbau sei, da er den Stau von der Autobahn nur in den Langener Wald verlagere. Dass dort aber etwas passieren müsse, sei klar. „Ich hätte einen Mehrzweckstreifen mit Radweg und befestigte Seitenstreifen für mehr Sicherheit favorisiert mit weniger Natureingriff. Denkbar wäre auch ein dreistreifiger Ausbau mit einer Wechselspur. Morgens auf zwei Spuren stadtauswärts und abends zweispurig stadteinwärts, damit sich der Stau entzerren kann. Aber das Bundesverkehrsministerium unter CSU-Führung hat sich auf die vier Spuren festgelegt“, machte Löbig den Anwesenden wenig Hoffnung.

Die großen Anstrengungen, die Langen im Wohnungsbau betreibe, seien in Wiesbaden sehr wohl wahrgenommen worden, bestätigte Al-Wazir. „Die Nutzung ehemaliger und brachliegender Gewerbeflächen in der Liebigstraße ist genau das, was ich mit meiner Initiative des Großen Frankfurter Bogens erreichen möchte, nämlich die Innenentwicklung in den Städten im Radius von 30 Bahnminuten zum Frankfurter Hauptbahnhof voranzubringen. Ihr seid da beispielgebend. Die Nähe zu zwei S-Bahn-Haltestationen ist das Sahnehäubchen, besser geht es nicht.“

Löbig machte deutlich, dass Langen damit aber auch seine Hausaufgaben gemacht habe und weitere Baugebiete nicht in Planung seien. „Ich möchte nicht in die Randgebiete oder über die Nordumgehung hinaus“, stellte er klar. Das Landesprogramm biete aber Gemeinden durchaus viele Vorteile. So seien für Infrastrukturaufgaben wie zum Beispiel Kinderbetreuung Fördergelder vorgesehen, an denen Langen partizipieren könne. Löbig: „Ich möchte für Langen möglichst bald eine Partnerschaft im Großen Frankfurter Bogen beantragen. Uns kostet es nichts und wir sichern uns die finanziellen Mittel des Landes.“  

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