40 Jahre Begeisterung für die Bühne

Theater-IG der Dreieichschule mit eigenem Stück zum Jubiläum

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Faible fürs Schauspiel: Seit Leiter Thomas Sturmfels im Ruhestand ist, umfasst die Theater-IG der Dreieichschule nicht nur aktuelle, sondern auch ehemalige Gymnasiasten.

Vor genau 40 Jahren rief Thomas Sturmfels – damals frisch als Lehrer an die Dreieichschule gekommen – die Theater-IG ins Leben.

Langen –  Sein Ruhestand, den er seit 2016 genießt, hält ihn nicht davon ab, mit seinem Ensemble für Schauspielbegeisterte ein neues, selbst geschriebenes Stück auf die Bühne zu bringen. Neben aktuellen sind nun auch ehemalige Schüler des Gymnasiums dabei.

Bei der Probe herrscht noch die gewohnt andächtige Stimmung im Saal des Gemeindehauses. Die Requisiten müssen erst ausgepackt werden und der Altar steht vor der Bühne. Noch ist nicht zu erahnen, wie die Theater-IG durch ihr mitreißendes Spiel das Gebäude in wenigen Minuten in die verschiedensten Schauplätze in Berlin und diversen Kleinstädten verwandeln wird.

Zum fünften Mal führen Sturmfels & Co. ein komplett selbst geschriebenes Stück auf. Es heißt „Aufbruch“ und handelt von zehn Personen, die aus den verschiedensten Gründen aus ihren jeweiligen Kleinstädten nach Berlin ziehen, um ihr Glück zu suchen. Es ist eine Komödie – im klassischen Sinne: Es gibt also ein Happy End, so viel sei bereits verraten.

Es geht um Träume, Verwirrungen und Verbrechen; aufgelockert durch eine Prise Humor. Trotz aller Heiterkeit, die das Stück ausmacht, lässt das Ensemble darin auch ernstere Untertöne anklingen.

Der seit jeher theateraffine Sturmfels spielte bereits an der Universität im Studententheater. Als er mit 28 Jahren als Lehrer an die Dreieichschule kam, erkundigte er sich gleich im Kollegium nach einer Schauspielgruppe: „Es gab keine, also habe ich eine gegründet.“

1979 kam die erste Interessengemeinschaft Theater zustande, die bereits wenig später die ersten beiden Einakter auf die Bühne im Musiksaal der Dreieichschule brachte: „Das lange Weihnachtsmahl“ von Thornton Wilder und „Die Kleinbürgerhochzeit“ von Bertolt Brecht. Interessant fand Sturmfels den Kontext zwischen den Werken: „In beiden Stücken geht es um Familienfeiern und Zusammenbrüche. Einmal im Groß- und einmal im Kleinbürgertum.“

Die Auswahl der Stücke verläuft jedoch stets demokratisch. „An der Theaterkenntnis fehlt es den Schülern nicht“, so Sturmfels. „Alle Mitglieder dürfen ihre Wünsche einbringen und nicht immer wird mein Favorit aufgeführt.“

Diesmal stand die Ausgangssituation des Stücks schnell fest. Die Mitglieder überlegten sich dann davon ausgehend die Einzelheiten der Rolle, die sie verkörpern wollen.

Natürlich lassen die Schauspieler da auch gerne eigene Charakterzüge einfließen. So geht es jedenfalls Roya Hadji, die „Nora“ spielt, eine Musicalschauspielerin mit persischen Wurzeln. Sie hat das Theater als Hobby bereits in der dritten Klasse für sich entdeckt und schätzt an der Gruppe besonders die Harmonie zwischen den Theaterfans. „Es ist schön, andere Ehemalige kennenzulernen. Die Gruppe funktioniert sehr gut.“ Auch Tim Bischoff, dessen Theater-Charakter Clemens gerne mit Anglizismen um sich wirft und in Berlin als Start-up-Gründer leben möchte, begeistert sich schon lange für die Bühne. Inzwischen spielt der duale Student für Eventmanagement in zwei weiteren Ensembles in Neu-Isenburg und Sprendlingen, soweit die Zeit nebenbei ausreicht. „Von der fünften Klasse an war ich in der Schauspiel-AG der Schule, seitdem interessiere ich mich für das Theater“, begründet er seine Motivation.

Die persönlichen Höhepunkte von Thomas Sturmfels aus 40 Jahren waren die Aufführungen der Tragödie „Hexenjagd“ von Arthur Miller, erinnert er sich. „An beiden Abenden saßen 400 Leute im Publikum. Einige haben sogar geweint.“

Im Jahr von Sturmfels’ Pensionierung stand natürlich kurz auch für die Theater-IG das tragische Ende im Raum: Nach der vermeintlich letzten Aufführung traf man sich schließlich auf einen Umtrunk mit Darstellern und dem Publikum, unter denen auch viele Ehemalige der Theater-IG waren. Schnell war man sich einig: Die Theatergruppe muss weitergeführt werden. Heute besteht das Ensemble aus allen Altersgruppen – von Sylvia Hofrock (Abitur 1981), einer Schülerin aus der ersten Theater-IG-Generation, bis zur diesjährigen Abiturientin Elisa Do.

Der Kontakt zwischen den Theaterbegeisterten geht weit über das Abitur hinaus. Hofrock ist eine von mindestens drei vormaligen Laiendarstellern aus Sturmfels’ IG, die sogar in die professionelle Schauspielerei gewechselt sind, unter anderem mit Theaterrollen in Berlin. Heute ist sie neben Sturmfels Co-Regisseurin des aktuellen Stücks. Von der nunmehr 40-jährigen Bühnenerfahrung kann sich das Publikum bei den Aufführungen heute und morgen, jeweils um 20 Uhr im Petrusgemeindehaus, Bahnstraße 46, selbst ein Bild machen. Eintritt: sechs Euro, ermäßigt vier.

VON PAUL DIELER

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