Rar und erhaltenswert

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Die Bekassine, der Vogel des Jahres (lebt leider nicht in Langen).

Langen - Der Siebenschläfer-Apfel ist die hessische Streuobstsorte des Jahres. In Langen steht der Siebenschläfer für die Kampagne zum Erhalt der Streuobstwiesen mit ihren alten Obstsorten. Von Markus Schaible

Aus diesem Grund plant das städtische Umweltreferat, einige Siebenschläfer-Apfelbäume in der Langener Gemarkung zu pflanzen.

Der Pomologen-Verein (Pomologie = Apfelkunde) hat sich dem Erhalt der regionalen Vielfalt an alten Obstsorten verschrieben. Zum elften Mal hat er nun eine dieser Sorten zur „Hessischen Lokalsorte“ gekürt: den Siebenschläfer-Apfel. Ihren Namen erhalten hat die über 200 Jahre alte Sorte (ob sie mit dem „Roten Bellefleur“ identisch ist, ist unter Pomologen umstritten), weil sie als letzte blüht – erst Ende Juni um den Siebenschläfertag.

Schöne Färbung und feste Schale

Vorzüge des Siebenschläfer-Apfels sind laut Pomologen-Verein schöne Färbung, feste Schale und Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheitserregern – daher sei er für den Streuobstanbau und den Hausgarten sehr zu empfehlen. Dies will das städtische Umweltreferat nutzen: „Wir werden in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Offenbach einige Siebenschläfer-Apfelbäume auf einer unserer Streuobstwiesen pflanzen, vermutlich im zeitigen Frühjahr oder Spätherbst am Albanusberg“, sagt Sandra Trinkaus vom Umweltreferat.

Außerdem sei geplant, dort einige Exemplare des Wilden Holzapfels anzupflanzen. Dieser ist deutscher „Baum des Jahres“, von ihm stammen unsere heutigen Kulturapfelsorten ab. „Die Äste der Wildpflanze haben Dornen und ihre tischtennisballgroßen Früchte sind gelbgrün und von herb-saurem Geschmack“, weiß Trinkaus. „Holzäpfel wurden schon zur Zeit der Pfahlbauten genutzt. Die Früchte sind gedörrt oder gekocht genießbar. Seit der Verbreitung des Kulturapfels hat der Holzapfel keinerlei wirtschaftliche Bedeutung mehr.“

Ausstellung in der Stadtbücherei

Weitere Sorten oder Arten des Jahres kommen bereits in Langen vor – in Feld, Flur oder dem heimischen Garten. Das Umweltreferat stellt sie derzeit in einer Ausstellung in der Stadtbücherei vor. Umwelt- und Naturschutzorganisationen wählen alljährlich die Naturelemente des Jahres aus dem Bereich der gefährdeten Pflanzen, Tiere und Landschaften. Damit soll auf ihre Besonderheiten aufmerksam gemacht und für den Erhalt und Schutz ihrer Lebensräume sensibilisiert werden.

Dabei sind nicht alle so selten oder bedroht wie die Bekassine (Vogel des Jahres). Sie allerdings lebt nicht im Rhein-Main-Gebiet. In Deutschland gibt es nur noch um die 6 000 Brutpaare (vor 20 Jahren waren es noch doppelt so viele); damit ist die Bekassine vom Aussterben bedroht. Der Vogel des Jahres soll als Botschafter für den Erhalt von Mooren und Feuchtwiesen werben. Der taubengroße Schnepfenvogel mit dem beige-braunen Federkleid und dem markanten Schnabel wird wegen seines lautstarken Balzflugs gern Meckervogel genannt. „Die Bekassine hätte tatsächlich guten Grund, sich zu beschweren, denn mit Mooren und Feuchtwiesen schwindet ihr Lebensraum zusehends. Anzutreffen ist sie am häufigsten noch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg“, erklärt Trinkaus.

Holzapfel – Skizze aus dem Jahr 1885.   

Noch relativ gängig ist dagegen die Kapuzinerkresse, die in vielen Gärten den Blick des Betrachters erfreut, schmackhaft ist, aber auch zur Arzneipflanze des Jahres taugt. Einige weitere in diesem Jahr präsentierte Arten/Sorten sind der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter (Schmetterling), die Speer-Azurjungfer (Libelle), die Gemeine Tapezierspinne, das Leineschaf (Nutztierrasse) oder die Gebänderte Flussköcherfliege (Insekt), das Blaue Leberblümchen (Blume), die Wolfsmilch (Staude), die Damaszenerrose (Heilpflanze), der Igelschlauch (Wasserpflanze), das Brunnenlebermoos (Moos) sowie der Braungrüne Zärtling (Pilz).

Die Ausstellung des Umweltreferats in der Bücherei im Stadthallenkomplex ist bis 16. Februar (dienstags 13 bis 19 Uhr, mittwochs 13 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags 10 bis 18 Uhr, samstags 14 bis 17 Uhr) zu sehen. Es gibt ausführliches Infomaterial, zudem stehen Kinder- und Sachbücher rund um die heimische Tier- und Pflanzenwelt zur Ausleihe bereit. Weitere Infos gibts hier.

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