Jugendfragebogen

Was Erstwähler wissen wollen, beantwortet Angela Kasikci (SPD)

Auch die Kandidaten waren mal jung: Angela Kasikci hat uns freundlicherweise dieses Kinderbild zur Verfügung gestellt.
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Auch die Kandidaten waren mal jung: Angela Kasikci hat uns freundlicherweise dieses Kinderbild zur Verfügung gestellt.

Jungwähler fragen, die Kandidaten antworten. Den Jugendfragebogen hat Angela Kasikci (SPD) folgendermaßen ausgefüllt.

Langen – In Langen gibt es ein gutes kulturelles Angebot für (Klein-)Kinder, aber für Jugendliche und junge Erwachsene wird (zu) wenig geboten. Haben Sie Ideen, wie das verbessert werden könnte?

Foren und Räume schaffen, in denen gute Ideen gesammelt und mit Hilfe der Verantwortlichen umgesetzt werden können. Beispielsweise könnte das Jugendzentrum in Kooperation mit dem Jugendforum, Vereinen, Schulen oder anderen Initiativen wie dem Café 46 der Evangelischen Kirchengemeinde Langen eine Projektwerkstatt veranstalten, um ein – aus eurer Sicht – wirklich spannendes und interessantes Kulturprogramm für Jugendliche und junge Erwachsene zu entwickeln. Ob das Konzerte von Jugendbands sind, Partys, Nachmittagsdiscos, Flohmärkte, Jugendtheatergruppen, Kreativworkshops oder VHS-Kurse speziell für Jugendliche, bleibt euren Vorstellungen und Ideen überlassen.

Das Fahrrad ist gerade für Jugendliche ein wichtiges Fortbewegungsmittel – aber es gibt viele unsichere Stellen in der Stadt. Welche Pläne haben Sie, um Radfahren in Langen sicherer und komfortabler zu machen?

Fahrradwege und Fahrradstraßen (für Radverkehr privilegierte Straßen mit verkehrlichen Sonderregeln) müssen weiter ausgebaut werden, z. B. vom Gymnasium zur Bahn und zum alten Rathaus. Sie müssen breit genug sein, Bordsteine abgesenkt, Kanten und Schadstellen ausgebessert werden, was regelmäßig zu kontrollieren und durch eine Online-Meldestelle sicherzustellen ist. Dem Zustellen der Radwege durch Falschparker und Anlieferer muss durch ordnungspolizeiliche Maßnahmen entgegengewirkt werden. Unübersichtlicher Verkehrsraum wie an der oberen Bahnstraße ist zum Schutz der schwächeren Verkehrsteilnehmer zu Rad und Fuß sicher umzugestalten. Radwege, Radstreifen und Schutzstreifen sind im Bereich von Kreuzungen und Abbiegebereichen farbig anzulegen, sodass Autofahrer Radfahrer deutlich und rechtzeitig wahrnehmen.

In Langen gibt es das Jugendforum, dessen Mitglieder aber maximal 18 Jahre alt sein dürfen. Junge Menschen möchten politisch mitreden, aber sich nicht unbedingt gleich ideologisch festlegen und sich einer Partei (oder deren Jugendorganisation) anschließen. Wie könnten Sie sich vorstellen, junge Erwachsene stärker in die Entwicklung der Stadt einzubeziehen?

Um mitreden zu können, müssen Jugendliche und junge Erwachsene gut informiert sein. Informationen sollten dazu leicht erreichbar sein, beispielsweise durch Internet, digitale Litfaßsäulen und ähnliche Vorrichtungen. Im Rathaus sollte es feste Anlaufstellen und regelmäßige Verabredungen geben, um die Zusammenarbeit mit jungen Menschen dauerhaft zu etablieren. Verwaltung und Politik muss sich mit euch gut vernetzen. Neben dem Jugendforum mit seiner Altersbeschränkung gibt es altersunabhängige Institutionen und Treffpunkte wie die Schulen, Schülervertretungen, Vereine und kirchliche Einrichtungen, um mit möglichst vielen jungen Menschen in Kontakt zu kommen und zu bleiben.

Die Bahnstraße – und damit auch das Zentrum von Langen – ist bekanntlich nicht der schönste Fleck auf Erden. Das Einkaufen und auch das einfache Zeitverbringen sind in diesem Ambiente wenig attraktiv. Gibt es da Ideen für Veränderungen?

Die obere Bahnstraße ist fußgängerfreundlich zu gestalten, der Verkehr dort zu reduzieren. Breitere Bürgersteige, einladende Stadtmöblierung und ausreichende Begrünung laden zum Verweilen ein. Sauberkeit und innovative Beleuchtungskonzepte werten das Straßenbild zusätzlich auf. Es gilt, zusammen mit den Immobilieneigentümern und Geschäftsleuten ein gutes Konzept zur Belebung unserer Bahnstraße zu finden und zu bewerben; auf diese Weise der Stadtbevölkerung einen „guten Mix“ an Gastronomie, Cafés, attraktiven Geschäften und Dienstleistungen anzubieten.

Anknüpfend an die vorherige Frage: Brauchen wir im Zeitalter von Online-Shopping und Co. überhaupt noch so viele lokale Einkaufsmöglichkeiten, von denen sich ohnehin nur wenige langfristig behaupten können?

Unbedingt, denn Einkaufen ist nicht nur Konsum, sondern auch Erlebnis! Das Gespräch mit der Verkäuferin, die Beratung, Artikel aus- oder anprobieren, Freunde treffen und noch einen Cappuccino trinken. Es ist zudem nachhaltiger, mit dem Einkaufskorb loszuziehen und lokale Dinge einzukaufen, anstatt von Amazon mehrfach verpackt über etliche Kilometer anliefern zu lassen. Lokal Einkaufen heißt auch, die lokale Wirtschaft und die hier arbeitenden Menschen zu unterstützen. Schlussendlich können wir nicht alles im Internet einkaufen: Der Friseurbesuch bleibt zwangsläufig analog.

Einige Plätze in Langen sind noch schlecht per ÖPNV erreichbar. Sehen Sie Verbesserungsbedarf – und wenn ja, wo und wie?

Es gibt vereinzelte Stellen in Langen, die nicht optimal angeschlossen sind, zum Beispiel in den neuen Stadtteilen im Langener Norden. Von meinen Kindern weiß ich, dass die Busverbindung von Egelsbach zur Dreieichschule nicht ideal ist (Fahrtzeiten und Besetzung). Die Stadtwerke Langen – als eine Verantwortliche neben den Buslinien von KVG und RMV – nehmen derartige Beschwerden auf und arbeiten intensiv an einer Umstellung. Davon konnte ich mich persönlich in einer Gesprächsrunde bei den Stadtwerken überzeugen. Fahrgäste bei zukünftigen Änderungen der Streckenführung und der Busfahrpläne verstärkt zu beteiligen, ist der richtige Weg.

Brauchen wir die Regionaltangente West (RTW)?

Auf jeden Fall: Der direkte Schienenanschluss von Langen zum Flughafen und weiter zum Gewerbepark Höchst, also wesentlicher Teile Frankfurts am Main, entlastet die Straßen und damit die Umwelt. In Langen wohnen viele Pendler, die dort arbeiten. Auch Geschäftsleute und Unternehmer benötigen die internationale Anbindung des Flughafens. Die Deutsche Flugsicherung hat ihren Sitz im Wirtschaftszentrum Neurott. Da macht eine Direktanbindung Sinn.

Die Langener Schulen, Kitas und Betreuungseinrichtungen platzen aus allen Nähten. Wie soll das möglichst schnell in den Griff bekommen werden?

Krippe, Kindergarten und Grundschulbetreuung sind konsequent weiter auszubauen. Alternative Betreuungsmodelle, wie beispielsweise die Kinderwohnungen (Kleingruppenbetreuung durch qualifizierte Tagesmütter in angemieteten Wohnungen), Wald- oder Sportkindergärten können zusätzliche Entlastung schaffen. Personal kann durch die Ausbildung von Erzieher/innen sowie Quereinsteigern gewonnen werden. Auch der Betreuungsschlüssel (Gruppengröße, Verhältnis Kinder/Betreuungspersonen) muss auf den Prüfstand, wenn der Bedarf so groß ist. Der Ausbau der Ganztagsschule sollte – soweit möglich – kommunal unterstützt werden.

Welche Pläne gibt es zum Ausbau des Sportangebotes und wie sollen die Sportanlagen zukünftig modern gehalten werden?

Die Stadt Langen hat 2019 zusammen mit den Langener Sportvereinen, den Schulen und den Landesportbund Hessen den Sport- und Sportstättenentwicklungsplan fertiggestellt. Mit Hilfe eines professionellen Planungsbüros wurden u. a. praktische Ideen gesammelt, wie sich Schulen und Vereine besser vernetzen und auch Wald- und Freiflächen sportlich genutzt werden können. Beispielsweise soll der Sportpark Oberlinden (Georg-Sehring-Halle, Sportanlagen des TVL, 1. FC Langen und TKL) grundlegend modernisiert und neu strukturiert werden. Das Gutachten empfiehlt zudem, vereinsübergreifend Trendsportangebote (feste Angebote wie z. B. Parcours oder wechselnde Angebote in Jugendsportclubs) zu organisieren.

Warum sollen wir junge Menschen gerade Sie wählen?

Weil ich offen bin für eure Ideen, Vorschläge und Kritik. Ich empfinde euren Input als Bereicherung für unsere Stadtentwicklung, die euch gleichermaßen betrifft. Durch meine drei Kinder im Alter von 14, 16 und 17 Jahren kann ich Vieles nachvollziehen, was euch beschäftigt. Meine jahrelange Mitarbeit in den Elternvertretungen der Albert-Schweitzer-Schule und der Dreieichschule Langen haben mir weitere Einblicke in Teile eurer Lebenswelt eröffnet. Ihr habt eine andere Perspektive auf das Stadtgeschehen – und das ist gut so: Bürgerbeteiligung kennt keine Altersgrenzen.

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