Gemeinsam Lösungen finden

Was Erstwähler wissen wollen, beantwortet Stephanie Tsomakaeva

Auch die Kandidaten waren mal jung: Stephanie Tsomakaeva hat uns freundlicherweise dieses Jugendfoto zur Verfügung gestellt.
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Auch die Kandidaten waren mal jung: Stephanie Tsomakaeva hat uns freundlicherweise dieses Jugendfoto zur Verfügung gestellt.

Jungwähler fragen, die Kandidaten antworten. Den Jugendfragebogen hat Stephanie Tsomakaeva (Einzelbewerberin) folgendermaßen ausgefüllt.

Langen – In Langen gibt es ein gutes kulturelles Angebot für (Klein-)Kinder, aber für Jugendliche und junge Erwachsene wird (zu) wenig geboten. Haben Sie Ideen, wie das verbessert werden könnte?

Freie Anbieter können meist nachhaltiger ein gutes Angebot schaffen als ein Amt der Stadt, aber der Bürgermeister muss hinter diesen Initiativen stehen und gemeinsam mit der Stadtverwaltung zeitnah die passenden Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehört beispielsweise, die erforderliche Infrastruktur (ÖPNV, Stadthalle usw.) zur Verfügung zu stellen.

Außer dem kulturellen Angebot erscheint mir das gesamte Freizeitangebot der Stadt Langen für junge Menschen nicht besonders attraktiv zu sein. Bei der Stadtplanung der letzten Jahre sind viele freie Flächen verschwunden, damit auch Platz für selbst organisierte Aktivitäten, wie z. B. der Bolzplatz auf dem Grundstück der Stadtwerke. Für diese müssen wir Ersatzflächen finden, weil Jugendliche keine fertigen Pläne für ihre Freizeitgestaltung brauchen, sondern sicheren Freiraum.

Das Fahrrad ist gerade für Jugendliche ein wichtiges Fortbewegungsmittel – aber es gibt viele unsichere Stellen in der Stadt. Welche Pläne haben Sie, um Radfahren in Langen sicherer und komfortabler zu machen?

Leider gibt es in Fragen der Verkehrsführung meistens keine optimalen Lösungen, sondern nur einen schmerzhaften Abwägungsprozess. Mehr Platz für Fahrradfahrer bedeutet oft weniger für die anderen Straßenteilnehmer. Deshalb habe ich keine pauschalen Pläne. Mit meinem Ideenfinder auf der Teilhabe-Plattform will ich unsere Stadt gemeinsam mit den Bürgern insgesamt weiterentwickeln. Ich bin der festen Überzeugung, dass knapp 40 000 Langener zusammen mehr gute Lösungen für sicheres und komfortables Radfahren haben als eine Stadtverwaltung alleine.

In Langen gibt es das Jugendforum, dessen Mitglieder aber maximal 18 Jahre alt sein dürfen. Junge Menschen möchten politisch mitreden, aber sich nicht unbedingt gleich ideologisch festlegen und sich einer Partei (oder deren Jugendorganisation) anschließen. Wie könnten Sie sich vorstellen, junge Erwachsene stärker in die Entwicklung der Stadt einzubeziehen?

Den Wunsch, sich direkt einzubringen, ohne erst in eine Partei eintreten zu müssen, haben heute ganz viele Menschen. Völlig unabhängig vom Alter. Die Demokratie in diesem Punkt weiterzuentwickeln ist eines meiner wichtigsten politischen Anliegen. Mit der Einführung einer Bürger-Teilhabe-Plattform (auch als App) werde ich Teilhabe einfach machen. Dort kann dann jeder die Pläne der Stadt diskutieren, seine eigenen Ideen in Form einer Initiative starten und Probleme melden.

Die Bahnstraße – und damit auch das Zentrum von Langen – ist bekanntlich nicht der schönste Fleck auf Erden. Das Einkaufen und auch das einfache Zeitverbringen sind in diesem Ambiente wenig attraktiv. Gibt es da Ideen für Veränderungen?

Mein Ziel ist, die Innenstadt in einen lebendigen Treffpunkt zu verwandeln. Das wird Langen auch für junge Menschen lebenswerter machen. Die Stadt kann dafür den nötigen Rahmen schaffen: ein kostenfreies Stadt-WLAN, Bekanntmachungen, attraktive Gestaltung öffentlicher Wege und Plätze. Orte, an denen wir Lust haben, uns zu treffen und Zeit zu verbringen.

Oft wird verkannt, dass Menschen auch zur Innenstadt kommen müssen, weshalb die Innenstadt auch ÖPNV-Anbindungen sowie zentrale Stell- und Parkplätze braucht, sonst wird die Innenstadt auf Dauer den Kampf gegen die großen Supermärkte nicht gewinnen können.

Anknüpfend an die vorherige Frage: Brauchen wir im Zeitalter von Online-Shopping und Co. überhaupt noch so viele lokale Einkaufsmöglichkeiten, von denen sich ohnehin nur wenige langfristig behaupten können?

Natürlich verändert sich durch Online-Shopping das Angebot in den Innenstädten. Während früher in den Innenstädten Waschmaschinen, Farbe und sogar Möbel verkauft wurden, werden dort heute mehr Dienstleistungen erbracht. Attraktive Innenstädte sind Orte zum Treffen, Essen, Zeitverbringen und dem Einkauf von Dingen, die man eben lieber kauft, nachdem man sie vorher anprobiert oder in der Hand gehalten hat.

Die Stadtverwaltung muss die Zeichen der Zeit erkennen und dem Gewerbe die Veränderung erleichtern. Ein zielgerichtetes kostenfreies Stadt-WLAN für den Einzelhandel vom Bahnhof hoch die Bahnstraße entlang bis zur Altstadt ist eine der möglichen Erleichterungen.

Einige Plätze in Langen sind noch schlecht per ÖPNV erreichbar. Sehen Sie Verbesserungsbedarf – und wenn ja, wo und wie?

Der ÖPNV, der zu festgelegten Zeiten feste Routen fährt, ist für bestimmte Strecken zu teuer. Er muss heute, da fast alle Menschen ein Smartphone haben, auch nicht immer nach einem festen Fahrplan funktionieren. Ich könnte mir gut vorstellen, zusammen mit der Ausschreibung für die Bürger-Teilhabe-Plattform auch eine Ausschreibung für ein Taxi-Online-Projekt zu initiieren. Wir könnten ähnliche Funktionen wie Uber und MyTaxi nutzen, um kostengünstig und zu allen Tag- und Nachtzeiten Menschen sicher von A nach B zu befördern: Alle angemeldeten Taxifahrer (Gewerbetreibenden) sind online sichtbar und Nutzer können diese online bestellen. Für Menschen, die Unterstützung brauchen, könnten bestimmte Anfragen verbilligt oder über ein Stadttelefon buchbar sein.

Brauchen wir die Regionaltangente West (RTW)?

Ja, wir brauchen dringend S-Bahn-Ringverkehr um Frankfurt herum. Am besten einen inneren Ring und einen äußeren Ring. Es ist für mich ein Unding, dass auf dem Weg von Langen nach Offenbach, Wiesbaden oder zum Flughafen immer ein Umsteigen in der Frankfurter Innenstadt notwendig ist. Die Regionaltangente West ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Ich hoffe, es werden zeitnah weitere folgen.

Die Langener Schulen, Kitas und Betreuungseinrichtungen platzen aus allen Nähten. Wie soll das möglichst schnell in den Griff bekommen werden?

Langen hat mit dem Bau von neuen Wohnungen viel dafür getan, dass junge Familien potenziell mehr Wohnraum haben, aber es hätten sofort Kindergärten und Schulen im Verhältnis zur Anzahl der Wohnungen gebaut werden müssen. Ich schlage vor, dass jeder zukünftige Bebauungsplan von vorneherein vorsehen sollte, die entsprechende soziale Infrastruktur für die Stadt mitzubauen.

Wir sollten auch einen Weg finden, wie wir Tagesmüttern mit Arbeitserfahrung und anderen Quereinsteigern die Arbeit in unseren Betreuungseinrichtungen ermöglichen. Je mehr attraktive Dinge Langen außerdem noch anzubieten hat, wie z. B. kostenfreies Stadt-WLAN, keine Funklöcher, Aufforstung und eine Bürger-Teilhabe-Plattform, also je lebenswerter, moderner und demokratischer die Stadt wird, desto leichter wird es auch, Mitarbeiter zu finden, die gerne hier in Langen arbeiten wollen.

Welche Pläne gibt es zum Ausbau des Sportangebotes und wie sollen die Sportanlagen zukünftig modern gehalten werden?

Zuallererst brauchen wir eine bessere Organisation der Nutzung bestehender Hallen und Plätze, wie einen gemeinsamen Schlüssel- und Reinigungsdienst, der die Nutzung auch am Wochenende, in den Ferien, im Winter und von verschiedenen Anbietern nacheinander möglich macht.

Für die Sanierung der Anlagen hat die Stadtverwaltung bereits einen ambitionierten Sport- und Sportstättenentwicklungsplan vorgelegt, den ich zwar unterstütze, aber nur, wenn eine allgemein verständliche Kosten-Nutzen-Analyse veröffentlicht wird. Sollte eine Finanzierung notwendig werden, die über einen verabschiedeten Haushaltsplan hinausgeht, will ich, dass die Langener gefragt werden.

Mit einem guten Online-Mängelmelder und in Zusammenarbeit mit den Sportvereinen können wir außerdem die zukünftig notwendigen Instandhaltungsarbeiten schneller abarbeiten als bisher.

Warum sollen wir junge Menschen gerade Sie wählen?

Mein Angebot, die Stadt lebenswerter, moderner und demokratischer zu gestalten, bietet ganz besonders jungen Leuten eine Vielzahl an Möglichkeiten, sich einzubringen und ihre Zukunft nicht anonym anderen zu überlassen. Auch diejenigen, die wirklich etwas für die Umwelt und das Klima machen wollen, sollten mich wählen: Ich werde dafür sorgen, dass in Langen für jeden gefällten Baum binnen eines Jahres zwei neue Bäume gepflanzt werden.

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