Stillstand – sofort und konsequent

Öffentliches Leben wird eingefroren, um Virus-Ausbreitung einzudämmen

Auch Langen und Egelsbach greifen zu weitreichenden Maßnahmen, um die Coronavirus-Ausbreitung einzudämmen (Symbolbild).
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Auch Langen und Egelsbach greifen zu weitreichenden Maßnahmen, um die Coronavirus-Ausbreitung einzudämmen (Symbolbild).

Um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, setzen die Verwaltungen in Langen und Egelsbach auf rigorose Maßnahmen: Ab Montag bleiben in beiden Kommunen die Rathäuser sowie nahezu alle öffentlichen Einrichtungen für den Publikumsverkehr geschlossen.

Langen/Egelsbach – Aus etlichen Veranstaltungen von Vereinen hüben wie drüben wird bekanntlich nichts, da sie verschoben oder abgesagt worden sind, Gleiches gilt für das Programm der Langener Stadthalle.

Ab Montag folgen weitere vorbeugende Schritte. „Die Gesundheit der Bevölkerung hat oberste Priorität und das bedeutet, dass wir sofort und konsequent alles tun, was dabei hilft, der schnellen Ausbreitung des Coronavirus entgegenzuwirken“, erklären die Bürgermeister Frieder Gebhardt und Tobias Wilbrand. In Abstimmung mit der Kreisverwaltung um Landrat Quilling und den Gesundheitsbehörden werden die kommunalen Verwaltungen für den allgemeinen Publikumsverkehr geschlossen. In Egelsbach gilt die Regelung vorerst bis Ende März, in Langen bis 10. April.

In Langen bleiben das Kundenzentrum der Stadtwerke (Weserstraße) und nahezu alle öffentlichen Einrichtungen ab Montag für vier Wochen dicht. Die Volkshochschule, die Musikschule, das Stadtmuseum und die Stadtbücherei setzen Unterricht, Publikumsbetrieb und Veranstaltungen aus. Das Kulturhaus Altes Amtsgericht und das städtische Jugendzentrum bleiben bis auf Weiteres geschlossen, ebenso das Begegnungszentrum Haltestelle. Dessen Sozialstation allerdings wird den Pflegebetrieb aufrechterhalten. Auch mit Schwimmen ist es fürs Erste vorbei – die Bäder- und Hallenmanagement GmbH schließt das Hallenbad für jedwede Aktivitäten.

In Egelsbach sind die Volkshochschule und die Musikschule bereits seit gestern geschlossen – „Grund ist ein bestätigter Corona-Fall bei den Dozenten“, teilt Wilbrand mit. „Diese Person, die nicht in Egelsbach wohnt, war zum letzten Mal am 3. März in der VHS. Wahrscheinlich hat sie sich erst am 5. März angesteckt, das ist aber nicht sicher. Um jedes Risiko zu vermeiden, hat das Kreisgesundheitsamt potenzielle Kontaktpersonen schon aufgesucht und die sofortige Schließung der VHS verfügt.“

Der Egelsbacher Verwaltungsstab habe ferner festgelegt, dass sämtliche Veranstaltungen in gemeindlichen Gebäuden und auf öffentlichen Plätzen mit mehr als 30 Teilnehmern abgesagt werden. Still steht auch die Politik: Sitzungen des Gemeindevorstands, der Gemeindevertretung und der Ausschüsse finden vorerst nicht statt.

Einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Ärzte bei der Diagnostik will die Gemeinde Egelsbach durch die Einrichtung eines „Präventions- und Testungszentrums“ leisten. „Es wird in den Räumen des Roten Kreuzes an der Dr.-Horst-Schmidt-Halle geschaffen und ab Montag einsatzbereit sein“, kündigt Wilbrand an. Im Zentrum sollen die in Egelsbach niedergelassenen Ärzte auf Termin Corona-Verdachtsfälle beraten und testen können. „Es bleibt dabei: Wer Krankheitssymptome verspürt, ruft in der Arztpraxis an und geht gar nicht erst dort hin – er wird sowieso nicht mehr reingelassen“, erinnert Wilbrand. „Am Telefon wird ein Termin im Testzentrum vereinbart, wo die Ärzte in der Lage sein werden, Abstriche zu nehmen.“

Die Stadtwerke Langen sind für die sichere Versorgung mit Strom, Gas, Wärme und Trinkwasser sowie den Stadtbusverkehr verantwortlich – „und genau das zu gewährleisten, ist die vordringlichste Aufgabe der dort Verantwortlichen“, sagt Stadtwerke-Direktor Manfred Pusdrowski. Auch bei der Müllabfuhr und der Straßenreinigung werde es keinerlei Einschränkungen geben und der Wertstoffhof könne vorerst zu den bekannten Öffnungszeiten angefahren werden. „Es gilt freilich die Bitte: Nur mit wirklich dringenden Lieferungen vorfahren.“

In den Rathäusern bleiben selbstredend der Arbeitsbetrieb aufrechterhalten und alle Funktionen besetzt. „Alle wichtigen Aufgaben werden erledigt und die Mitarbeiter sind telefonisch oder per Mail erreichbar“, so die Bürgermeister. Wichtig sind beiden Rathaus-Chefs dazu die Akzentuierung von Ruhe und Sachlichkeit im Umgang mit der Pandemie. „Es greifen nun erst mal alle Vorsichtsmaßnahmen“, betont Frieder Gebhardt. Wie sein Egelsbacher Amtskollege bittet er alle Bürger um „Verständnis, Geduld und: Vernunft. Wir appellieren an die Vernunft aller und setzen darauf, dass jeder seinen Beitrag leistet, um die eigene Gesundheit und die anderer zu schützen. Das heißt ganz klar, vorübergehend Verzicht zu üben und soziale Kontakte aufs Minimalmaß zu reduzieren.“

VON HOLGER BORCHARD

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