Seit 15 Jahren hat Weltladen geöffnet

Faire Preise für die Produzenten

Doris Kröll, Margarete Rölz und Rose Schieber (von links) präsentieren im Weltladen farbenfrohes Porzellan aus Südafrika, einer der Verkaufsschlager.  

Langen -  Es ist ein einladendes Lädchen in der Bahnstraße 102. Ein hübsch dekoriertes Schaufenster, in den Regalen kunterbunte Keramik, ausgefallene und sehr modische Taschen und das, was wohl jeder Verbraucher in einem Weltladen erwartet: ein großes Sortiment Kaffee, Tee, Schokoladen, Gewürze aus aller Welt.

Seit 15 Jahren können die Langener fair gehandelte Produkte zu den üblichen Ladenöffnungszeiten kaufen. Das ist vor allem Margarete Rölz zu verdanken. Sie hat schon bestehende Initiativen gebündelt und mit einem ganzen Team den gut funktionierenden Laden initiiert.
„Fairen Handel gibt es in Langen schon viel länger. Die damalige Pfarrerin Helga Trösken ist mit einigen Produkten in ihrer Gemeinde gestartet. Später gab es eine Gruppe rund um Marlies Köhler in der Pfarrei Albertus Magnus“, erinnert sich Margarete Rölz. Als ein Laden in der Friedrichstraße frei wurde, ging sie das Abenteuer Weltladen an. „Ich habe die Kirchen mit ins Boot geholt. Dekan Reinhard Zincke hat uns sehr geholfen bei allen rechtlichen Fragen. Marlies Köhler hatte einen immensen Erfahrungsschatz, was das Bestellen von Waren anging, das hat uns den Anfang sehr erleichtert“, erzählt die Vorsitzende des Weltladen-Vereins.

Zum ersten Öffnungstag gab es Kaffee, Tee, Schokolade und ein bisschen Kunsthandwerk – und es war keinesfalls so, dass die Langener dem Weltladen die Tür eingerannt haben. Die ersten Jahre seien nicht ganz leicht gewesen „Wir mussten uns schon ein bisschen hochdienen.“ Mit dem Umzug an die Bahnstraße hat der Laden 2014 expandiert. In dem großen lichtdurchfluteten Verkaufsraum war mehr Platz für Handwerk und mehr Vielfalt. Bis heute ist Kaffee der Verkaufsschlager Nummer eins. Mit pfiffigen Ideen wie dem Langener Stadtkaffee hat der Weltladen ein eigenes Markenzeichen gesetzt. „Auch Handwerk wird gerne gekauft, die hübschen Kokoslack-Schalen, die Filzwaren aus Nepal, die Keramik aus Afrika“, zählt Rölz die Bestseller auf.

Die Langener Gruppe arbeitet mit den großen Fairtrade-Unternehmen Gepa, El Puente und der Genossenschaft DWP zusammen. Sie alle haben das Ziel, mehr Gerechtigkeit in den Handelsbeziehungen zwischen den Ländern des Südens und des Nordens zu erreichen. Im Mittelpunkt: die Produzenten. Ihnen werden faire Preise, langfristige Verträge und Finanzierungshilfen ermöglicht. Meist gehen soziale Projekte mit einher: Kleinbauern können ihre Kinder zur Schule schicken, in den Dörfern werden Bildungsangebote unterstützt und die Infrastruktur ausgebaut.

Siegel als Orientierung: Umweltbewusst und nachhaltig wohnen

Wissen, worauf man sitzt: Viele Menschen möchten inzwischen nicht nur beim Essen auf nachhaltige und ökologische Produkte setzen, sondern auch bei der Einrichtung. Foto: Rainer Berg/Westend61/dpa-tmn

Die Initiative "Holz von hier" kennzeichnet mit ihrem Label Produkte und Holz aus regionalem Anbau und aus nachhaltiger Waldwirtschaft. Foto: Holz von Hier gGmbH/dpa-tmn

Das europäische Umweltzeichen EcoLabel der Europäischen Kommission mit der Euroblume zertifiziert Produkte aus umweltfreundlicher Fertigung. Foto: EU/dpa-tmn

Das FSC-Label zertifiziert Holz-Produkte aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Foto: FSC Deutschland/dpa-tmn

Der Blaue Engel wird etwa vergeben für emissionsarme Fußbodenbeläge, Wandfarben, Tapeten und Lacke. Foto: Umweltbundesamt/dpa-tmn

Barbara Stocker ist Referentin für Nachhaltigkeit im Projekt label-online.de der Verbraucher Initiative. Foto: Label-online/dpa-tmn

Silke Peters arbeitet für die Verbraucherseite Siegelklarheit.de, die von der Bundesregierung initiiert wurde. Foto: Martin Langhorst/dpa-tmn

„Der Weltladen steht ja nicht nur für den Verkauf fairer Produkte. Das ist nur ein Standbein, die anderen beiden sind die politische Arbeit und unser Bildungsangebot“, erläutert Margarete Rölz. Alle rund 30 Ehrenamtlichen, die gemeinsam in vielen Schichten den Laden bewirtschaften, Waren bestellen, Rechnungen schreiben und Öffentlichkeitsarbeit betreiben, gehe es um die strukturelle Ungerechtigkeit, die auf der Welt herrsche. „Die können wir nicht damit beheben, in dem wir sagen: Ich bin reich, ich gebe den Armen jetzt Geld. Wir müssen die südlichen Länder und ihre Potenziale ernst nehmen. Nachhaltige Entwicklungsziele müssen für mehr Gerechtigkeit sorgen“, sag Margarete Rölz. Um diese Intension auch bei den Jüngsten schon fest zu verankern, gibt es eine regelmäßige Zusammenarbeit mit Kindergärten und Schulen, die den Weltladen besuchen, die Waren probieren und Einiges über Gerechtigkeit lernen.

In den vergangenen Jahren habe sich sehr viel getan. Das Bewusstsein für fairen Handel in Deutschland sei gestiegen. „In vielen Supermärkten werden heute Gepa-Produkte angeboten. Das ist ein positives Zeichen, so konnte der Umsatz auf 1,3 Milliarden Euro im Jahr anwachsen“, sieht Rölz Supermärkte nicht als Konkurrenz. Der Weltladen könne mit persönlicher Beratung zu den Produkten und den Vermarktungswegen punkten. Daher hofft sie, dass sie noch mehr Helfer gewinnen kann. (zcol)

Der Weltladen, Bahnstraße 102, ist geöffnet montags bis freitags von 9.30 bis 13 und 14.30 bis 18.30 Uhr sowie samstags von 9.30 bis 13 Uhr.

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