Benefizabend für Haltestelle

Benefizabend bringt Besuchern Schottland auf ungewöhnliche Weise nahe

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Hans-Josef Rautenberg liest seine mörderische Kurzgeschichte. Er hat den Abend organisiert.

Der Benefizabend für den Freundeskreis der Haltestelle in Langen bringt Besuchern Schottland auf ungewöhnliche Weise nahe – Mit Whisky, Dudelsack und Mord.

Langen – Leise dröhnt die Musik schon aus dem Flur, dann öffnet sich die mit Glaskunst verzierte Tür zum Saal des Petrus-Gemeindehauses und Lothar Eckmayer tritt hindurch – den Dudelsack spielend. Viele schauen verzückt, einige halten sich dann doch kurz die Ohren zu, als der Musiker mit dem schottischen Nationalinstrument an ihnen vorbeiläuft. „Flower of Scotland“, eine der drei inoffiziellen Nationalhymnen, gibt Eckmayer zum Besten. Und untermalt damit perfekt die Kurzgeschichte, die Hans-Josef Rautenberg eben auf der Bühne vorgetragen hat.

Der Mann im Anzug, der komplett im roten Schottenmuster gehalten ist, hat den besonderen Abend organisiert. Gemeinsam mit dem Begegnungszentrum Haltestelle und der Volkshochschule gibt es an diesem Abend Kurzgeschichten, Musik und Bühnenplauderei über Schottland, die Schotten und ihre Eigenheiten. Dazwischen tischt Katharina Westphal-Ritz ein schottisches Menü auf. Autor Rautenberg hat mit seinen „Shorts – Kurzgeschichten der besonderen Art“ schon öfter Themenabende für den guten Zweck organisiert – diesmal kommt der Erlös dem Freundeskreis der Haltestelle zugute.

„Bei Schottland denkt man an Dudelsäcke, Kilts und Whiskey – heute soll es aber auch um Liebe und Mord gehen“, sagt Rautenberg. Gleich zwei der Kurzgeschichten, die er und sein Autoren-Kollege Erik Sosnowski vortragen, sind Krimis. Das kommt nicht von ungefähr: „Die Highlands eignen sich eben hervorragend zum Morden“, sagt Rautenberg lächelnd. 

Stilecht interpretieren Dudelsackspieler Lothar Eckmayer, Sängerin Ronja Schnellen und Flötistin Jasmin Fritsch „Scotland the Brave“, eine der drei inoffiziellen Hymnen.

In seiner ersten Geschichte hält die englische Frau eines Schotten das ständige Dudelsackspielen des Gemahls nicht mehr aus – und beschließt, ihn zu vergiften. Ausgerechnet am Burns Supper, dem Fest zu Ehren des schottischen Dichters Robert Burns, soll er den letzten Ton blasen – denn die Gattin will das Mundstück mit Gift versehen. Stimmungsvolle Einblendungen unterstreichen den Schottland-Charme während der Lesungen und zeigen Bilder genannter Orte.

In Sosnowkis Geschichte geht es hingegen um „Genuss“: Er schildert humorvoll die Fachsimpelei von zwei Whiskykennern und -brennern. Wer Lust bekommt, sich das „Wasser des Lebens“ einzuverleiben, ist bei Michael Schmidt richtig: Der Langener Journalist hat in Edinburgh ein Whisky-Zertifikat erlangt. An seinem Stand hat er über 35 Sorten dabei und berät im Laufe des Abends auch viele Neulinge. „Beim Whisky muss jeder seinen eigenen Geschmack finden“, sagt Schmidt. Die Gelegenheit nutzen viele Besucher, auch das schottische Menü kommt gut an. So mancher Gast hat beim Steckrüben-Püree ein wahres Aha-Erlebnis.

Echt schottisch: Viele holen sich bei Michael Schmidt (rechts), Jodi Routh (links) und Björn Hau einen Whisky.

Es ist ein erfolgreicher Abend für den Organisator: „100 Leute sind hier, das hat unsere Erwartungen weit übertroffen“, freut sich Rautenberg, der zwischendurch seinen Tartan-Anzug gegen eine volle schottische Montur inklusive Kilt, Hut und Strümpfe tauscht. Besonders freuen kann sich aber der Freundeskreis der Haltestelle. Vom Erlös sollen mobile Rampen angeschafft werden, die barrierefreien Zugang zu Gebäuden ermöglichen. So auch zum Petrus-Gemeindehaus, wo die Haltestelle ihr 25-jähriges Bestehen feiert. Der Rollstuhlaufgang dort ist nicht für große Gruppen geeignet. „Es ist aber auch wichtig, dass Menschen, die nicht mehr mobil sind, nicht zu einem Extraeingang müssen, sondern einfach integriert werden“, sagt der Haltestellen-Leiter Martin Salomon.

VON JULIA RADGEN

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