Corona-Krise

Wirtschaftsförderung will Unternehmen zur Seite stehen

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Joachim Kolbe, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport in Langen.

Die Wirtschaftsförderung in Langen ist nun besonders gefragt. Im Interview spricht Fachbereichtsleiter Joachim Kolbe über die Herausforderungen der Corona-Krise.

Langen – Geschäfte geschlossen, Restaurants geschlossen, Unternehmen im Krisenmodus – das Coronavirus hat die lokale Wirtschaft fest im Würgegriff. In der Langener Stadtverwaltung sind die Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung auch in normalen Zeiten stets in regem Austausch mit Firmen und Geschäftsleuten. Joachim Kolbe, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport, erläutert, wie sich die Situation in den vergangenen Tagen verändert hat.

Herr Kolbe, hat die Wirtschaftsförderung schon Meldungen von Einzelhändlern oder anderen Gewerbetreibenden, die durch die Corona-Krise in Schwierigkeiten geraten sind?

Die Ereignisse überschlagen sich. Viele Betriebe, Geschäfte, Kleinunternehmen, Gastronomen oder Selbstständige sehen sich ganz plötzlich mit existenziellen Sorgen und Problemen konfrontiert und müssen fast schon im Stundentakt mit immer neuen Verordnungen und Rahmenbedingungen klarkommen, schnell handeln und ihr wirtschaftliches Überleben sichern. Wir halten natürlich auf allen erdenklichen Wegen Kontakt zur örtlichen Wirtschaft, beantworten Fragen so gut und so schnell wir können, vermitteln Kontakte und geben Tipps. Außerdem sind wir im täglich tagenden Krisenstab der Stadt Langen mit dem Bürgermeister, den städtischen Fachbereichsleitungen, der Feuerwehr, den Kommunalen Betrieben und den Langener Stadtwerken vertreten und bringen dort die Anliegen der Einzelhändler und Gewerbetreibenden zur Sprache. Vieles wird sofort geklärt.

Corona-Krise in Langen: Wirtschaftsförderung stellt Kontakte her

Wie können Sie und Ihre Mitarbeiter helfen?

Wir stehen ständig telefonisch oder per Mail als Ansprechpartner und Vermittler zur Verfügung. Wir sorgen umgehend für Klärung und Abstimmung mit Stellen im Rathaus, beispielsweise dem Ordnungsamt, und stellen, wo nötig, Verbindungen zu Behörden, Verbänden und Unternehmen her. Vor allem aber sichten und sammeln wir permanent sowohl amtliche als auch andere hilfreiche Informationen und stellen sie aktuell und kompakt auf der Website der Stadt Langen bereit, um Orientierung zu geben. In diesen Tagen, in denen sich alles unglaublich schnell entwickelt und in denen sich die verantwortlichen Akteure tatsächlich in fast allen Lebensbereichen auf Sicht bewegen, sind zuverlässige Informationen, seriöse Kommunikation und vernünftiges Handeln von herausragender Bedeutung.

Hat die Stadt Langen die Möglichkeit, Handel und Handwerk direkt zu unterstützen?

Die heute absehbaren Problemlagen sind sehr unterschiedlich, der Lebensmittelhandel steht vor völlig anderen Schwierigkeiten als die Gastronomie oder die Hotels oder gar die Künstler, die schon unter normalen Bedingungen ausgesprochen fragile Arbeitsbedingungen haben. Dienstleister und Handwerker stehen momentan anders da als die Geschäfte, die binnen Stundenfrist komplett schließen mussten. Große Unternehmen, Mittelständler, Kleinunternehmen oder Soloselbstständige, von Branche zu Branche, Region zu Region, das kann man nicht über einen Kamm scheren. Die Unterstützung und die Instrumente dafür müssen, so schwer das in der Umsetzung ist, sehr unterschiedlich ausfallen, sie müssen zielgerichtet und wirklich wirksam sein. Und sie müssen obendrein in vielen Fällen rasend schnell für Liquidität sorgen, Insolvenzen abwenden und gleich den Neustart vorbereiten. Die Bundesregierung hat am Montag wegweisende Beschlüsse zum Miet- oder Insolvenzrecht, zu Kreditprogrammen und Zuschüssen als Soforthilfe gefasst, die meines Erachtens allesamt richtig sind und die jetzt hoffentlich bis zum Ende der Woche von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden. Dann können die Unternehmen, Betriebe und Soloselbstständigen ihre Anträge stellen, die mit Hochgeschwindigkeit bearbeitet werden müssen, damit das Geld noch zur rechten Zeit auf den richtigen Konten landet.

Corona-Krise in Langen: Stadt will Firmen helfen

Und wie würde das dann ablaufen?

Die Auszahlung der Soforthilfen läuft über das Regierungspräsidium Kassel und – für Langen – über die IHK Offenbach und die hiesige Handwerkskammer. Konkret spielen für die örtlichen Betriebe in diesen Tagen die jeweiligen Hausbanken, die Sparkasse Langen-Seligenstadt und die Volksbank Dreieich die herausragende Rolle. Wir wissen, dass sie sich auf das Kommende bestmöglich vorbereitet haben. Außerdem sind die Agentur für Arbeit und das Finanzamt wichtige Adressen und auch die Stadt Langen wird bei Stundungen von Gewerbesteuerzahlungen oder der Herabsetzung von Gewerbesteuervorauszahlungen den Firmen selbstverständlich helfen, die Krise zu meistern. Außerdem hält die Stadt bei ihren Investitionen und Projekten Kurs und sorgt so nach Kräften für Nachfrage und Beschäftigung.

Befürchten Sie, dass durch die Krise die Innenstadt ihr Gesicht verändern wird?

Diese Krise wird das Gesicht hoffentlich nicht verändern. Wir hoffen vielmehr, dass die zahlreichen Bauvorhaben und Geschäftsentwicklungen in der Innenstadt bald wieder für Optimismus und ein neues Erscheinungsbild sorgen, das die Entwicklung in Zukunft stützt.

Diese stillen Tage mit geschlossenen Geschäften und menschenleeren Straßen, durch die eilige Lieferwagen rauschen, vermitteln allerdings einen beängstigenden Eindruck davon, wohin das sogenannte Innenstadtsterben führen kann. Keine Frage, diese Krise wird der Digitalisierung in jeder Hinsicht Dynamik verleihen. Gleichzeitig wissen wir doch schon nach Stunden des angeordneten Stubenhockens, nach Tagen ohne Konzerte und Theater und ohne unbekümmerten Einkauf und Plausch, was uns schmerzlich fehlt, nämlich Begegnungen, Gespräche, Beratung und das Gefühl, unter Menschen zu sein.

Die Corona-Pandemie zeigt, wie sehr es auf das weitsichtige Verhalten jedes Einzelnen ankommt und was das in der Summe zu bewirken vermag. Verantwortungsbewusstsein und Solidarität und eben ganz bewusste Einkaufsentscheidungen in unseren Geschäften vor Ort – wir haben es selber in der Hand, dass das Gesicht der Langener Innenstadt ein Lächeln trägt.

Das Interview führte Markus Schaible

Weitere Informationen gibt es auf der Webseite der IHK Offenbach.

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