Mit Hokuspokus die Haushaltskasse gefüllt 

Zaubersalon in Langen: Vier Illusionisten und eine ganze Menge Tricks

+
Die Gastgeber in Aktion: Dass Wasiliki Waso Koulis auf der Bühne 100-Euro-Scheine herbeizaubern kann, ist – wie sie dem Publikum versichert – mit der Zentralbank abgesprochen. Während sie das nur auf der Bühne und nicht im Alltagsleben tun dürfe, verzichte die Bank im Gegenzug darauf, in Schalterhallen Zaubertricks vorzuführen. Das sei doch ein fairer Deal, meint die Langenerin. Ihr Kollege Stefan Alexander Rautenberg hat derweil einen Klassiker im Gepäck: Das Zauberseil taugt für allerlei Tricks. 

Es sprüht kurz Funken und dann war’s das mit den 100 Euro. Der Geldschein ist vor den Augen des Publikums in der Stadthalle scheinbar verbrannt. 

Langen – Trauer und Verblüffung sind groß, besonders wahrscheinlich beim Besitzer, doch Zauberer Stefan Alexander Rautenberg kann trösten: „Wie bereits Baron Rothschild sagte: Ihr Geld ist nicht weg, es ist nur woanders. “ Und natürlich taucht die Banknote genau da wieder auf, wo sie niemand vermuten würde.

Neben staunenden „Ahhhs“ und „Ohhhs“ bleibt die Frage nach dem „Wie“. Die Zauberer verraten nichts – das versteht sich, schließlich würden sie damit gegen ihren Berufskodex verstoßen. „Je intelligenter das Publikum, desto einfacher ist es, sie zu verblüffen“, sagt Wasiliki Waso Koulis, mit Rautenberg Gastgeber beim Zaubersalon. Kinder würden den Trick hinter dem Kunststück schneller herausfinden. Mit diesem Wissen ist es also umso herausfordernder, eine Vorstellung zu konzipieren, bei der sowohl Erwachsene als auch Kinder ihren Spaß haben.

Entstanden ist eine Show, die Zauberei mit Comedy, Geschichten und Weisheiten vereint. Stefan Alexander Rautenberg und Wasiliki Waso Koulis sowie ihre Kollegen Nelson Ernst Tillmann Jacobi und Bellowski alias Werner Buhl verzaubern im Team die Zuschauer. In der mehr als zweistündigen Vorstellung in der Stadthalle wird getäuscht, jongliert und natürlich gezaubert. Die Darbietung soll das Ambiente der Zaubersalons des 19. Jahrhunderts widerspiegeln. Statt in Reih und Glied sitzt das Publikum darum zu dritt oder zu viert an runden Tischen und schaut von dort aus auf das Spektakel.

Stefan Alexander Rautenberg hat derweil einen Klassiker im Gepäck: Das Zauberseil taugt für allerlei Tricks. 

Zurücklehnen und genießen ist allerdings nicht angesagt: Das Publikum gestaltet das Bühnenprogramm mit. Jacobi lässt sich die Kartenstapel für seine Tricks mischen und Bellowski braucht einen Assistenten, der ihm die Bälle zum Jonglieren zuwirft. Das Runde scheint sein Metier zu sein, denn später am Abend begeistert der 60-jährige Bellowski die Zuschauer mit einer schillernden Seifenblasen-Show. Nicht jeder Trick funktioniert – doch die Grenze zwischen Missgeschick und geplantem Fehler bleibt verschwommen.

„Wir sind begeistert von der Vorstellung. Manche Tricks kann man sich noch erklären, aber bei anderen können wir nur staunen“, sagt Besucherin Hannelore Braun. Enkelin Lucia nickt zustimmend: „Ich finde das ganz aufregend, besonders das mit dem verschwundenen Geldschein.“

Kurze Zeit später steht die Siebenjährige selbst als Zauberassistentin auf der Bühne. Sie soll Wassili Waso Koulis dabei helfen, Socken zu waschen. „Das Kunststück ist eine Premiere“, verrät die Zauberkünstlerin. Das ungleiche Sockenpaar – der eine rot, der andere weiß – soll in der „magischen Waschmaschine“ wieder sauber werden. Doch irgendwas läuft schief: Erst werden die Socken löcherig, dann schrumpfen sie und am Ende sind sie rot-weiß gestreift. „Kein Wunder, dass es nicht funktioniert“, ruft Wassili Waso Koulis aus, nachdem sie die Bedienungsanleitung gelesen hat. „Wir haben den Zauberspruch vergessen!“ Ein Hokuspokus später müffeln die Socken schließlich nicht mehr.

„Ich denke mir immer: Du tust so, als ob du zaubern könntest, und das Publikum tut so, als würde es dir glauben“, sagt die 56-Jährige in der Pause. Durch den Kindergeburtstag ihres Sohnes ist sie selbst zur Zauberei gekommen. Das ist jetzt 20 Jahre her und genauso lange steht sie auf der Bühne und arbeitet mit anderen Künstlern zusammen. Um neue Kunststücke zu entwickeln, lässt sich die Langenerin nicht nur von Kollegen inspirieren: „Ich stelle mir vor, was ich tun würde, wenn ich wirklich zaubern könnte.“ Die Ergebnisse kann das Publikum dann auf der Bühne bestaunen: Zum Beispiel, wenn Wasiliki Waso Koulis ihre Haushaltskasse um mehrere 100-Euro-Scheine auffüllt, die wie aus dem Nichts auftauchen...

VON VANESSA KOKOSCHKA

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare