Eine feste Größe der Jugendarbeit

Zehn Jahre Café 46 von Evangelischer Gemeinde und Dreieichschule

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Während unten im Jugendraum beim Feiern und Chillen gemütliche Enge herrscht, gönnen sich eine Etage darüber die Strippenzieher ein Gläschen auf das zehnjährige Bestehen des Cafés 46 (großes Foto, von links:): Dreieichschulleiterin Nicole Ott, Pfarrer Steffen Held, Gemeindepädagogin Nadja Hepp, Dekan Reinhard Zincke, Martina Waidelich sowie Karin Rentzsch als Vertreterinnen der Stadt und Dreieichschul-Lehrerin Sonja Richter.

Langen - Das Café 46 – Gemeinschaftsprojekt der Evangelischen Kirchengemeinde und der Dreieichschule Langen – feiert zehnjährigen Geburtstag. Im August 2008 wurde der Mauerdurchbruch vollzogen, zweieinhalb Monate später das Jugendcafé offiziell eröffnet. Von Manuel Schubert 

Inzwischen ist es ein nicht mehr wegzudenkender Teil der kirchlichen, schulischen und auch städtischen Jugendarbeit. Das Café 46 ist vieles, aber ganz sicher kein Ort für Menschen mit Platzangst. Ziemlich laut und ziemlich lebendig geht es hier zu, und wer sich seinen Weg zwischen den beigen Ledersesseln und weißen Plastikstühlen hindurch bahnt, der muss mehr als einmal über ein paar Teenagerfüße steigen. Es ist rappelvoll im bunt beleuchteten Keller der Petrusgemeinde, selbst auf der schmalen Treppe sitzen Jugendliche, es wird gelacht, gequatscht und gechillt, Softdrinks werden geschlürft und Pizzabrötchen gegessen. Beim Erraten von Popsongs oder dem Hochhalten eines Tischtennisballs mithilfe eines Föns fühlen sich die vielen Besucher am fröhlichen Freitagabend bestens unterhalten.

Während die Jugendlichen auf ihre Art feiern, geht es ein Stockwerk höher etwas gemächlicher zu. Hier stehen die Erwachsenen und prosten sich mit Sekt und Orangensaft zu. Aus gutem Grund, denn: Das Café 46 feiert seinen zehnten Geburtstag. Im August 2008 wurde die Mauer an der Rückseite des Grundstücks der Petrusgemeinde in der Bahnstraße durchbrochen, im November öffnete das Gemeinschaftsprojekt von evangelischer Kirche und Dreieichgymnasium sodann erstmals die Tür. „Ich hätte damals nicht gedacht, dass das mal so eine feste Größe wird, die nicht mehr wegzudenken ist“, sagt einer der Initiatoren, Pfarrer Steffen Held.

Denn anfangs war das Projekt durchaus umstritten. Aufseiten der Schule gab es Zweifel an der Kooperation mit einer Kirche, böse Zungen behaupteten, die Gemeinde wolle die Jugendlichen doch bestimmt „zwangsmissionieren“. In der Kirche hegten ebenfalls manche Bedenken. Fremde Leute, die im Gemeindehaus ein- und ausgehen? Und dann auch noch Partys? Das gebe doch bestimmt ständig Dreck und Lärm. „Aber das hat sich ganz toll geklärt“, erzählt Held. „Wir haben es einfach probiert. Heute erlebe ich diese Vorbehalte nicht mehr.“

Zu einem etwas holprigen Start trugen in den Anfangsjahren des Cafés auch mehrere Wechsel auf der Position des Gemeindepädagogen bei. Doch seit Nadja Hepp 2012 die Stelle übernommen hat, herrscht Kontinuität. Und mittlerweile ist das Café aus der Langener Jugendarbeit nicht mehr wegzudenken. „Stadt und Schule haben immer hinter uns gestanden und so haben wir einige Durststrecken überstanden“, sagt Hepp.

Neue Kaffeemaschinen denken mit

Inzwischen hat das Café 46 fast täglich geöffnet. Freitags treffen sich die Kinder- und Jugendgruppen der Gemeinde, samstags wird Fußball geguckt, es gibt Film-, Spiele- und Karaoke-Abende, Graffiti-Workshops, Duelle an der X-Box und mehr. Montags, dienstags und donnerstags können Dreieichschüler der Jahrgänge fünf bis sieben zudem die Mittagspause im Café verbringen. Die Bewirtung übernehmen Schüler eines Wahlkurses, den Nadja Hepp zusammen mit Lehrerin Sonja Richter anbietet. Den Jugendlichen bietet das nicht nur Einblicke in die Rubriken Küche und Gastfreundschaft, sondern ebenso ins Sachgebiet Unternehmensführung und Eventmanagement.

Nicole Ott, Schulleiterin des Dreieichgymnasiums, ist froh über die Kooperation mit der Petrusgemeinde, die nur einen Steinwurf vom Schulgelände entfernt liegt. Mit dem Durchbruch der Wand, die die beiden Grundstücke trennte, seien auch „Mauern in den Köpfen gefallen“, glaubt sie. „Ich finde es schön, dass so ein Projekt, von dem man nicht wusste, wie es wird, jetzt schon zehn Jahre besteht.“ Wenn Pfarrer Held sich nicht so für das Projekt eingesetzt hätte, so die Schulleiterin, „wäre vieles nicht möglich gewesen“.

So lecker, so ekelig: Kaffeeautomaten sind hygienisch heikel

Voll des Lobs ist auch Dekan Reinhard Zincke, der von seinem Büro einen guten Blick auf das Café hat. Wenn er sehe, „wie lebendig das ist und wie die unterschiedlichen Altersgruppen zusammenkommen“, so Zincke, „dann werde ich immer ganz neidisch“.

Und so hat das Café 46 mittlerweile mit echten Luxusproblemen zu kämpfen. Bei allein um die 25 ehrenamtlichen Helfern – und natürlich noch deutlich mehr Besuchern – wird der Platz im kleinen Kellerraum knapp. Über eine Erweiterung des Gebäudes wird bereits diskutiert. Und so spekuliert Held: „Vielleicht können wir uns ja zum 20-Jährigen im neuen Anbau treffen.“

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