VVV gräbt historische Kilometersteine aus

Zeitzeugen aus dem Erdreich

+
Unten: Vorher und nachher – nun steht der historische Kilometerstein für jedermann sichtbar vor dem Haus.

Langen - Vor zwei Jahrhunderten markierten sie die vermessenen Straßen: Seither schlummern die Kilometersteine im Erdreich unter Langen. Der VVV beschert den Zeitzeugen eines längst vergangenen einzigartigen Orientierungssystems nun eine Renaissance im Stadtbild.

Kurze Zeitreise ins Jahr 1817: Im damaligen Großherzogtum Hessen wird ein neues Straßenmesssystem beschlossen und vier Jahre später eingeführt. 1872 gilt im Deutschen Reich dann das metrische System: Meter und Kilometer lösen die alten Maßangaben Ruthen und Klaftern ab. Das macht eine eine Neuvermessung der Straßen unabdingbar. Auch in Langen macht man sich ans erneute Ausmessen der Straßen. Als Ausgangspunkt, sogenannter Nullpunkt hierfür, gilt in der Nord-Süd-Richtung der Region der „Lange Ludwig“ – das 1841 errichtete Denkmal für Großherzog Ludwig I. auf dem Darmstädter Luisenplatz. So wird die großherzogliche Chaussee von Darmstadt bis nach nach Neu-Isenburg vermessen.

Unter dem „Bügeleisenhaus“ fanden (von links) Hausbesitzer Peter Herfurth, Heimatkundler Reinhold Werner und Stadtarchivar Heribert Gött das „Prachtexemplar“.

Dank des Verkehrs- Verschönerungsverein (VVV) lässt sich die Messung in der Sterzbachstadt heute wieder nachweisen. In der Darmstädter Straße markieren Straßensteine die Kilometerstände 12,8 und 13,0. 2015 und 2016 hat sie der VVV aus dem Erdreich gehoben und aufgestellt. Langen ist eine der wenigen Kommunen Hessens, die noch diese Steine aus dem 19. Jahrhundert besitzt.
Dieser Tage hat der VVV zusammen mit den Kommunalen Betrieben wieder historische Kilometersteine ausgegraben und gut sichtbar aufgestellt. In der 1839/40 ausgebauten Dieburger Straße wurden zwei Steine gehoben, die die frühere Offenthaler Chaussee markierten. Sie tragen die Entfernungsmessung 0,4 und 0,6 und stehen an der Einmündung der Östlichen Ringstraße vor Nummer 57. Nullpunkt der Vermessung ist die Kreuzung mit der Darmstädter Straße. Der in der Stützmauer an der Gedenkstätte der Synagoge eingemauerte Straßenstein 0,2 blieb unverändert.

Sensationeller Fund bei Ausgrabungen in Erlensee

Vor dem „Bügeleisenhaus“ von 1905 in der Bahnstraße 86 steht nun sichtbar ein Straßenstein mit der Angabe 16,6. Um 1830 wurde die Chaussee von Groß-Gerau nach Langen ausgebaut. Das Alte Rathaus in Groß-Gerau diente hierbei wohl als Nullpunkt. Denn die Organisatoren der Aktion, der ehrenamtliche Stadtarchivar Heribert Gött und der Heimatkundler Reinhold Werner, prüften es nach. Und siehe da: Die Strecke vom Alten Rathaus über Mörfeldens Innenstadt (Dalles) bis zum Stein an der Bahnstraße 86 misst genau 16,6 Kilometer.

Im Beisein von Gött, Werner und Hausbesitzer Peter Herfurth hoben die KBL-Mitarbeiter Valerij Keib und Markus Wacker mühsam und vorsichtig den über einen Meter langen Straßenstein aus der Erde und setzten das gereinigte „Prachtstück“ dann auf dem Straßenniveau ein. „Nach mehr als 200 Jahren wird so ein historischer Straßenstein wieder für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht“, freut sich Gött. Der ausgegrabene Kilometerstein weise sogar noch Originalfarben der ursprünglichen Beschriftung auf. (jrd)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare