Lange darauf gewartet

Bälle passen ist tabu: Vereinssport funktioniert derzeit nur kontaktlos

Noch hängt das Schloss: Auf dem SSG-Platz An der Rechten Wiese kehrt bald wieder Leben ein. Noch klärt der Vereinsvorstand mit den einzelnen Abteilungen, wann und wie das Training wieder aufgenommen wird.
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Noch hängt das Schloss: Auf dem SSG-Platz An der Rechten Wiese kehrt bald wieder Leben ein. Noch klärt der Vereinsvorstand mit den einzelnen Abteilungen, wann und wie das Training wieder aufgenommen wird.

Darauf haben Hobbysportler lange gewartet: Freizeitsport im Verein ist in Hessen wieder erlaubt – aber nur kontaktlos und unter entsprechenden Hygieneauflagen. Das stellt die hiesigen Sportvereine vor Herausforderungen. Deshalb ist Training noch nicht überall möglich.

Langen/Egelsbach – Kontaktfrei, mit Abstand und ohne Benutzung von Duschen und Umkleiden – so soll der Freizeit- und Breitensport an der frischen Luft oder sogar in der Halle laut der neuesten Verordnung der Landesregierung wieder möglich sein. Wettkämpfe gibt es keine, aber Training ist endlich erlaubt. Nur weil das Okay der Regierung da ist, heißt das aber nicht, dass jeder direkt wieder sporteln kann. Die Vereine müssen zunächst prüfen, wie sie die strengen Hygieneauflagen und Regeln von Land und Sportfachverbänden umsetzen.

Das stellt vor allem die großen Vereine, die mehrere Abteilungen unter einem Dach vereinen, vor Herausforderungen. Während bei der SSG Langen die Mitglieder der Tennisabteilung und des Wassersportvereins WSV schon wieder ihrem Hobby nachgehen, läuft die Abstimmung für die anderen Abteilungen noch. „Wir haben Konzepte und Hygienepläne mit den Abteilungsleitern diskutiert und abgefragt, welche Gruppen überhaupt draußen Sport treiben wollen“, sagt der Vorsitzende Joachim Uhl. So werde die Turnabteilung nur im Freien trainieren. Für Volleyball und Leichtathletik gebe es schon Hygienepläne. „Wir haben auch die Trainingszeiten angepasst“, sagt Uhl. Denn auf einen Trainer kommen nur vier Teilnehmer. „Kinder sind außen vor, bei uns geht es ab elf Jahren los“, sagt Uhl. Jüngeren seien die Regeln zu schwer zu vermitteln. „Die Übungsleiter haben einen schwierigen Job zu machen. Sie müssen Kinder an die Einhaltung erinnern.“ Die Vorgabe, dass Umkleiden geschlossen bleiben, aber Toiletten offen sein müssen, bringt der SSG ein logistisches Problem ein. „Die Toiletten sind ja bei uns in den Umkleiden.“

Der Verein hat sich in puncto Hallenkapazitäten mit dem TV Langen abgesprochen. Beim TVL läuft es ähnlich. „Wir sind gerade dabei, Konzepte aufzustellen und mit den Abteilungen abzustimmen“, sagt Kai Forst vom Vorstand. Dabei orientiere man sich vor allem an den expliziteren Vorgaben der Sportverbände. „Wir schauen, wie wir die Zugangswege und Trainingszeiten verändern können“, sagt Forst. „Natürlich haben unsere Mitglieder eine Erwartungshaltung.“ Wie Training möglich ist, hänge stark von der jeweiligen Sportart ab. Beim Basketball soll jeder Spieler mit einem eigenen Ball trainieren, Pässe sind tabu. Die Triathleten müssten weitgehend einzeln Ausdauertraining absolvieren. In der Gruppe ist beim Laufen die Infektionsgefahr zu groß, Schwimmen ist nicht erlaubt. Wer einer Risikogruppe angehört oder sich nicht ins Training traut, dem empfiehlt der TVL weiter sein Onlineangebot. „Ansonsten ist unser Ziel, nächsten Monat in allen Abteilungen wieder zu starten“, sagt Forst. „Wir sind überrascht von der Geschwindigkeit der Lockerungen. Das ging jetzt sehr schnell“, meint er.

Auch beim Langener Fußballverein laufen noch die Vorbereitungen, um wieder Training anzubieten. „Das geht nicht innerhalb einer Woche“, sagt der FCL-Vorsitzende Stephan Seibel. In einer Telefonkonferenz hat der Vorstand beschlossen, dass ab dem 25. Mai wieder gekickt werden darf. „Allerdings nur die Großfeldmannschaften“, so Seibel. Der FCL habe eine Taskforce gebildet und einen Beauftragten bestimmt. Mit entzerrten Trainingszeiten ist es dann möglich, dass zehn Spieler auf einem halben Feld stehen. Bis zum Start werden die Trainer geschult. „Das ist wohl das Wichtigste“, so Seibel. Er freut sich, dass der Verein Kindern wieder die Möglichkeit bietet, sich auszutoben. Trotzdem sagt er: „Rumrennen ohne Ball- und Körperkontakt hat mit wahrem Fußballbetrieb nichts zu tun!“ Einfacher ist die Umsetzung bei Sportarten, bei denen weniger Spieler auf dem Platz stehen, die den Ball nicht direkt berühren – wie Tennis. Seit Samstag hat der Langener Tennisklub TKL seine Plätze geöffnet. Doppel- und Gruppentraining ist möglich, ebenfalls mit maximal vier Spielern pro Trainer.

Auch die SG Egelsbach hat wieder ihren Trainingsbetrieb aufgenommen. „Tischtennisspieler und Leichtathleten haben bereits ihr erstes Training absolviert, heute starten die Jugendfußballer – allerdings erst ab der D-Jugend“, sagt der Vorsitzende Wolfgang Schroth. Man habe schon vor zwei Wochen die Abteilungsleiter nach Konzepten gefragt. Der Vorstand war davon ausgegangen, dass nur Sport im Freien erlaubt werde. „Als die Nachricht kam, dass auch in der Halle trainiert werden darf, war das eine große Entspannung“, sagt Schroth. Wer zum Training kommt, muss eine Verpflichtungserklärung ausfüllen und sich in Listen eintragen – damit im Ernstfall Infektionsketten nachvollzogen werden können. Während es bei Cricket kein Problem ist, Abstände einzuhalten, können SGEler, die kontaktintensive Sportarten wie Judo oder Boxen ausüben, nur Kraft- und Ausdauertraining betreiben. „Bei Handball gibt es das Problem, das nur ohne Ball gespielt werden darf“, sagt Schroth. Und die Musikabteilung, deren Leiter er ist, guckt erst mal in die Röhre. „Beim gemeinsamen Musizieren ist die Gefahr einer Tröpfcheninfektion zu groß“, so Schroth. Er ist froh, den Mitgliedern wieder ein Stück Normalität bieten zu können. „Selbst wenn in Kleingruppen trainiert wird – der soziale Kontakt ist das Entscheidende.“

Andere nutzten die Zeit, um mal klar Schiff zu machen. Der Kraftsportverein Langen hat während der Schließung Umkleiden renoviert und die Halle einem Großputz unterzogen. Ab Montag, 18. Mai, kann beim KSV wieder trainiert werden. „Umkleiden und Duschen bleiben zu und die Geräte werden regelmäßig desinfiziert“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Erik Voigt. Thekenbetrieb gibt es nicht. Die über 500 Quadratmeter große Halle biete gute Voraussetzungen zum Abstandhalten. „Nach den Vorgaben des Einzelhandels könnten um die 30 Leute bei uns trainieren“, sagt Voigt. Er rechnet aber damit, dass einige lieber weiter zuhause für sich trainieren. „Weil sie vorsichtig sind – oder die Einschränkungen doch zu groß sind.“

VON JULIA RADGEN

Auch das Mehrgenerationenhaus ZenJA in Langen darf nach längerer Pause wieder öffnen. Vieles findet trotzdem noch nicht statt - und einiges nur online.

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