Ingo Steckhan lebte in Philippinen-Region

Nach Taifun: „Müssen von außen helfen“

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Die Ortschaft Guiuan, Ingo Steckhans erste Station auf den Philippinen. Exakt dort erreichte Taifun „Haiyan“ das Festland – keines dieser Häuser steht mehr...

Langen - Mehr als 4000 Tote, mehr als 1500 nach wie vor Vermisste, mehr als eine Million zerstörte oder beschädigte Häuser, mindestens 2,5 Millionen dringend auf Nahrungsmittel- und Trinkwasserversorgung angewiesene Menschen und überall Chaos: Die Schreckensbilder von den Philippinen lassen Ingo Steckhan nicht rasten. Von Holger Borchard

Der 23-jährige hat von 2009 bis 2010 ein Jahr auf den Philippinen gelebt – die meiste Zeit in der Provinz Eastern Samar, in der Taifun „Haiyan“ so gut wie keinen Stein auf dem anderen ließ. Eine Spendenaktion zur Soforthilfe hat der Langener bereits angeleiert, doch gelten seine Bemühungen auch schon der Zeit nach den ersten Wochen und Monaten der Akuthilfe.

Aus ruhigeren Tagen: Ingo Steckhan bei einer Bootstour auf den Philippinen. „Die Philippinos leben mit dem Meer, dessen Gefahren und dem Risiko von Taifunen, aber die jüngste Katastrophe übersteigt alles Dagewesene“, weiß der Langener und bittet, zu helfen. (Bild vergrößern)

Mit gut einem Dutzend Freunden und Bekannten, mit denen Steckhan seinerzeit das Jahr auf den Philippinen als Freiwilliger des Weltwärts-Programms (Träger ist das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) verbrachte, macht der Langener sich nun auf die Suche nach Sponsoren für Wiederaufbauprojekte. Die jungen Leute haben die Internetseite www.philippinenspenden.de eingerichtet. Auf dieser berichten sie aus dem Land, schildern beispielhaft, wie, wo und von wem Hilfe ankommt und welche Partner vor Ort sie unterstützen. Hinter der plakativen Überschrift „Überlebt“ verbirgt sich die Geschichte von Niccole, einer 24-jährigen Bekannten der Freiwilligen. „Niccole hielt sich zur Zeit des Taifuns in Tacloban auf“, erzählt Steckhan. „Sie berichtet, wie der Flutpegel binnen Sekunden und Minuten meterhoch anschwoll, wie sie und viele andere Einwohner bis zu drei Stunden in den Wassermassen durch die Stadt getrieben wurden, wie sie einfach nur darum kämpfte, den Kopf über Wasser zu halten, während um sie herum Menschen starben.“

Spur der Verwüstung nach Taifun Haiyan

Spur der Verwüstung nach Taifun Haiyan

Das deutsche Freiwilligen-Netzwerk unterstützt Niccole mit Geld, das die Versorgung vieler weiterer Betroffener mit Nahrungsmitteln sichert. Darüber hinaus haben die jungen Leute Kontakt zu Freunden, die sich in Cebu City auf der Nachbarinsel in Sicherheit bringen konnten. „Jetzt helfen sie von dort aus kräftig, Nahrungsmittelpakete zu packen“, so Steckhan. „Die ersten Ladungen wurden zu Wochenbeginn nach Eastern Samar geschickt – vor allem in die schwer betroffene Region zwischen Borongan und Guiuan.“

Der Langener hat vor drei Jahren in Hernani gelebt und gearbeitet. „Das ist rund 200 Kilometer von Tacloban entfernt. Meine Gasteltern von damals haben die Katastrophe überlebt, die Mutter im Ort, der Vater war während des Taifuns in Manila“, weiß Steckhan inzwischen. Die ersten Fotos aus der Region haben ihn geschockt. „Dort ist praktisch nichts heil geblieben. Von einer mehrere hundert Jahre alten Steinkirche zum Beispiel sind bloß noch die Grundmauern übrig.“

Taifun "Haiyan" wütet über den Philippinen

Taifun "Haiyan" wütet über den Philippinen

Langfristig planen Steckhan und seine Freunde, lokale Wiederaufbauprojekte direkt zu unterstützen. „Bis dieser Kontakt aufgebaut ist, es konkrete Projekte gibt und wir potenziellen Sponsoren gegenüber konkrete Aussagen treffen können, werden noch Wochen vergehen“, so Steckhans realistische Einschätzung. „So lange werden wir Spenden direkt an Unicef weitergeben, aber auch gegen jene Mechanismen ankämpfen müssen, die nach so einer Katastrophe ablaufen.“ Denn einerseits richte sich der Fokus der Hilfe überproportional auf die Zentren, in diesem Fall Tacloban, andererseits drohe die Hilfsbereitschaft der internationalen Gemeinschaft bereits wieder abzuebben. „Unicef warnt bereits davor – und das zurecht! Die Menschen auf den Philippinen werden noch über Monate und darüber hinaus Hilfe brauchen“, weiß Steckhan.

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