Eins werden mit der Natur

Langener radelt 4000 Kilometer durch Neuseeland

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Bilder wie dieses wird der Langener Philipp Vikari bei der Neuseeland-Fotopräsentation am Sonntag im Egelsbacher Bürgerhaus zeigen.

Langen - Etwas verdutzt blickt der Babypinguin in die Kamera. Sein Körper ist scharf, doch der Kopf: verwackelt. Philipp Vikari erinnert sich noch genau an den Moment, als er auf den Auslöser drückte. Von Manuel Schubert

„Der Pinguin saß im Schatten, deswegen musste ich lange belichten“, erklärt er. „Mit dem Blitz hätte ich ihn womöglich aufgescheucht. “ Da das Tier noch nicht schwimmen konnte, wollte der 24-Jährige nicht riskieren, dass es vor Schreck ins Meer rennt.

Vikari sitzt auf der Couch der kleinen Wohnung, die er sich seit eineinhalb Monaten mit seiner Freundin teilt, Brille auf der Nase, unrasierte Wangen, Jogginghose. In der Küche brodelt Teewasser. Lange scheint er noch nicht wach zu sein, und doch sitzt er bereits am Laptop und arbeitet an seiner Fotopräsentation. Bis Sonntag muss alles fertig sein – dann zeigt er erstmals die besten Aufnahmen seiner dreimonatigen Neuseelandreise. „Momentan sitze ich echt jede freie Minute daran“, ächzt Vikari, nimmt einen Schluck Tee und macht weiter. Zurzeit ist er damit beschäftigt, die Bilder mit passender Musik zu unterlegen. Während der Präsentation wolle er nicht reden, nur am Anfang. „Dann wirken die Bilder besser.“

Hinter jeder Aufnahme steckt eine kleine Geschichte

Als sich der gebürtige Offenbacher in seinem Wohnzimmer durch die Fotos klickt, kann er jedoch nicht still bleiben. Hinter jeder Aufnahme steckt eine kleine Geschichte, die Anekdoten sprudeln nur so aus ihm heraus. Obwohl sein Trip ans andere Ende der Erdkugel ein ganzes Jahr zurückliegt, erinnert sich Vikari noch bis ins Detail an die Entstehung jedes einzelnen Fotos: Dass er den Wecker auf 4 Uhr gestellt hatte, um den Sonnenaufgang im perfekten Moment abzulichten. Dass er 20 Sekunden lang belichten musste, um das Wasser eines Flusses auf dem Foto verwischen zu lassen. Dass er so lange wartete, bis ihm ein Vogel die volle Spannweite seiner Flügel zeigte. Rund 10 000 Bilder entstanden während des Trips. Die 410 besten hat Vikari bereits ausgesucht.

Nach dem Bachelor in Biologie machte sich der Hobbyfotograf im Januar 2012 auf nach Neuseeland und legte mit dem Fahrrad eine Strecke von 4 115 Kilometern (und 37 000 Höhenmeter) zurück. Um ein Vierteljahr ganz „im Einklang mit der Natur“ leben zu können, verzichtete er auf einen Begleiter. Er zeltete an 35 verschiedenen Orten – meistens im Wald – und plante die Route für den nächsten Tag spontan am Vorabend mit einer Landkarte vom Flughafen. Zudem suchte er täglich den Kontakt zu Einheimischen und erkundigte sich, welche in ihren Augen die sehenswertesten Plätze des Inselstaates seien. Die besten Fotos seien jedoch oft schon auf dem Weg zu diesen Orten entstanden.

Das Land der „Kiwis“

Am Land der „Kiwis“ habe ihn vor allem die extreme Vielzahl an Landschaften gereizt, erklärt Vikari. „Zerklüftete Küsten, Regenwald, Urwald, Vulkangebiet, karibikartige Strände“, zählt er auf, „einfach alle Facetten der Natur.“ Doch auch die sportliche Herausforderung war ihm wichtig. Und die fand er auch vor: „Es ging immer hoch oder runter“, erinnert sich Vikari. „Mal bin ich mit 80 den Berg runtergerast, mal hatte ich 100 Stundenkilometer Gegenwind und musste bergab treten.“

2010 fuhr Vikari bereits mit dem Fahrrad bis ins niederländische Alkmaar, im Jahr darauf ging es gar bis nach London. Dabei hatten ihn noch Freunde begleitet. Über das Reisen auf eigene Faust sagt Vikari hingegen: „Man wird sich selbst ein guter Freund und hört seine eigene Stimme besser.“ Zurück in Deutschland musste er sich zunächst daran gewöhnen, bei Entscheidungen wieder auf andere Leute Rücksicht nehmen zu müssen.

In Neuseeland beschäftigte sich Vikari außerdem erstmals mit der Landschaftsfotografie. Vor dem Abflug las er zwei entsprechende Bücher und sah sich Lehrvideos auf Youtube an. In die Praxis konnte er sein Wissen jedoch erst vor Ort umsetzen. Während der ersten Wochen habe er noch vieles falsch gemacht, berichtet Vikari. „Aber wenn man jeden Tag nichts anderes macht, lernt man schnell.“ Selbst nachts habe er im Zelt gelegen und im Schein seiner Taschenlampe Fotozeitschriften durchblättert. Wenn er nun auf seinem Sofa sitzt und von ISO-Werten, Belichtungsreihen oder goldenem Schnitt erzählt, klingt es, als sei es das Einfachste auf der Welt, eine Spiegelreflexkamera zu bedienen.

Eines seiner Neuseeland-Fotos

Plötzlich springt Vikari auf, rennt aus dem Zimmer und kommt mit einem zirka zwei Meter breiten Paket zurück. „Das hat der Postbote vorhin gebracht“, sagt er aufgeregt, „ich habe noch gar nicht reingeschaut.“ Vorsichtig reißt er die Pappe auseinander und zieht den gigantischen Ausdruck eines seiner Neuseeland-Fotos hervor: ein Strand in Schwarz-Weiß. „Sieht gut aus, oder?“, meint Vikari. Während er das Bild wieder einpackt, erklärt er: „Der beste Weg, um die Natur zu schützen, ist, dass die Leute sie durch Bilder lieben lernen.“ Wer selbst keinen Bezug zur Natur habe, dem seien sämtliche Fakten über sie nämlich herzlich egal.

Gerne würde Vikari hauptberuflich als Landschaftsfotograf arbeiten. Doch bei diesem Thema weicht die Freude aus seinem Gesicht, mit der er sonst über seine Fotos spricht. „Da muss man so viel reisen, das ist mit der Familie nicht vereinbar.“ Die wolle er nämlich gerne einmal gründen, beides zusammen könne er sich aber nur schwer vorstellen.

An diesen Orten geht die Welt bestimmt nicht unter

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Im April beginnt der Weltenbummler deshalb erst einmal sein Masterstudium in Umweltwissenschaften. Zu seinen Vorlesungen in Frankfurt wird Vikari – wie könnte es anders sein – mit dem Fahrrad fahren. Doch auch den Langstrecken widmet er sich bald wieder: Im Sommer geht es ans norwegische Nordkap.

„Meine Reise ans andere Ende der Welt – 4000 Kilometer mit dem Drahtesel durch die unberührte Natur Neuseelands“, unter diesem Motto zeigt Philipp Vikari am Sonntag, 3. März, im Bürgerhaus Egelsbach eine Auswahl seiner Bilder. Beginn: 18.30 Uhr (Einlass: 18 Uhr). Eintritt: 5 Euro.

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