Langener Tafel

Immer mehr sind drauf angewiesen

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Ausgabetag an der Langener Tafel. Die ehrenamtlichen Helfer halten nicht nur Lebensmittel, sondern auch Tipps und nette Worte für die Empfänger parat.

Langen - Auf den Tag genau vor einem halben Jahr hat der Verein Langener Tafel sein neues Domizil in der Friedrich-Ebert-Straße 1 bezogen. Dort gibt der Verein viermal in der Woche Lebensmittel an Bedürftige aus. Von Alexandra Achilles 

Ein Engagement, das eines enormen logistischen Aufwands und vieler Helfer bedarf. Viermal die Woche bildet sich eine Schlange vor der Langener Tafel in der Friedrich-Ebert-Straße 1. Drinnen sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter bereits damit beschäftigt, die Waren, die wenig später ausgegeben werden, auf Tischen aufzubauen. Das Angebot besteht grundsätzlich aus einer großen Auswahl an Gemüse, Obst, Kühl- und Backwaren, aber auch Kleidung gibt es und mitunter sogar CDs oder Blumen. „Eine Rundumversorgung eben“, kommentiert Tafel-Vorsitzende Friedelgaard Pietsch.

Die 70-Jährige hat 2003 mit ihrem Mann den Verein Langener Tafel ins Leben gerufen. Zusammen mit den Mitarbeitern hat Pietsch am Morgen bereits Lebensmittel sortiert und appetitlich hergerichtet. „Wir verkaufen nur, was wir auch selbst kaufen würden“, erzählt sie. Verkaufen? In der Tat. „Personen, die bei uns Waren in Empfang nehmen, müssen einerseits ihre Bedürftigkeit nachweisen, andererseits zwei Euro zahlen“, betont Pietsch. Den symbolischen Preis fordert die Tafel vom ersten Tag; anfangs lag er bei einem Euro. Die Kunden werden einer von vier Gruppen zugeteilt, die zweimal pro Woche kommen dürfen. „Pro Termin sind es 50 bis 60 Personen“, sagt Pietsch. Empfänger sind Menschen jeden Alters aus unterschiedlichsten Gruppen: Wohnsitzlose, Asylbewerber, Rentner, die nur staatliche Grundsicherung erhalten, oder Arbeitslose.

Jeden Tag frische Lebensmittel

Um jeden Tag frische Lebensmittel verkaufen zu können, fahren Mitarbeiter der Tafel morgens drei Stunden lang mit ihren Kühlfahrzeugen zwischen Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf zu Bäckern, Metzgern und zwölf Supermärkten. Dort sammeln sie Lebensmittel ein, die nicht mehr verkauft werden, aber noch durchaus gut sind. Jeden Monat erhält die Tafel so circa 40 Tonnen Lebensmittel. Der Verein hilft aber nicht nur mit Waren. Die ehrenamtlichen Helfer stehen auch bei Fragen und Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Dabei sind Sprachbarrieren kein Hindernis. Die 48 Mitarbeiter decken eine breite Sprachenpalette ab und können so übersetzen. Sogar bei der Vermittlung von Möbeln wird geholfen.

Sobald an der Ausgabe alles bereit ist, werden die Türen geöffnet; die erste Gruppe wird eingelassen. Zuerst melden sich die Leute an und es wird kontrolliert, für wie viele Familienmitglieder eingekauft wird. Den Einkauf bereichern die Tafelmitarbeiter auch gerne mal um Tipps zur Auswahl und Zubereitung der Lebensmittel. Die Grundstimmung ist angenehm – sowohl bei den Helfern als auch bei den Wartenden in der Schlange, die die Zeit in Gesprächen überbrücken. Friedegaard Pietsch registriert’s zufrieden: „Es läuft, ich kann es nicht anders sagen“, stellt sie fest und bückt sich, um einem kleinen Mädchen die Schuhe zu binden, das mit der Mutter zum Einkaufen gekommen ist.

Ein paar Problemchen

Ein paar Problemchen gibt es trotzdem. Seit dem Einzug im Oktober besteht ein Platzproblem. „Uns fehlt die Möglichkeit, Tische für Kaffee oder ein gemeinsames Frühstück aufzustellen. So haben die Leute nicht mehr die Möglichkeit, sich zu einem Gespräch zusammenzusetzen“, schildert Pietsch. Die ergibt sich im Haus des evangelischen Petrusbezirks, wo donnerstags ein gemeinsames Essen und freitags ein Frühstück geboten werden. Die Lebensmittel für beide Termine steuert die Tafel bei. Die Problematik, dass Tafel-Besucher nun vor Ort draußen warten müssen, bis sie einkaufen können, ist freilich ungelöst. „Das ist vor allem in der kalten Jahreszeit unangenehm“, weiß Pietsch.

Vorteile hat der Umzug natürlich auch gebracht: „Die Lagermöglichkeiten sind besser und weil die Tafel-Gäste in Gruppen eingeteilt sind, geht es schneller“, erzählt die Vorsitzende. „Auch wird nicht mehr so viel Ware pro Termin benötigt.“ Im Gespräch mit einem Tafel-Besucher erfährt man: „Anfangs gab es Probleme mit den Nachbarn, aber jetzt versteht man sich, grüßt und unterhält sich.“ Der Mann, der drei Sprachen spricht und durch eine Behinderung seinen Job verloren hat, erklärt: „Ich bin sehr dankbar, hier etwas zu essen zu bekommen.“ Sein Geld reiche immer nur für die ersten zehn bis 14 Tage des Monats. „Deshalb bin ich auf die Tafel angewiesen, denn man braucht auch anderes.“ Beobachtet hat der Mann auch: „Immer mehr Menschen kommen.“ Friedelgaard Pietsch kann das nur bestätigen. „Aktuell kommen jeden Tag etwa fünf bis sechs neue Flüchtlinge.“

Wer gerne an der Tafel mithelfen möchte, kann einfach während der Öffnungszeiten vorbeikommen. „Leute brauchen wir immer“, wirbt Pietsch. Vor allem männliche Helfer, die Schweres heben können, sind rar. Wie oft jemand kommen möchte, ist ganz egal. Die Mitarbeiter, von denen viele Rentner sind, haben untereinander organisiert, wer für was zuständig ist. Spenden sind der Tafel übrigens jederzeit willkommen, da sie sich ausschließlich darüber finanziert.

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