Schizophren und aggressiv

Langen - Drogen-, Alkoholprobleme, eine chronische Schizophrenie und nun auch noch straffällig: Das kurze Leben des 18-jährigen S. ist nicht beneidenswert. Von Silke Gelhausen-Schüßler

Seit Dienstag muss sich der Langener vor dem Amtsgericht Darmstadt verantworten, die Liste der Vorwürfe ist umfangreich: zahllose Beamtenbeleidigungen inklusive Bedrohungen, Vergewaltigung, Einbruchdiebstahl, Raub, Körperverletzung – und das alles innerhalb eines Monats, nämlich im Juli 2012.

Anfang August wurde S. in die forensische Psychiatrie der Vitos Kliniken eingewiesen. Sein Gesundheitszustand hat sich seitdem nur unwesentlich gebessert. Kein Wort lässt der schmächtige Angeklagte vor Gericht verlauten, der Blick ist stur geradeaus gerichtet. Da er nur maximal zwei Stunden verhandlungsfähig ist, vereinbart das Jugendschöffengericht noch drei Folgetermine bis zum 26. Februar. Das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer, eine 17-Jährige, tritt im Prozess als Nebenklägerin auf. Aufgrund ihres Alters und um das gesundheitliche Wohl der Zeugin nicht zu gefährden, soll sie per Videovernehmung gehört werden.

Langener zwingt Freundin zu ungeschütztem Analverkehr

Laut Polizei-Ermittlungen hat sich am 2. Juli vergangenen Jahres folgender Tathergang abgespielt: Die 17-jährige A. trifft sich mit ihrem Freund S. in der Wohnung seiner Eltern. Unmissverständlich hat das Mädchen dem Älteren schon im Vorfeld klar gemacht, dass sie aus religiösen Gründen vorehelichen Sex ablehne – bisher hatten sie nur Küsse ausgetauscht. Das reicht dem jungen Mann offensichtlich an diesem Tag nicht mehr. Er stiftet die an Alkohol nicht gewöhnte A. an, eine Flasche Jägermeister zu stehlen und leert diese anschließend mit ihr. A. schläft ein, S. nutzt die Gelegenheit, sie zum ungeschützten Analverkehr zu zwingen. Erst als der die Schreie der Zeugin hörende Bruder das Zimmer betritt, lässt S. von seinem Opfer ab. A. trägt Kratzer, einen analen Einriss und starke Schmerzen davon.

Vor der Tat schon auffällig geworden

Die vom Bruder herbeigerufenen Ordnungshüter attackiert S. massiv verbal. „Er war nicht mehr zu beruhigen, wurde immer aggressiver, so dass wir ihn auf dem Boden fixieren mussten. Das ganze Repertoire an Schimpfwörtern spulte er ab, drohte sogar, uns zu erschießen, wenn er unsere Waffen erwische“, schildert eine Langener Polizistin vor Gericht.

Dass die Staatsmacht S. rein gar nicht beeindruckt, belegen weitere Vorfälle. Am 15. Juli fordert er von Mitbewohner J. im Obdachlosenheim 50 Euro. Als dieser sich weigert, verleiht S. seiner Forderung mit einem Messer Nachdruck, verletzt J. an Hand und Ellenbogen, dieser gibt das Geld heraus. Zwei Tage später wählt S. den Polizeinotruf 110 – mit dem einzigen Ziel, den Beamten am anderen Ende der Leitung ein „Hurensohn“ und andere Beleidigungen an den Kopf zu werfen. Am 18. Juli schließlich bricht er in ein Männerwohnheim ein, was zur endgültigen Festnahme führt.

Rubriklistenbild: © dpa

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