Trotz Corona

Ohne Rücksicht: Besucherchaos am Langener Waldsee – Polizei muss einschreiten

Langener Waldsee mit Strandansicht im Sommer
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Der Langener Waldsee ist ein beliebter Ort zum Baden

Am Langener Waldsee muss die Polizei helfen, den Ansturm auf das Strandbad in den Griff zu kriegen. Der Geschäftsführer zeigt sich überrascht. Das sind die Konsequenzen.

Langen – Am Sonntag (19.07.2020) herrschte großer Andrang am Strandbad Langener Waldsee: Bereits am frühen Nachmittag war die Besuchergrenze erreicht. Es gab aber plötzlich lange Schlangen, viele nutzen die eigentlich abgesperrten Waldwege und stellten ihr Auto einfach im Wald ab. Zwischenzeitlich half die Polizei dem Bäderteam, die Situation in den Griff zu bekommen. Joachim Kolbe, Geschäftsführer der Bäder- und Hallenmanagement GmbH (BaHaMa), erklärt, wie es dazu kam und welche Vorkehrungen für die kommenden sonnigen Wochenenden getroffen werden.

Wie kam es zu dem großen Andrang im Strandbad?

Das Badewochenende im Freizeit- und Familienbad und im Strandbad am Waldsee war sommerlich entspannt und regelgerecht, unsere Badegäste zeigten durchweg Verständnis und Respekt für das in diesen Zeiten notwendige geordnete Miteinander. Am Sonntag hatten wir etwa 5 000 Gäste am Waldsee-Strand; alle hatten genügend Platz und hielten die Abstände ein. Bei 3 000 bis 5000 Personen ziehen wir – in Abhängigkeit von verschiedenen Sicherheitsaspekten – aktuell die Grenze im Strandbad; damit bleiben wir sehr weit unter dem, was die Verordnungen des Landes erlauben. Danach gilt die Faustregel von drei Quadratmetern Liege- und Wasserfläche je Person.

Wir verfügen am Waldsee über gut 90 000 Quadratmeter Strand und gut 80 000 Wasserfläche: Da lässt sich leicht ausrechnen, in welchen Dimensionen wir uns nach Maßgaben der Landesregierung bewegen könnten. Wir sind in beiden Bädern übrigens Andrang an heißen Tagen mehr als gewöhnt, 10 000 Tagesgäste sind in normalen Jahren für uns im Strandbad kein Problem. Insofern gab es am Sonntag keine Ausnahmesituation. Im Bad war alles normal und lief nach Plan. Was uns überraschte, war eine sehr lange Schlange von Fußgängern, die sich gegen Mittag vor der Strandbadkasse aufbaute und für die es zunächst keine Erklärung gab.

Andrang auf Langener Waldsee: Vom Ausmaß des illegalen Parkens in Langen überrascht

Joachim Kolbe, Geschäftsführer der Bäder- und Hallenmanagement GmbH (BaHaMa).

Der Parkplatz ist ja wieder geöffnet. Wie erklären Sie sich, dass trotzdem so viele im Wald „wild“ geparkt haben und wie soll das verhindert werden?

Von dem Ausmaß des illegalen Parkens und den Menschen, die die Barrieren im Wald ignorieren, waren wir tatsächlich überrascht. Am Waldsee gibt es rund 700 Parkplätze im Bad. Da haben wir für diese Saison auch die Obergrenze gezogen. Sind die Plätze belegt, schließen wir die Zufahrtsschranke zur Kleinseeschneise, ab dann kann es keine Anreise per Auto zum See mehr geben. Der Behelfsparkplatz auf dem Betriebsgelände der Firma Sehring AG bleibt 2020 wegen der Kapazitätsgrenzen durchweg geschlossen. Auf den üblichen Einsatz des Waldsee-Busses während der Sommerferien müssen wir vernünftigerweise diesmal ebenfalls verzichten. Alle Empfehlungen für Großveranstaltungen raten dazu, keine Busse einzusetzen, weil insbesondere Abstandsregeln und Maskenpflicht im überhitzten Hochbetrieb schwerlich eingehalten werden können.

Chaos am Langener Waldsee: Vielen fehlt Einsicht bei Corona-Maßnahmen

Es gibt leider nicht wenige Menschen, denen offensichtlich die Einsicht in die aktuellen, hinlänglich kommunizierten Beschränkungen fehlt, die sich von unseren Twitter-Meldungen, Hinweisen der Polizei oder den Verkehrsnachrichten im Radio nicht davon abhalten lassen wollen, sich ihr Badevergnügen auf ungewöhnlichen Wegen und mit hohem Risiko zu ertrotzen. Unvernunft, Fahrlässigkeit und überbordender Egoismus führen dazu, dass Fahrzeuge am Rande der stark und schnell befahrenen Bundesstraße 44 abgestellt werden, dass Leute mit Autos und Motorrädern im Wald umherfahren und sie an Waldwegen, unter Bäumen und Sträuchern rigoros stehen lassen. Dass damit neben Unfallgefahren erhebliche Gefahren für Natur, Boden, Grundwasser und vor allem natürlich Brände im knochentrockenen Wald ausgehen, versteht sich von selbst.

Welche Konsequenzen zieht die Stadt aus den Vorkommnissen für die künftigen Wochenenden?

Wir kontrollieren zunächst einmal die Waldschneisen rund um den Waldsee und sorgen dafür, dass die Schranken wieder ihren Dienst versehen. Obendrein werden wir an den kommenden Wochenenden früher und konsequenter die Zufahrt schon an der B 44, Einmündung Sehringstraße, sperren, weiter im Vorfeld illegales Parken zu unterbinden versuchen und die Geschwindigkeit unserer Kommunikation auf allen Kanälen erhöhen.

Unsere jeweiligen Betriebsplanungen stimmen wir frühzeitig mit der Langener Polizei und der Ordnungsbehörde ab. Außerdem arbeiten wir noch schneller mit der Polizei zusammen und melden sofort, wenn sich irgendwo Anfänge von Falschparken erkennen lassen. Schließlich ist es in unser aller Interesse, wenn Leute, die sich so rücksichtslos verhalten, ein hohes Bußgeld zu zahlen haben und ihre Fahrzeuge kostenpflichtig abgeschleppt werden. Da kommen schnell einige hundert Euro zusammen.

Erfassung von Personendaten am Langener Waldsee nicht erforderlich

Viele große andere Bäder nutzen ein Online-Ticketsystem. Bleibt es in Langen erst mal beim stationären Kartenverkauf?

Ja, es bleibt dabei. Unser System – der Verzicht auf zeitliche Beschränkungen, auf Online-Reservierungen und Erfassungen ��� hat sich in den letzten Wochen gut bewährt und wird von den Badegästen in vielerlei Hinsicht mehr als begrüßt. Die Erfassung von Personendaten ist nach der Verordnung des Landes nicht notwendig und nach unserer Einschätzung auch datenschutzrechtlich unzulässig.

Das Strandbad Langener Waldsee hat einen Einzugsbereich von bis zu 100 Kilometern. Da gibt es eine Menge Menschen, die immer wieder auf gut Glück anreisen und sich nicht über Online-Ticketing informieren. Wir sind uns mit Experten einig: An den hochsommerlichen Tagen haben wir unweigerlich die – vertraute – Schlange vorm Eingang. An dieser Stelle zu diskutieren und sortieren, wer ein Ticket hat und wer nicht, die Fahrzeuge im Stau zu separieren und manche zur Weiterfahrt zu bewegen, macht die Situation nicht einfacher. Da ist es besser, Bad und Zufahrt zu schließen, sobald die Kapazitätsgrenze erreicht ist. Übrigens: genauso ist es bislang in jedem Sommer gewesen, nur die Grenze war eine andere.

Sie informieren ja nicht nur über Durchsagen, sondern auch per Twitter über einen Einlassstopp. Klappt das in der Regel gut?

Wir versuchen auf allen Kanälen zu informieren – per Presse, Radio, Fernsehen, Website, Twitter, Facebook und soziale Medien aller Art. Wir haben darauf gute Resonanz und sehen immense Zugriffszahlen auf unsere Netzinformationen. Heißt, es funktioniert gut. Heißt aber auch mit Blick auf das letzte Wochenende: besser geht immer. Wir werden uns also anstrengen, wohl wissend, dass es immer Menschen geben wird, die mit dem Kopf durch die Wand oder – in unserem Falle – zum Strand wollen. (Das Gespräch führte Julia Radgen.)

Der Waldsee in Langen hat endlich wieder geöffnet. Trotz Corona. Allerdings müssen sich die Badegäste an spezielle Regeln halten.

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