5,8 Hektar Wald

Langener Waldsee: Weitere Rodungen genehmigt – Bündnis kündigt Demo an

„Mit 17 hat man noch Bäume“, heißt es in Anspielung auf einen Schlager von Peggy March auf einem Banner der Aktivisten von Robin Wood.
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„Mit 17 hat man noch Bäume“, heißt es in Anspielung auf einen Schlager von Peggy March auf einem Banner der Aktivisten von Robin Wood.

Das Regierungspräsidium Darmstadt gestattet weitere Rodungen am Langener Waldsee. Umweltschützer wollen dagegen beim Bundesverwaltungsgericht Klage einreichen.

Langen – Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt hat weiteren Kiesabbau am Langener Waldsee genehmigt. Der Hauptbetriebsplan der Firma Sehring für die nächsten beiden Jahre sei zugelassen worden, teilt die Behörde mit. Die Genehmigung gilt vom 1. September 2021 bis zum 31. August 2023. Außerdem hat das RP als zuständige Bergaufsicht weitere Rodungen auf einer Fläche von rund 5,8 Hektar ab Herbst 2022 zugelassen.

Voraussetzung für das Fällen weiterer Bäume im sogenannten Teilabschnitt 3a sei jedoch, dass zuvor in einem anderen Bereich – nämlich den Abschnitten 1a und 1b – wieder aufgeforstet wird. Bevor weitere Bäume fallen, müssen also die vereinbarten Ersatzpflanzungen fertiggestellt werden. Das hatte zuletzt auch der BUND Hessen gefordert.

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Das Regierungspräsidium ordnete für die Zulassung des Hauptbetriebsplans die sogenannte sofortige Vollziehung an. Dies bedeutet, dass im Fall von Klagen die Auskiesung nicht vorübergehend eingestellt werden müsste. Die Rohstoffvorräte im Teilabschnitt 2b, in dem aktuell Kies abgebaut wird, seien voraussichtlich Ende 2022 erschöpft, teilt das RP mit. Der weitere Abbau im 5,8 Hektar großen Abschnitt 3a sei daher „wichtig für die ortsnahe Rohstoffversorgung des Rhein-Main-Gebiets“. Der BUND Hessen hatte bereits mehrfach erfolglos gegen die Rodung des Bannwalds geklagt und möchte nun vor das Bundesverwaltungsgericht ziehen (wir berichteten).

„Es ist nicht unbedingt überraschend, aber es ist trotzdem dramatisch, dass das RP so entscheidet“, sagt Jaqueline Herth, Sprecherin des Aktionsbündnisses Langener Bannwald, im Gespräch mit unserer Zeitung. Aktuelle Ereignisse wie die verheerenden Brände in Griechenland würden zeigen, „dass wir eigentlich keinen Zentimeter Wald mehr verschenken dürfen“, da gingen wirtschaftliche Interessen auch nicht vor.

Das Bündnis bedauert, dass ein Antrag der Linken, einen unabhängigen Gutachter den Zustand des Bannwalds und den Stand der Renaturierungsmaßnahmen untersuchen zu lassen, kürzlich keine Mehrheit im Stadtparlament bekommen hat. „Das ist sehr traurig“, so Herth. Die Aktivisten unterstützen jedoch den BUND bei seiner Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht. „Wir erhoffen uns viel davon“, meint Herth.

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Um auf das Ausmaß der Baumfällungen hinzuweisen, ruft das Aktionsbündnis für Samstag, 21. August, zu einer großen „Bannwald-Wanderdemo“ auf. Treffpunkt ist um 11 Uhr am Wasserwerk West, Paul-Ehrlich-Straße 59a. Unter dem Motto „Heute bestaunen, was morgen nicht mehr ist“ wollen die Naturschützer den Bereich ablaufen, der als nächstes gerodet wird. „Vielen ist gar nicht bewusst, was für riesige Abbauflächen das sind und wie nah das an der Stadt ist“, meint Jaqueline Herth.

Weitgehend blickdicht ist die Fläche des aktuellen Kiesabbaus verborgen. Nur an wenigen Stellen geben Zaun und aufgeschüttete Erdwälle die Sicht frei.

Unterstützung erhält das Bannwald-Bündnis von den Aktivisten von Robin Wood, deren Regionalgruppe Rhein-Main ebenfalls für die Demo am 21. August wirbt und in den vergangenen Tagen mehrere Banner im bedrohten Wald aufgehängt hat. „Mit 17 hat man noch Bäume“, heißt es darauf in Anspielung an einen alten Peggy-March-Schlager. Die Grenzen der Belastbarkeit des Bannwaldes seien bereits überschritten, betonen die Aktivisten von Robin Wood. „Weitere Fällungen würden alle Bemühungen um eine Rekultivierung bereits ausgekiester Flächen erschweren und nachhaltig angrenzende Waldabteilungen schädigen.“

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Die Gruppierung sieht daher die Firma Sehring in der gesellschaftlichen und die hessische Landesregierung in der politischen Pflicht, die Rodungen auszusetzen. „Wenn die Bundes-Grünen anderen Parteien Hasenfüßigkeit in der Klimapolitik vorwerfen, dann sollten sie auch mal nach Hessen schauen, wo die Landes-Grünen im Kaninchenbau verschwinden, sobald es um das Thema Kiesabbau Sehring geht“, sagt Peter Illert von Robin Wood.

Auch die Naturfreunde Egelsbach-Erzhausen schließen sich an und rufen zur Teilnahme an der Wander-Demo auf. „Wenn auch viele der örtlichen Politiker den Langener Bannwald schon abgeschrieben haben, wollen wir uns nicht damit abfinden, dass neben den Waldzerstörungen durch Trockenheit und Sturm weiterhin gesunder Wald für den Profit einiger weniger geopfert werden soll“, sagt Rainer Elsinger von den Naturfreunden. (Manuel Schubert)

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