Stadt nimmt Stellung

Gravierende Änderungen beim Langener Waldsee sorgen für heftige Kritik

Noch ist alles ruhig: Das Strandbad Langener Waldsee startet am 12. Juni in die Sommersaison – allerdings mit modifizierten Eintrittspreisen.
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Noch ist alles ruhig: Das Strandbad Langener Waldsee startet am 12. Juni in die Sommersaison – allerdings mit modifizierten Eintrittspreisen. (Archivbild)

Keine Dauerkarten und höhere Preise: Diese Veränderungen am Langener Waldsee und im Freibad verursachen Empörung. Die Stadt Langen erklärt ihr Vorgehen.

Langen – Christine Thiel wohnt seit 30 Jahren in Langen und einen Ort hat sie besonders lieb gewonnen: das Freizeit- und Familienbad in der Teichstraße. Die 60-Jährige bezeichnet sich als „rege Nutzerin des Freibads“, sie habe schon immer eine Saisonkarte besessen, im Sommer gehe sie jeden Tag, mindestens jeden zweiten, dort schwimmen.

Das dürfte dieses Jahr anders aussehen. Zwar werden Freibad sowie Strandbad am Waldsee voraussichtlich am 12. Juni öffnen, aber aufgrund der Ungewissheit durch die Corona-Pandemie hat die Stadt Langen entschieden, für 2021 weder Dauer- noch Zehnerkarten zu verkaufen. Hinzu kommt im Freibad der Aufschlag durch Gebühren. Der Eintritt für Erwachsene liegt im Freibad zwar weiter bei vier Euro, zusätzlich fallen jedoch 40 Cent Vorverkaufs- und 50 Cent Systemgebühr an. Für das Strandbad Langener Waldsee wurde der Eintritt gar von vier auf fünf Euro erhöht, weitere 50 Cent Vorverkaufs- und 50 Cent Systemgebühr sorgen dafür, dass die Badegäste nun insgesamt sechs Euro berappen müssen.

Badespaß in Langen: Zuständige verstehen den Zorn – Wollen Waldsee-Gäste nicht abzocken

„Das sind Preise, die ins Unendliche gehen, das finde ich wirklich nicht fair“, sagt Christine Thiel. „Für den ganzen Tag ist das okay, aber wenn ich jeden zweiten Tag abends meine Bahnen ziehen will, wird das teuer.“ Auch auf der Facebook-Seite unserer Zeitung wird das Thema rege diskutiert. Nutzerin „Tina Dä“ kommentiert: „Ihr habt bei den Preisen doch den Schuss nicht gehört!“ Bärbel Breisch schimpft: „Mich habt ihr als Dauerkundin verloren. War früher sehr oft da, aber unter den Bedingungen: Sorry, mit mir nicht.“ Und Max Hausmann betont: „Ohne Saisonkarte wird des Öfteren zum Waldsee fahren bei nur vier, fünf Wochen Sonne ganz schön teuer.“

Natürlich läuft das Thema auch bei Joachim Kolbe auf. Der Geschäftsführer des städtischen Bäder- und Hallenmanagements (BaHaMa) hat sich in den vergangenen Tagen einiges anhören müssen. Den Zorn könne er verstehen, sagt Kolbe im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber wir machen das ja nicht, um die Leute abzuzocken oder ihnen den Sommer zu vermiesen.“ Die Preiserhöhung rechtfertigt er mit massiven Mehrausgaben für Sicherheit und Hygiene, insbesondere am Waldsee. „Wir betreiben einen immensen Aufwand zum Schutz des Waldes und der Anlage“, betont Kolbe.

Langen will Verkehrschaos durch Wildparker am Waldsee diesen Sommer reduzieren

Im vergangenen Sommer hatten hunderte Wildparker entlang der B 44, im Wald und auf Rettungswegen für ein heilloses Verkehrschaos gesorgt. Der heißgelaufene Motor eines illegal abgestellten Pkw löste sogar einen kleinen Waldbrand aus. Das will die Stadt in diesem Jahr unbedingt vermeiden. Vor allem beim Sicherheitspersonal wurde aufgestockt, es gibt eine Parkticketkontrolle an der Einfahrt in die Sehringstraße, dazu Wachposten, die die Schranken an den Waldwegen im Auge haben sowie Nachtwachen. Auch wurde am Waldsee die Zahl der Kassenhäuschen von zwei auf vier aufgestockt, Drängelgitter sind nun zum Teil fest installiert, auch das Personal für Reinigungs- und Hygienemaßnahmen wurde erweitert. „Das alles wird uns locker zwischen 100 000 und 200 000 Euro kosten“, verdeutlicht Kolbe. „Wir sind aber überzeugt, dass es der Sicherheit dient, und die gibt es eben nicht zum Nulltarif.“

Dauerkarten zu verkaufen wäre in diesem Frühjahr unfair gewesen, lautet die Meinung des BaHaMa-Geschäftsführers. Denn niemand habe sagen können, wann die Schwimmbäder tatsächlich aufmachen dürfen. Und: „Solange die Öffnung an Inzidenzen gekoppelt ist, können wir auch keine Garantie dafür geben, dass das Bad durchgängig geöffnet bleibt“, erklärt Kolbe, der darauf verweist, dass zumindest Kinder bis 14 Jahre nur einen Euro Eintritt für den ganzen Badetag zahlen. „Wir sind ein Familienbad und das wollen wir auch bleiben. Wir haben bewusst den Schwerpunkt gesetzt, dass Familien in Corona-Zeiten ohne Zeitstress günstig ins Freibad gehen können.“

Langener Waldsee: Gebühren für Online-Ticket-System bis zum Ende der Corona-Maßnahmen

Ein Rabatt für die Abendstunden sei indes nicht sinnvoll, so Kolbe, da jeder Besucher dieselben Kosten verursache. Egal, wie lange er oder sie sich im Bad aufhält – etwa für die Reinigung. „Wer nur ein paar Bahnen schwimmen will, ist diesen Sommer in Dreieich gut aufgehoben, so bitter das ist“, meint Kolbe. In der Nachbarstadt kostet ein Zwei-Stunden-Slot zwei Euro.

Die Gebühren für das Online-Ticketing – das durch die Landesverordnung vorgegeben ist – erklärt der Bäderchef durch das gute System, das übrigens auch die Stadthalle nutzt. „Unser System kann alles“, betont Kolbe. So biete es Menschen ohne Internet oder Drucker die Möglichkeit, sich an den gewohnten Vorverkaufsstellen in Langen oder auch an anderen Stellen, die Reservix oder Adticket nutzen, ein Ticket ausdrucken zu lassen. Auch ermögliche es anonyme Benachrichtigungen, sollte sich beim Freibad- oder Waldsee-Besuch ein Corona-Fall ereignen. „Die Gebühren für das Online-Ticketing fallen aber wieder weg, sobald Corona vorbei ist“, verspricht Joachim Kolbe. Die komplette Preisübersicht gibt es auf der Website der BaHaMa. (Manuel Schubert Und Theresa Ricke)

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