Tod in der falschen Wüste

Neues Theaterprojekt des Dekanats Dreieich zu religiösen Konflikten

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Stück im Stück: „Grenzüberschreitung“ spielt auch in einem Altenheim, in dem die Bewohner die Geschichte von Johanna von Orleans als Theater aufführen. Inhaltlich geht es um den Wunsch nach Frieden.

Die weite Wüste flimmert über die große Leinwand, die Bühne im Langener Stadtkirchen-Gemeindesaal ist in eine heiße Sahara-Szenerie getaucht, passend für das fiktive Geschehen: Es geht um einen gefährlichen Einsatz der UNO-Blauhelme. Ihre verdeckte Militäraktion gefährdet kurz vor dem Waffenstillstand im Nahen Osten die Friedensbemühungen.

Langen – Die Autorin und Regisseurin Sonnhild Grevel hat das Stück für das Evangelische Dekanat Dreieich erarbeitet. Mit der Schauspielgruppe, die im vergangenen Jahr mit dem Lutherstück „Querschläger“ einen großen Erfolg feierte, führt sie „Grenzüberschreitung“ in den Gemeindesälen des Stadtkirchenbezirks in Langen, der Evangelischen Kirche Götzenhain und der Evangelischen Johannesgemeinde Neu-Isenburg auf.

Seit November sind Grevel und das Ensemble mit den Proben beschäftigt. Die Gruppe beschäftigt sich mit interreligiösen Konflikten, Gemeinsamkeiten in Glaubensfragen und Toleranz gegenüber anderen Religionen. Dafür nimmt sie das Publikum mit auf eine weite Reise in die Wüste. Der jüdische Soldat Leutnant Ben Silberberg (Jens Chobotsky) wird durch eine Mine verletzt. Die Kriegsreporterin Ricarda Giacomelli (Regina Schneider) und Oberleutnant Patrick Winter (Frank Binder) lassen den Verletzten mit seinem Kameraden Fritz (Jürgen Langer) zurück. Es wird schnell klar: Ben wird seine Verletzungen nicht überleben.

Es entsteht ein Konflikt über seine Bestattung. Denn die zwei Männer sind auf muslimischem Nomadenland unterwegs: Ben will als Jude sofort beerdigt werden, die Nomaden wollen ihn aber in ihrer Wüste nicht haben. Das Stück wird durch weitere Erzählebenen in einem Altenheim und auch Zuhause bei Bens Frau Marie-Christin Sillberberg (Jessica Nörtemann) und den Nomaden in der Wüste überaus spannend und abwechslungsreich.

„Das Stück habe ich selbst geschrieben, inspiriert von einem Artikel, in dem ein Soldat aus dem Krieg flüchtet, weil er die Schnauze voll hat von Gewalt und Elend. Er läuft in die Wüste, um zu sterben. Das hat mich so bewegt, dass ich darum eine Geschichte spinnen wollte“, erläutert Grevel. Über allem stehe der Wunsch nach Frieden und die Spannung zwischen Staatsraison und Glaubenssätzen. Grevel hat bewusst auf konkrete Ortsbenennungen verzichtet.

Bilder: Tauffest am Langener Waldsee

Ihr Stück spielt in Saharien – sie möchte die Zuschauer nicht auf tatsächlich schwelende Konflikte in der Welt lenken. Das Stück zeigt die generellen Probleme auf, wenn unterschiedliche Glaubensrichtungen aufeinandertreffen – aber die Autorin Grevel verzichtet dabei nicht auf Humor. „Natürlich will ich unser Publikum zum Nachdenken bewegen – aber die Zuschauer sollen und dürfen auch herzhaft lachen“, verspricht die Regisseurin.

Die Schauspielgruppe besteht zu großen Teilen aus dem Ensemble des Lutherstücks von 2018, aber es sind auch neue Gesichter dabei. „Alle spielen mit großem Herzblut und viel Spaß“, freut sich Grevel über die Harmonie und die Spielfreude ihres Teams. Sie verlangt eine große Probendisziplin. Zwei Mal die Woche treffen sich die Schauspieler, auch die Wochenenden werden zum Einstudieren der Szenen genutzt. Grevel träumt davon, „Grenzüberschreitung“ in zwei Jahren auf dem Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt zu zeigen. „Es passt so gut zum Jahresmotto der Landeskirche ,Suchet Frieden‘. Ich hoffe es klappt, wir haben uns beworben.“

Von Nicole Jost

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