Wenn‘s in Nachbars Garten knattert

Laubbläser sorgen für Ärger in Langen ‒ Stadt weist auf strenge Gesetze hin

Mit Hilfe eines Laubbläsers lassen sich heruntergefallene Blätter (wie hier in Oberlinden) ohne große Anstrengung wegpusten. Das ist jedoch nicht zu jeder beliebigen Uhrzeit erlaubt – und schlecht für die Umwelt.
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Mit Hilfe eines Laubbläsers lassen sich heruntergefallene Blätter (wie hier in Oberlinden) ohne große Anstrengung wegpusten. Das ist jedoch nicht zu jeder beliebigen Uhrzeit erlaubt – und schlecht für die Umwelt.

In Langen sorgen private Laubbläser für Krach. Und Ärger: Die Stadt erhält sogar Beschwerden. Laubbläser darf man nämlich nicht zu allen Tageszeiten benutzen.

Langen – Der Anwohner fragt sich, ob es vielleicht an Corona liegt. Haben die Leute zu viel Zeit? Zu viel Geld? Zu viel Energie, für die sie ein Ventil finden müssen? Jedenfalls hat der Mann aus dem Stadtteil Linden, der namentlich nicht in der Zeitung genannt werden will, in jüngster Zeit ein Phänomen festgestellt: Vor allem westlich der Bahngleise nehme in Langen der Einsatz von privaten Laubbläsern zu. Und mit ihnen der Krach.

„Manchmal sitzt man um 19 Uhr auf der Terrasse und versteht sein eigenes Wort nicht mehr“, klagt der Anwohner. „Wenn die mit ihren Dieselmotoren loslegen, wirst du wahnsinnig.“ Eigentlich lasse es sich in Linden „sehr ruhig leben“, erzählt er. Bei schönem Wetter sei es aber mit der Ruhe „ganz schnell vorbei“. Dann kämen die knatternden Bläser zum Einsatz. „Egal, zu welcher Uhrzeit, am Wochenende oder zum Feierabend unter der Woche.“ Manchmal bekomme man das Gefühl, berichtet der Langener, dass die Nachbarn den Gaszug des Laubbläsers „mit dem einer Harley“ verwechseln.

Auch die Stadt hat zu privat genutzten Laubbläsern „etliche Beschwerden, speziell aus Oberlinden“ erhalten, wie sie in einer Mitteilung mit dem sarkastischen Titel „Kakofonie der Laubbläser“ schreibt. Längst würden die Geräte nicht mehr nur von Hausmeistern oder Landschaftsgärtnern genutzt, sondern auch von Privatleuten. Bei vielen Nachbarn sorge das für Verärgerung.

Langen: Laubbläser dürfen nicht zu allen Tageszeiten benutzt werden

Die Stadt sieht sich daher dazu veranlasst, auf die rechtlichen Rahmenbedingungen hinzuweisen. Laubbläser und ähnliche Geräte dürfen nämlich nur zu ganz bestimmten Tageszeiten genutzt werden. Und diese unterscheiden sich stark von denen anderer Maschinen. Seit September 2002 regelt die sogenannte Geräte- und Maschinenlärmschutzverordnung im Bundes-Immissionsschutzgesetz, wann genau welche Gerätschaften zum Einsatz kommen dürfen.

Dort ist zu erfahren, dass Rasenmäher, Motorsägen, Hochdruckreiniger und andere Geräte werktags (montags bis samstags) von 7 bis 20 Uhr genutzt werden können. Für Laubbläser und -sauger, Rasentrimmer, Freischneider und Graskantenschneider gelten allerdings deutliche Einschränkungen: Sie dürfen werktags lediglich zwischen 9 und 13 sowie zwischen 15 und 17 Uhr eingesetzt werden. Die einzige Ausnahme bilden Geräte mit einem speziellen Umweltzeichen, das sie als besonders leise ausweist. Sonntags müssen alle Maschinen ruhen.

Die Stadt betont, dass diese Regelungen ausschließlich für reine Wohngebiete gelten – dort aber für jeden. „Das heißt, sowohl Privatleute als auch gewerbliche Betreiber müssen sich daran halten“, betont Erster Stadtrat Stefan Löbig (Grüne). Grundsätzlich gelte, dass der Hauseigentümer oder der Mieter (je nachdem, was vertraglich vereinbart ist) dafür verantwortlich sind, das Laub auf dem eigenen Grundstück – und auch drum herum – zu entsorgen. Ein Grund sei die Verkehrssicherungspflicht: Rutscht etwa ein Passant auf nassen Blättern aus, kann er Schmerzensgeld und Schadenersatz fordern. Dabei sei es unerheblich, ob das Laub vom eigenen Baum, aus Nachbars Garten oder aus einer öffentlichen Grünanlage stammt.

Langen: Laubbläser sind schlecht für Luft, Gehör und Umwelt

Ein Laubbläser ist natürlich ein bequemes Hilfsmittel, um die abgefallenen Blätter ohne große Kraftanstrengung zu entfernen. Die Stadt weist jedoch darauf hin, dass die Geräte oft einen Schallpegel von über 100 Dezibel produzieren. Das ist nicht nur lästig für die Nachbarschaft, sondern kann auch gesundheitsschädlich sein: Laut dem Verbrauchermagazin „Ökotest“ sind viele Laubbläser lauter als Presslufthammer. 85 Dezibel könnten bereits zu Hörschäden führen.

Die Stadt hebt zudem hervor, dass benzinbetriebene Modelle die Luft verpesten. Außerdem können Laubsauger und -bläser kleinste Lebewesen töten oder ihnen Nahrung und Lebensraum rauben. Das wiederum wirke sich negativ auf größere Tiere wie Vögel oder Igel aus.

Allerdings kommt auch die Stadt nicht ganz um den Einsatz von Laubbläsern herum. Allein mit Muskelkraft sei das Laub auf öffentlichen Flächen für die Kommunalen Betriebe Langen (KBL) nicht zu bewältigen. „Bei uns werden nur besonders lärm- und abgasarme Geräte genutzt“, betont KBL-Betriebsleiter Manfred Pusdrowski jedoch. Ihr Einsatz werde „auf ein Mindestmaß beschränkt“. (Manuel Schubert)

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