Keine verminderte Schuldfähigkeit

Lebenslang für Mord an Ehefrau

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Der Mord an der Grundschullehrerin sorgte in Langen für Bestürzung und Trauer.

Langen/Darmstadt - Wegen Mordes an seiner Ehefrau ist ein 47-jähriger Langener vom Schwurgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er hatte die beliebte Grundschullehrerin im April im Schlaf erwürgt. Von Silke Gelhausen

„Glauben Sie mir, wir haben es uns nicht einfach gemacht!“, sagt der Vorsitzende Richter Volker Wagner am Schluss seiner Urteilsbegründung. Und doch habe es im Prinzip nur eine Möglichkeit gegeben: Der 47-jährige ehemalige Krankenpfleger wird von der Elften Strafkammer des Landgerichts Darmstadt wegen Mordes an seiner Ehefrau zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Deutsch-Bosnier hatte die 39-Jährige am frühen Morgen des 5. April dieses Jahres im Schlaf erwürgt.

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Am fünften Verhandlungstag wird nur noch das Ergebnis des schwierigen Prozesses verkündet. Schwierig deshalb, weil über lange Strecken der Beweisaufnahme kein greifbares Motiv für die völlig unerwartete Tat zu finden war. Die Ehe war intakt, die beiden Kinder entwickelten sich gut, die finanziellen Probleme wurden kleiner. Erst das Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen vermittelte einen tieferen Einblick in das Seelenleben des als Kind traumatisierten Angeklagten.

Der Richter führt aus: „Vor uns sitzt ein Mann mit anständigem Lebensweg, der immer das Beste aus seinem Leben machen wollte. Doch aus verschiedenen Gründen konnte er seine Fähigkeiten nicht voll ausschöpfen.“ Ganz im Gegensatz zu seiner Frau, die in ihrem Studium und neuem Job voll aufgeblüht sei. „Sie gönnten ihr das zwar, aber es konnte nicht sein, dass Sie das nicht auch bekamen.“ Der Mann habe die Bedeutung als Ernährer der Familie verloren, er habe sich selbst nicht sehr wertgeschätzt. Diese narzisstischen Gedanken hätten sich bei dem Arbeitslosen festgesetzt – besonders in der schlaflosen Nacht vor der Tat: „Was ihr ist, sollte auch Ihnen sein!“, konstatiert der Vorsitzende. Ein Tötungsmotiv sei immer von der Persönlichkeit eines Menschen abhängig, und sei es noch so banal.

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Trotz allem zeigt Wagner auch Verständnis für die Sichtweise des Verteidigers, der den Fall als erweiterten „sozialen“ Suizid analysierte und von tiefer Verzweiflung sprach. Der Richter: „Das Mordmerkmal der Heimtücke ist erfüllt. Aber wir haben hier keinen Fall im Sinne der Rechtsprechung von Bundesgerichtshof und Bundesverfassungsgericht, die besagt, dass bei notstandsähnlichen Verhältnissen eine Ausnahme gemacht werden kann.“ Diese Ausnahme, vom Mord zum Totschlag abzumildern, sei allenfalls in seltenen Fällen schwerer häuslicher Gewalt rechtens, wenn das Opfer seinen Peiniger im Schlaf getötet habe.

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