Martin Metzger ist zu Doppel-Spende imstande

Langener rettet zum zweiten Mal ein Leben

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Wie es sich anfühlt, an den Zellseperator angeschlossen zu sein, wusste Martin Metzger schon vor seiner „Wiederholungstat“. Nach sechs Stunden konnte er mit dem guten Gefühl nach Hause gehen, einem weiteren Leukämiepatienten geholfen zu haben.

Langen - Auch in unserer Region gibt es immer wieder Stammzellenspender, über die berichtet wird. Jedem Einzelnen gebührt großer Respekt – aber Martin Metzger ganz besonders. Von Cora Werwitzke 

Denn der Langener hat das Kunststück zustande gebracht, nicht nur einmal als genetischer Zwilling ein Leben zu retten, sondern gleich zwei Mal. Selbst die Fachleute im DRK-Zentrum vergeben dafür das Prädikat: äußerst selten. Wer weiß als Stammzellenspender schon genau, was auf ihn zukommt? Nun, Martin Metzger (35) weiß das ziemlich genau – und kann entsprechend präzise planen: „Ich nehme mir diesmal Filme mit, um die Stunden gut rum zu bekommen“, kündigt er einige Tage vor seiner zweiten Spende schmunzelnd an. Der Langener scheint einen besonders kompatiblen Satz Gene zu haben, denn es ist nicht das erste Mal, dass er aus der Stammzellendatenbank der DKMS herausgefiltert wird, um einem Leukämiepatienten das lebenserhaltende Blutplasma zu spenden. Er ist für jemandem mit bedrohlich schnell ablaufender Lebenszeit quasi ein „Lotteriegewinn“ – nur dass es um etwas viel Wertvolleres als Millionen und Abermillionen Euro geht.

Dieser Jemand ist 2014 eine Frau aus Deutschland, Anfang, Mitte 60. Das erfährt Martin Metzger einige Tage nach seiner ersten Stammzellenspende. Ungefähr ein halbes Jahr später bekommt er dann die Info, dass die Dame die Transplantation gut vertragen hat und sich bei ihr keine Krebszellen mehr nachweisen lassen. Bestens also.

Metzgers Typisierung liegt zu diesem Zeitpunkt schon Jahre zurück: 2006 ließ sich der Langener während seines Technikerstudiums bei einer Typisierungsaktion an der Werner-von-Siemens-Schule in Frankfurt registrieren. Einmal in der Datenbank, immer in der Datenbank: Diesen Herbst meldet sich die DKMS überraschend zum zweiten Mal bei dem verheirateten Vater einer kleinen Tochter. Wieder stimmen zwischen ihm und einem Patienten etliche Merkmale überein. Aber da noch ein anderer passender Spender ausfindig gemacht werden kann, schlüpft Metzger in die Rolle des Ersatzmanns. Er hat die Sache schon abgehakt, als ihn kurz vor Weihnachten die Hiobsbotschaft erreicht, dass der andere ausgefallen sei, verbunden mit der Frage, ob er kurzfristig einspringen könne. „An meiner Einstellung und Gesundheit hatte sich seit der ersten Spende nichts geändert – also willigte ich ein“, schildert Metzger.

Er absolviert also ein zweites Mal beim DRK in Frankfurt die Voruntersuchungen – Sonografie, Gesundheit- und Blutcheck. „Dort haben eigentlich alle gesagt, dass sie das noch nie erlebt haben, dass jemand ein zweites Mal passt“, erzählt der 35-Jährige. Die Ärzte geben ihm grünes Licht für die sogenannte periphere Spende. Just in diesen Tagen erreicht ihn ein handschriftlich verfasster Brief der dank ihm vor drei Jahren geheilten Frau. „Sie hat darin geschrieben, dass es ihr gut geht und sie ein neues Leben begonnen hat“, gibt der Langener wieder. Definitiv ein gutes Omen.

Damit die Stammzellen, die überwiegend im Knochenmark vorkommen, ins Blut geschwemmt werden, spritzt sich Metzger fünf Tage lang ein Hormon. „In dieser Phase fühlt man sich ziemlich gerädert – aber das kenne ich ja schon.“ Und auch seine Frau habe gewusst, worauf sie sich einlasse, wenn er einige Tage durchhänge, fügt er hinzu. Immerhin passen ihnen die Spende und die damit verbundenen Untersuchungen diesmal etwas besser ins Leben als 2014. „Das war ein sehr turbulentes Jahr für mich und meine Familie, weil wir unser Haus gebaut haben und es eigentlich keinen Tag gab, an dem nichts zu tun war.“ Trotzdem lässt er sich seinerzeit wie auch jetzt an den Zellseperator anschließen und in einer mehrstündigen Prozedur Stammzellen aus dem Blut waschen. Denn: „Wem passt schon die Diagnose Blutkrebs in die Lebensplanung?“

Es gebe viele Krankheiten, da könne man nichts machen. „Aber bei Leukämie, da kann man etwas machen!“, schickt er als Appell an alle heraus, die sich bisher noch nicht haben typisieren lassen. Er selbst will weiter in der Kartei bleiben. „Auch wenn mit zwei peripheren Stammzellenspenden das Maximum erreicht ist“, sagt er. Theoretisch bliebe noch die Möglichkeit der Knochenmarkspende. Und wenn der Familienvater eins durch seine zweifache Berufung zum Lebensretter gelernt hat, dann: Sag niemals nie. Infos unter www.dkms.de

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