Lehrstoff, der gut ankommt

+
Während sich Schüler oft durch die Unterrichtsmaterialien kämpfen müssen, hatten die Mädchen und Jungen der beiden Französisch-Leistungskurse des Dreieich-Gymnasiums beim Lesen der vier Romane viel Spaß.

Langen ‐ Um eine Fremdsprache richtig zu beherrschen, kommen Schüler um viel Lesestoff nicht herum. Doch Buch ist nicht gleich Buch und Unterrichtslektüre hat nicht selten eher abschreckende Wirkung. Von Cora Werwitzke

Wäre es da nicht gut, wenn Schüler ab und zu ein Wörtchen mitreden können? Genau das machten die Leistungskurse Französisch der Dreieichschule mit ihrer Teilnahme beim „Prix des lycéens allemands“. Dabei küren deutsche Schüler der gymnasialen Oberstufe über Schul- und Landesebene hinweg unter vier französischen Romanen ihren Bundessieger. In der Mensa des Dreieich-Gymnasiums debattierten und wählten die Schüler der Jahrgänge 12 und 13 mit Fächerschwerpunkt Französisch jetzt ihren Favoriten.

„Wir machen zum ersten Mal aktiv mit, haben aber mit den Sieger-Büchern der vergangenen Jahre gute Erfahrungen im Unterricht gemacht“, erzählt Lydia Dzida, Lehrerin der 13. Klasse. Der Vorteile für alle Beteiligten liege auf der Hand: „Die Schüler können auf die Bewertung der Bücher Einfluss nehmen und mir fällt es leichter, an Unterrichtslektüre zu bekommen, die bei meinen Schülern gut ankommt.“

Lesen und Besprechen der Romane lief nebenbei

In der Gesprächsrunde werden die vier Bücher von Schülerteams noch einmal auf französisch vorgestellt und diskutiert. Bei der Wahl setzt sich der Roman „L’âge d’age“ durch, in dem es um ein Mädchen in Luxemburg geht, das nach einer unerwiderten Liebe und einem Mord ihr Leben umkrempelt. „Es war am Anfang ungewohnt, nicht jedes einzelne Wort nachzuschlagen, sondern sich einfach darauf zu verlassen, dass man der Geschichte auch folgen kann, wenn man nicht jede Vokabel kennt“, erzählt Zwölftklässlerin Ulrike Padberg, die das Favoriten-Buch der Dreieichschüler beim Wiesbadener Landesentscheid vertreten wird. „Auch wenn vier Bücher am Anfang nach ziemlich viel Arbeit aussahen, kam man doch schnell durch, weil man sich nicht durchquälen musste“, ergänzt Marcus Sickenius, der ebenfalls im Februar mit nach Wiesbaden fährt.

Das Lesen und Besprechen der vier Romane lief ein halbes Jahr lang nebenbei: „Der normale Unterrichtsstoff hat natürlich Vorrang, aber die Romanlektüre ließ sich gut mit dem Lehrplan vereinbaren“, sagt Claudia Gaubatz, Lehrerin des 12er-Kurses, die das Literaturprojekt ins Rollen brachte. „Toll war eigentlich, dass die Schüler sich in die Rolle privater Leser zurückziehen konnten. Keine großen Analysen, sondern die persönliche Meinung zu den Büchern war am Ende gefragt“, fügt Lehrerin Lydia Dzida hinzu.

Organisiert wird die jährliche Verleihung des „Prix des lycéens allemands“ von der Kulturabteilung der französischen Botschaft in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Klett Verlag und den Kultusministerien. Dabei folgen die Deutschen dem Modell des „Prix Goncourt des Lycéens“, der seit gut 20 Jahren in Frankreich von einer Jury aus Gymnasiasten vergeben wird.

Die Zeiten von schnöder Unterrichtslektüre dürften bei den zukünftigen Leistungskursen Französisch am Dreieich-Gymnasium nun der Vergangenheit angehören: „Wir wollen das Projekt auf jeden Fall fortführen und im nächsten Jahr wieder teilnehmen“, kündigt Lehrerin Claudia Gaubatz an. Marcus Sickenius kann das nur befürworten: „Die Bücher haben sich auf jeden Fall gelohnt.“ Und hängen geblieben sei sehr viel: „Das intensive Lesen hat geholfen, das Textverständnis zu verbessern“, bestätigt Ulrike Padberg. „Bestimmt hat sich unbewusst auch etwas an unserer eigenen Ausdrucksfähigkeit getan.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare