Leid, aber auch Hoffnung

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Vereinzelt sind Häuser stehen geblieben, wie dieses Gebäude der Jesuiten in Port-au-Prince. Das benachbarte Haus dagegen brach in sich zusammen.

Langen ‐ Er hat viel Leid gesehen, aber auch Zeichen der Hoffnung: Martin Lenk ist aus Haiti zurückgekehrt; per E-Mail berichtete der Jesuiten-Pater, der in Santo Domingo in der benachbarten Dominikanischen Republik eine Gemeinde leitet, unserer Zeitung von seinen Eindrücken. Von Markus Schaible

„Es wird alles getan, um Hilfslieferungen zu beschleunigen“, schreibt Lenk, der in Langen aufgewachsen ist und am Dreieich-Gymnasium Abitur machte. So sei seine Gruppe beispielsweise an der Grenze einfach durchgewunken worden.

In Haitis Hauptstadt Port-au-Prince seien sie zuerst zum Ausbildungsort der Novizen gefahren. Das Gebäude habe nur leicht gelitten: „Der Wassertank auf dem Dach ist zusammengebrochen.“ Im großen Hof und Garten entstehe ein großes Lager für Hilfsgüter, die dann an verschiedene Verteilungspunkte gebracht werden, berichtet Lenk. Auch hätten US-Ärzte zusammen mit einem amerikanischen Jesuitenbruder dort ihr Lager aufgeschlagen.

„Trotzdem konnten alle Bewohner gerettet werden“, berichtet Pater Martin Lenk.

Die nächsten Angehörigen der haitianischen Studenten, die der Pater begleitete, seien alle am Leben. „Aber es gibt den Tod von vielen Freunden, Verwandten, Nachbarn und Bekannten zu beklagen.“ Zudem hätten viele ihre Häuser verloren – „alle leben auf der Straße“.

Die Jesuiten selbst haben glücklicherweise nur einen Schwerverletzten zu beklagen: „Pater Derino Sainfariste, kurz Nono genannt, war in seinem Auto auf dem Weg nach Hause, als er vom Erdbeben überrascht wurde. Das herabstürzende UNO-Gebäude hat einen Teil seines Wagens begraben“, schreibt Lenk. Mehr als einen Tag war er eingeklemmt, ehe Maschinen zur Befreiung herbeigeschafft werden konnten. Fünf Stunden dauerten die Arbeiten, dann erst konnte der Pater aus dem Auto gezogen werden. „Einen Tag später konnten wir Nono nach Santo Domingo bringen, hier hat er schon drei Operationen hinter sich gebracht, um die Amputation eines Beines zu verhindern.“

Beeindruckt war Lenk auch von seinem Besuch in Leoganne: „Die Schwester von Johnny Masséba, eines unserer Studenten, hatte gerade ihren achtjährigen Sohn in den Hof geschickt, um sich zu waschen. In diesem Moment ereignet sich das Erdbeben und das zweistöckige Haus mit Betondecke bricht in sich zusammen. Der Kleine läuft auf die Straße und schreit: ‚Mama ist tot!‘ Einige Nachbarn kommen zusammengelaufen und holen die junge Frau unter Gefahr ihres eigenen Lebens aus dem eingestürzten Haus. Beim Betrachten der Trümmer kann ich nicht verstehen, wie da jemand wohlbehalten herausgekommen ist!“

Wer die Hilfe der Jesuiten in Haiti unterstützen will: Jesuitenmission, Spendenkonto 5 115 582, Liga Bank, BLZ 750 903 00, Stichwort: 33400 Erdbebenhilfe Haiti

Überall leben die Leute auf der Straße, berichtet der Pater: „Einige Holzstangen und Betttücher dienen als Behelfszelte. Die Leute sind still, über allem liegt eine Trauer und natürlich auch Hunger und Durst. Einer unserer haitianischen Studenten sagt: ‚Wir sind es gewohnt, ums Überleben zu kämpfen. Die Leute sind mit dem Elend, dem Malheur vertraut.‘“

Von der angeblich explosiven Lage hat Lenk wenig bemerkt: „Sicher sind alle besorgt um die Sicherheit. Aber von Unruhen und Gewalt haben wir nirgends etwas gesehen.“

In der Philosophischen Hochschule der Jesuiten in Santo Domingo sei an einen normalen Unterrichtsbetrieb noch nicht zu denken. Etwa 30 Prozent der Studenten stammen aus Haiti. „Immer wieder wird der Unterricht unterbrochen, weil Laster beladen werden müssen oder eine neue Hilfslieferung eintrifft“, so Lenk. Und dies dürfte noch eine Weile so bleiben.

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