Das Wesen der Briten – lustig erklärt

Fast nackt und betrunken

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Ein Brite erklärt sein komisches Land: Autor Adam Fletcher brachte den Besuchern der Langener Lesung sein Volk näher.

Langen – Schon Obelix wusste es: „Die spinnen, die Briten. “ Und offensichtlich sind vor dem Hintergrund des aktuellen Brexit-Streits nicht nur die restlichen Europäer dieser Meinung, sondern auch die Briten selbst. Zumindest die, die nicht auf der Insel leben. Von Markus Schaible

Und es tut ihnen leid, was der Rest des Kontinents derzeit ertragen muss. Adam Fletcher hat ein Buch darüber geschrieben: „So sorry – ein Brite erklärt sein komisches Land“. Bei der „Langener Lesung“ im Auditorium Maximum der Deutschen Flugsicherung stellte er es nun vor.

Damit ist den Organisatorinnen Beate Neiß (Buchhandlung litera) und Monika Sander (Leiterin DFS-Informationsservice) ein topaktueller Coup gelungen. Und dazu einer, der dazu geeignet ist, das Kopfschütteln über die Briten in Gelächter umzuwandeln. Denn bei der Lesung, die eigentlich gar keine ist, bleibt kaum ein Auge trocken.

Zwar liest Fletcher (Jahrgang 1983) zwei kurze Passagen aus seinem Buch, doch der Rest ist eine Mischung aus Kabarett und Quiz – und das alles in einem „Deutsch, das ich erfunden habe“, wie der Autor („Wie man Deutscher wird in 50 einfachen Schritten“, „Denglisch for Better Knowers“) sagt: „Deutsch ohne Grammatik.“

Zehn Fragen muss das Publikum auf einem Kärtchen beantworten – dabei gilt es, sich in einen Briten hineinzuversetzen. Beispiel: „Sie sind in Spanien und machen einen Pauschalurlaub. Nach zwei Bier gehen Sie in die nächste Stadt. Was tragen Sie?“ Auf „Anzug, Krawatte und Melone“ tippen richtigerweise die wenigsten im Saal, dafür fast alle auf „So wenig wie möglich, ohne verhaftet zu werden, plus Union Jack Accessoires“. Und dass der Abend, wenn man nach der Arbeit „noch kurz was trinken geht“, nicht „schon früh wieder zurück zu Hause, gemütlich vor dem Fernseher“ endet, ist eigentlich auch jedem klar. Richtige Antwort: „Enden? Wieso enden? Wir sind am Dienstag losgezogen und jetzt immer noch in der Bar. Die nächste Runde geht auf mich! Auch noch einen?“ Alternative: „In einer dunklen Seitenstraße um 3 Uhr morgens, in einen Mülleimer kotzend.“

Neuer Rettungsversuch für einen geregelten Brexit

Ja, der Alkoholkonsum spielt eine Rolle in Britannien. Was nach Fletchers Meinung auch einen einfachen Grund hat: „Wir haben weniger Zeit zum Trinken, weil unsere Bars früher schließen. Also müssen wir lernen, schneller zu saufen.“

Genüsslich legt der Mann, der seit Kurzem die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, den Finger in so ziemlich jede Wunde der Inselbewohner. So lernen die Besucher der Langener Lesung, dass die Wahrheit nicht wichtig ist in Großbritannien – „Nettigkeit und Höflichkeit sind wichtiger“. Dass Kochen lernen für Engländer ganz einfach ist: Fritteuse hochheizen – fertig. Und natürlich kommt Fletcher (der immerhin drei Spiegel-Bestseller verfasst hat) nicht am aktuellen Politchaos vorbei: „Der Brexit ist die neueste Methode, Unsinn zu machen.“ Dann ist aber schnell „Schluss mit Politik, denn es ist so traurig“. Und schon folgt der nächste Lacher. Ach, wenn das reale Leben mit den Briten doch so lustig wäre wie ein Abend mit Adam Fletcher.

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