Existenzängste

Künstler und Musiker in der Corona-Krise: „Bühnen oder Hallen werden pleitegehen“

Lebt seit einem halben Jahr von Rücklagen: Markus Striegl in seinem Studio.
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Lebt seit einem halben Jahr von Rücklagen: Markus Striegl in seinem Studio.

Immer unterwegs, immer laut, immer mit den Bandkollegen – so ist das Leben auf Tour. In der Corona-Krise haben Musiker jedoch Existenzängste, auch in Langen.

Langen – Alle genießen die Enge und den Kontakt, ob auf der Bühne oder im Publikum. Aber auch wenn Musiker nicht durch das Land ziehen, stehen Proben an oder Konzerte in der Heimat. Immer ist etwas zu organisieren. Das Leben steht nie still. Doch genau so ist es zurzeit. Die Corona-Pandemie erzeugt Stille in der Musikwelt.

Musiker leiden unter Corona-Krise: Auch Künstler aus Langen betroffen

Davon ist auch Markus Striegl betroffen. Der Künstler aus Langen ist bekannt als Sänger und Veranstalter unter anderem des Hessischen Rock & Pop Preises, seine Lebensgefährtin Silke Bentlin führt das Café Beans am Lutherplatz. Der selbstständige Künstler und Produzent fühlt sich überflüssig, wenn er nicht arbeiten kann: „Selbstständige sind umtriebige Menschen und jetzt darf ich nichts machen. Jede Ersatztätigkeit ist nur Lückenfüllerei.“

Trotzdem steckt der Künstler aus Langen den Kopf nicht in den Sand. Er denkt lieber positiv: „Es war auch schön, viel zu Hause zu sein. Wir waren gerade auf Tour, als der Lockdown kam. In der Frühlingszeit Zeit für meine Freundin und das Haus zu haben war toll. Wir haben viel renoviert. Normalerweise bin ich ständig unterwegs. Die Entschleunigung tat gut, aber Existenzängste sind auch da.“

Corona-Krise in Langen: Künstler Markus Striegl lebt seit halben Jahr von Rücklagen

Seit einem halben Jahr lebt Striegl von Rücklagen. Einnahmen gibt es nicht. Zwar geht der Produzent seinem Tagesgeschäft so gut es geht nach, aber eine Veröffentlichung bedeutet noch kein Geld in der Kasse. Künstler wie Antonia aus Tirol oder Jonas Fisch haben weiter mit ihm Songs aufgenommen und veröffentlicht. Der nächste Schritt wäre, Konzerte zu spielen, um die neuen Stücke populärer zu machen und CDs zu verkaufen. Bloß die Corona-Pandemie lässt es nicht zu.

Die einzige Möglichkeit ist, Videos und Songs online zu bewerben und hochzuladen. Für Markus Striegl ist das besser als nichts, aber kein Ersatz für Live-Auftritte: „Der Zuhörer sitzt dann vermutlich allein vor seinem Computer und hört sich das Lied an. Ohne Stimmung, ohne Gemeinschaftsgefühl findet auch eine Art Entzauberung der Musik statt. Der Hörer ist kritischer.“

Nicht nur in Langen Veränderungen nach der Corona-Krise: „Manche Bühnen oder Hallen werden pleitegehen“

Für die Zeit nach der Corona-Pandemie stellt sich der Sänger auf Veränderungen ein. Großveranstaltungen kann er sich für lange Zeit nicht vorstellen. Konzerte würden kleiner und Masken noch eine ganze Weile getragen werden. „Die Kultur wird sich verändern. Manche Bühnen oder Hallen werden pleitegehen und ich glaube, dass die alte Ausgelassenheit in großen Gruppen erst einmal weg ist.“ Deshalb sei es derzeit nicht möglich, Pläne zu machen.

„Wenn zum Beispiel die Stadthalle zu mir sagt, dass sie mir einen Konzert-Termin für nächstes Jahr geben würden, dann weil sie mich gut kennen und mich mögen. Aber keiner weiß, wie die Lage sein wird. Also wozu jetzt einen Termin ausmachen, wenn nicht garantiert ist, dass er stattfinden kann?“

Corona in Langen: Künstler Markus Striegl sammelt Ideen

Deshalb macht Striegl gerade keine Pläne für die Zukunft, sondern sammelt Ideen. Eine davon ist ein kleines Weihnachtskonzert, das online übertragen werden soll. Ansonsten konzentriert er sich auf sein Kerngeschäft – Songs aufzunehmen und zu veröffentlichen – und darüber hinaus wird improvisiert. (Theresa Ricke)

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