Personalmangel im Sommer befürchtet

Lotsen händeringend gesucht: Flugsicherung erweitert Ausbildung

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) sucht auf vielen Wegen nach zusätzlichen Fluglotsen, um erneute Engpässe am deutschen Himmel im nächsten Sommer zu verhindern.

Langen – Man werde die eigenen Ausbildungskapazitäten erhöhen und habe bei benachbarten Flugsicherungen angefragt, ob dort Ausbildungsplätze angeboten werden könnten, sagte der Vorsitzende der DFS-Geschäftsführung, Klaus-Dieter Scheurle, in Langen. Zusätzlich habe man rund 30 fertig ausgebildete Lotsen aus anderen Ländern angeworben, die gerade noch ihre Lizenzen für die jeweiligen Lufträume in Deutschland erwerben müssten.

Die DFS mit ihren etwa 2000 Lotsen war nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr für 22 Prozent der flugsicherungsbedingten Verspätungen in Europa verantwortlich. Der deutsche Luftraum mache zwar nur rund 3,5 Prozent des Luftraums aus, müsse aber 30 Prozent des Verkehrsaufkommens bewältigen, erläuterte Scheurle.

Kurzfristige Abweichungen von den Flugplänen

Besonders eng geht es in dem von Karlsruhe aus gesteuerten oberen Luftraum zu. Dort sind die Hauptverkehrsstrecken in Stoßzeiten so voll, dass die Flieger von deutschen Flughäfen zum Teil nicht mehr in die großen Höhen gelassen werden können. „Bestimmte Sektoren sind immer häufiger einfach dicht“, beschreibt Scheurle die Lage. Ein wesentlicher Grund seien auch kurzfristige Abweichungen von den ursprünglichen Flugplänen. Ein Drittel der Überflüge komme letztlich unerwartet, weil die Piloten von ihren zunächst angemeldeten Plänen abweichen. Dieser Anteil müsse verringert werden, um eine bessere Personalplanung zu ermöglichen, sagte der DFS-Chef.

Im vergangenen Jahr hatte es im deutschen Luftraum mit 3,4 Millionen Flugbewegungen einen in diesem Ausmaß nicht erwarteten Rekordwert mit einer Steigerung von 4,4 Prozent gegeben. „Ich rechne im laufenden Jahr mit einer erneuten Steigerung um bis zu vier Prozent. Im Jahr 2025 sind wir dann bei über 3,9 Millionen Flugbewegungen und bekommen echte Probleme“, sagte der Chef der bundeseigenen GmbH. „Da kommt jedes Jahr ein Aufkommen wie am Stuttgarter Flughafen von mehr als 130.000 Flugbewegungen dazu.“

Mit der Gewerkschaft der Flugsicherung konnte eine Einigung über zusätzliche Überstunden bis jetzt noch nicht erzielt werden. Nach Scheurles Einschätzung werden im Sommer rund 90 Lotsen in den deutschen Centern fehlen. Unter anderem habe man auch bei der Personalplanung gesellschaftliche Entwicklungen etwa zu mehr Teilzeit und Elternzeit unterschätzt. Die eigene Akademie werde im nächsten Jahr 146 statt der bislang 120 Anfänger aufnehmen können.

Wie werde ich Luftverkehrskaufmann/-frau?

Die bereits 2018 von der Eurocontrol-Netzkoordination angeordnete Verlagerung von Flügen in tiefere Lufträume werde in diesem Jahr ausgeweitet, kündigte der DFS-Chef an. Die Maßnahme ist bei den Fluggesellschaften wegen des erhöhten Kerosinbedarfs unbeliebt. Zudem kommt auf die Lotsen in den unteren Lufträumen zusätzliche Arbeit zu, wenn nun täglich bis zu 600 Flüge statt der bislang 500 abgesenkt werden sollen.

„Die sichere Verkehrssituation hängt aber nicht allein von der Zahl der Lotsen ab“, erklärte Scheurle mit Blick auf den heute in Madrid beginnenden Internationalen Flugsicherungskongress. „Wir brauchen auch strukturelle Veränderungen, bei denen die Regierungen tätig werden müssen.“

Im Sinne eines einheitlichen europäischen Luftraums müssten die technische Zusammenarbeit intensiviert und nationale Sektoren zusammengeschlossen werden. Leider werde das eigene Gebiet stärker denn je verteidigt, erklärte der DFS-Chef. (dpa)

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