„Kam mir nie wie Arbeit vor“

Ludwig-Erk-Schule Langen: Rektor Max Leonhardt macht Schluss

Ende einer Ära: Seit 1992 war Max Leonhardt in der Bahnstraße 40 tätig.
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Ende einer Ära: Seit 1992 war Max Leonhardt in der Bahnstraße 40 tätig.

Die Ludwig-Erk-Schule in Langen muss sich von ihrem langjährigen Rektor verabschieden: Max Leonhardt hört auf. In knapp drei Jahrzehnten hat er die Grundschule maßgeblich mitgestaltet.

Langen – Der Abschied fällt nach fast 30 Jahren nicht leicht: „Es hat auch keiner so richtig geglaubt – meine Kollegen nicht, meine Freunde nicht, meine Frau schon gar nicht – dass ich ernsthaft gehe. Aber ich habe es immer angekündigt, dass ich nicht verlängern werde“, sagt Max Leonhardt (64) und setzt sich an den Besprechungstisch in seinem großen Büro. Zum Schuljahresende hat er den Hut als Schulleiter der Ludwig-Erk-Schule (LES) genommen, die Langener Grundschule an der Bahnstraße, die er so maßgeblich geprägt hat.

Als er im Mai 1992 das Büro im Erdgeschoss in dem Backsteinbau als Chef bezieht, ist er noch nicht überzeugt davon, ob dies der richtige Weg für ihn ist. „Ich hatte etwas Respekt davor, was nach der Position als Schulleiter noch kommen sollte“, erzählt Leonhardt. Aber er legt direkt los. Es ist eine spannende Zeit, mit erheblichen Veränderungen im Hessischen Schulgesetz. Die Schulen bekommen mehr Verantwortung, können ein eigenes Profil erstellen und gemeinsam mit dem Kollegium erarbeitet der Schulleiter das erste Schulprogramm – lange bevor das in Hessen verpflichtend wird. „Wir haben überlegt: Wie wollen wir arbeiten? Wie können wir uns verbessern?“, erinnert er sich. „Das daraus resultierende Programm war die Grundlage für unsere gemeinsame Reflexion. Wir sind als Kollegium daran gewachsen und arbeiten seither deutlich enger zusammen.“

Leonhardt ist es schon immer ein wichtiges Anliegen, dass der Unterricht besser wird. Und heute, so betont er, sei das noch viel wichtiger. Denn die Kinder würden mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen ins Schülerleben starten. „Viele bringen ganz viel Spracherfahrung mit, mathematische Vorbildung, andere können mit sechs noch nicht richtig den Stift halten. Unsere Aufgabe ist es, individuell auf die Schüler einzugehen, sie so weit zu bringen, wie es irgendwie geht. Das ist ein riesen Anspruch an die Kollegen. Da hilft es, wenn wir gemeinsam Unterricht vorbereiten und Teams bilden, Verantwortung teilen“, erklärt der Pädagoge, der sein Team im Gegenzug immer von vielen Verwaltungsaufgaben und organisatorischen Dingen entlastet hat. Dennoch: Feierabend um 13 Uhr ist an der Ludwig-Erk-Schule eher nicht an der Tagesordnung.

Die Schule entwickelt sich: 1993 wird der Förderverein gegründet, gemeinsam mit den Eltern baut Leonhardt an Wochenenden Klettergerüste auf und streicht Klassenräume. 1995 startet die Betreuung mit 25 Kindern, die auch zum Mittagessen an der Schule sind. Zunächst beliefert von einem Caterer. „Wir haben schnell gemerkt, dass es nicht zumutbar ist, dass die Kinder Soße essen, die am Stück daherkommt. Wir haben eine Küche gebaut, aus der noch heute frisch gekocht wird. Seitdem esse ich auch immer in der Schule. Es ist lecker“, so Leonhardt mit einem kleinen Grinsen.

Ein Bild aus der Anfangszeit: Manchmal wurde der Rektor auch zum Zirkusdirektor.

Ende der 90er Jahre kommt er tatsächlich noch mal ins Überlegen, ob das schon alles war und er die Grundschule nicht verlassen soll. Doch dazu kommt es nicht. Stattdessen engagiert er sich außerhalb seines Schulalltags in der Bildung: Er wird Fortbildner für Themen wie kompetenzorientiertes Unterrichten, für die Entwicklung von Schulprogrammen. Leonhardt führt viele Referendare in den Beruf des Lehrers ein, ist als Schulinspektor bei der hessischen Pilotphase dabei, hat beratende Funktion im Praxisbeirat des Kultusministeriums und sitzt beim Schulträger im Kreis in Dietzenbach in der Schulleiterkonferenz. „Aber die Schule, die Arbeit als Schulleiter, die Arbeit mit den Kindern, mit diesem tollen Kollegium hier, das ist das, was mich immer am meisten ausgefüllt hat“, sagt der scheidende Chef.

2014 wird die LES selbstständige Grundschule. Es ist fortan noch ein bisschen mehr Verantwortung – aber es bietet auch mehr Freiraum. Das Land stattet die Ludwig-Erk-Schule mit mehr Geld zur Selbstverwaltung aus. Eine Chance, noch mehr Kompetenz an die Schule zu holen: wissenschaftliche Unterstützung und Logopäden oder Ergotherapeuten, die direkt mit den Jungen und Mädchen, die Bedarf haben, arbeiten können. Fortbildung spielt eine große Rolle, sich pädagogisch und inhaltlich ständig weiterzubilden, ist für die Lehrer an der LES Alltag. Viele von ihnen sind inzwischen selbst als Aus- oder Weiterbildner tätig.

Max Leonhardt zieht eine zufriedene Bilanz: „Ich durfte fast 30 Jahre lang an einer Schule mit tollen Kindern und wunderbaren Kollegen arbeiten. Gemeinsam haben wir die Schule aktiv weiterentwickelt und dafür gesorgt, dass sie sehr gut organisiert ist. Wir arbeiten transparent und intensiv mit den Eltern zusammen. Die Identifikation mit der Schule in der Schulgemeinde ist enorm und die Ludwig-Erk-Schule ist bekannt für die Fortbildung und Beratung anderer Schulen“, so Leonhardt.

Auch nach all den Jahrzehnten fühlt er sich nicht ausgelaugt. Ja, es waren manches Mal 60 Stunden in der Woche, die er der Schule gewidmet hat. „Aber es kam mir nie wie Arbeit vor. Es passt zu mir, wie es zu mir passt, im Garten zu liegen und zu lesen oder Motorrad zu fahren“, nennt er schon einmal zwei Dinge, für die er künftig mehr Zeit hat. Reisen, gemeinsam mit seiner Frau, wird auch dazu gehören. Und vielleicht bleibt Max Leonhardt dem Bildungssektor mit seinem großen Erfahrungsschatz erhalten – aber nicht an seiner LES. „Hier haben wir eine tolle Nachfolgerin gefunden. Kristina Vatter war im vergangenen Jahr schon stellvertretende Schulleiterin und ich übergebe die Ludwig-Erk-Schule in gute Hände“, freut sich Leonhardt auf alles, was jetzt kommt. (Nicole Jost)

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