„Kunst vor Ort“:

Lutherplatz bekommt seinen Luther

Der Lutherplatz bekommt sein Luther-Denkmal, wenn auch zu spät fürs große Reformationsjubiläum.

Langen - Was lange währt, wird doch noch gut: Der Lutherplatz bekommt sein Luther-Denkmal, wenn auch zu spät fürs große Reformationsjubiläum. Von Holger Borchard

Als Sieger des 2017er-Wettbewerbs „Kunst vor Ort“ darf der deutsch-niederländische Künstler Andreas Kopp sich am Rande des Rondells am oberen Ende der Bahnstraße ans Werk machen. Der 58-Jährige hat mit dem nebenstehenden Entwurf einer Reformatorenskulptur die Jury überzeugt. Das Kunstwerk soll nun den Sommer über Gestalt annehmen, der Zeitplan ist fix: Der 31. Oktober – der Reformationstag eben – soll Termin der offiziellen Einweihung sein, wünschen die vier Auftraggeber, die das Projekt finanzieren. Als Budget stellen diese ungefähr 40 000 Euro zur Verfügung.

Der Kreis Offenbach, die Sparkasse Langen-Seligenstadt, die Evangelische Kirchengemeinde Langen und die Stadt Langen hatten Anfang 2017 den jährlichen Kreis-Wettbewerb „Kunst vor Ort“ für Langen ausgerufen. Dessen Aufgabenstellung lautete, dem Lutherplatz mit der Themenvorgabe „Luther und die Reformation“ zu einem Kunstwerk im Zeichen des Namenspatrons zu verhelfen. Die Umsetzung des Projekts indes entpuppte sich mangels restlos überzeugender beziehungsweise realisierbarer Wettbewerbsbeiträge als diffiziler und langwieriger als gedacht. Konsequenz: Die ursprüngliche Ausschreibungsfrist wurde bis Ende 2017 verlängert – womit der schöne Jubiläumskontext dahin war.

Abgesehen davon tut dem Lutherplatz eine Skulptur seines Namensgebers gut und der Stadt und ihren Bewohnern ein Kunstwerk, das die Bedeutung der Reformation für Gegenwart und Zukunft herausstellt, ist nicht nur Bürgermeister Frieder Gehardt überzeugt. Andreas Kopps Skulptur lässt Martin Luther den Passanten auf Augenhöhe begegnen. „Diesen Umstand möchte ich zum Ausdruck bringen, indem ich auf jegliche Erhöhung wie einen Sockel und jegliche Inszenierung der Figur des Reformators verzichte“, betont der Paderborner. „Luther soll vielmehr als ein selbstverständlicher Bestandteil des Lutherplatzes wahrgenommen werden.“

Die Figur Luthers wird circa 1,90 Meter groß sein. Sie ist zweiteilig und erscheint wie ein Scherenschnitt. Die beiden Seiten werden durch einen etwa zwölf Zentimeter breiten, sich nach oben hin verjüngenden Glaskeil – er soll den Glauben versinnbildlichen – zu einer Einheit verbunden. Der Glaskörper wird aus verklebtem Schichtglas gefertigt, die Lutherfigur aus zehn Millimeter dickem Cortenstahl gelasert. Die Oberfläche dieses Stahls korrodiert in ansprechendem Farbton und schützt die Plastik vor tiefergehenden Witterungseinflüssen – insofern trägt die Skulptur mit Blick auf die Pflege sogar wirtschaftlichen Kriterien Rechnung.

Wie Theologen und Künstler die Strahlkraft des Kunstwerks einschätzen, formuliert Pfarrer Steffen Held: „Als doppelter Schattenriss ist das Denkmal einer willkürlichen Gestaltung der Gesichtszüge enthoben und transzendiert die Figur Luthers in ein Zeichen seiner selbst. Sie tritt hinter die reformatorische Botschaft zurück.“ Eben dies sei ein Grund für das positive Votum der Evangelischen Kirchengemeinde gewesen.

Auf den Spuren Luthers quer durch Deutschland

Aus Oliver Quilling spricht ebenfalls Zufriedenheit darüber, dass das mit Verspätung zu legende Luther-Ei, was seine Botschaft angeht, das Zeug zum Ei des Kolumbus hat. „Die Plastik verdeutlicht die Einheit von Luther und der Reformation. Beide Begriffe finden sich in einer unlösbaren, zeitlosen Symbiose wieder“, betont der Landrat. „Die Figur verweist zudem über die Person Luthers hinaus auf das, was in der Neuzeit als Lehre der ‚zwei Reiche‘ postuliert wurde; eine Reflektion über das Reich Gottes und die Welt, Evangelium und Gesetz beziehungsweise Kirche und Staat. Das macht den Entwurf so überzeugend!“

Andreas Kopp ist seit Anfang der 90er Jahre auf zahlreichen internationalen Ausstellungen präsent. Er erhielt diverse öffentliche Aufträge, so etwa für das Foyer der Lanxess Arena in Köln oder die Halle des technischen Rathauses in der Domstadt.

„Kunst vor Ort“ entstand im Jahr 1999 aus einer Initiative der Sparkasse Langen-Seligenstadt und des Kreises Offenbach, um die Verbindung von Kunst, Region und Öffentlichkeit zu fördern. „Seither sind verschiedenste Arbeiten zwischen Seligenstadt und Egelsbach in zwölf der 13 Kreiskommunen realisiert worden“, sagt Sparkassen-Werbechef Walter Metzger. Der 2018er-Kunstschauplatz ist übrigens Neu-Isenburg. Auch dort ist die Ausschreibungsfrist schon verlängert worden – auf Wunsch verschiedener Künstler läuft sie noch bis Ende dieses Monats. Die Kunst ist wohl eben doch mitunter ein härteres Metier, als Laien vermuten.

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