Mut machen in unsicherer Zeit

In der Corona-Krise: Diese Musiker spielen jeden Sonntag vor ihrer Haustür

Mit dabei sind zwei Schüler der Langener Musikschule: Nora Gleich am Saxofon und Malte Roggenberg an der Posaune machen gerne mit. Sie spielen in Sichtweite zur Nachbarin...
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Mit dabei sind zwei Schüler der Langener Musikschule: Nora Gleich am Saxofon und Malte Roggenberg an der Posaune machen gerne mit. Sie spielen in Sichtweite zur Nachbarin...

Das Läuten der Kirchenglocken warten sie noch ab, dann erklingt im Hegweg „Freude schöner Götterfunken“ aus Ludwig van Beethovens neunter Sinfonie – auf eine ganz besondere Weise.

Langen – Denn die Musiker, die die hoffnungsvolle Ode an die Freude zum Besten geben, stehen in gebotenem Sicherheitsabstand vor ihrem Haus. Sie wahren die Distanz und können doch gemeinsam ihre Instrumente erklingen lassen. „Das ist für uns gerade die einzige Möglichkeit, um mit anderen zu musizieren“, sagt Maili Wolf, Lehrerin an der Langener Musikschule, die Klarinette spielt. Zusammen mit ihrem Mann Peter an der Posaune und den Musikschülern Nora Gleich am Saxofon und Malte Roggenberg (Posaune), die ebenfalls beide im Hegweg wohnen, hat sie vor drei Wochen das erste Straßenkonzert gegeben. Seither hat sich das Konzept ausgebreitet – und soll es natürlich noch weiter.

Die Idee, sonntags mit ausreichendem Sicherheitsabstand abgesprochene Stücke zu spielen – und so in dieser für viele einsamen und trostlosen Zeit für Freude zu sorgen – trägt verschiedene Namen. Beim Hessischen Musikverband firmiert sie unter dem Motto „Musik macht Mut“ – anderenorts in Deutschland als Musik am/aus dem Fenster oder auf dem Balkon. Wer nur eine kleine Wohnung hat, musiziert so eben am Fenster oder auf dem Balkon.

Im Orchesterverein Langen/Egelsbach, in dem Wolf spielt, wurde die Idee über eine Chatgruppe verbreitet. „Die Proben des Orchestervereins pausieren wegen Corona natürlich auch und da ist jeder froh, wenn er mit anderen zusammen musizieren kann“, sagt die 52-Jährige. Auch beim Musikschulunterricht spiele das gemeinsame Musizieren eine große Rolle. Viele Lehrkräfte bieten gerade zwar Onlineunterricht an und kümmern sich per Videochat oder Telefon um ihre Schützlinge – so gut das eben technisch geht. „Aber ein Duett ist beim Onlineunterricht natürlich nicht möglich“, sagt Wolf.

Dementsprechend schön ist das sonntägliche Musizieren in Gemeinschaft für die Musiklehrerin. Und auch den Schülern Nora Gleich und Malte Roggenberg, die in derselben Straße wohnen und direkt mit im Boot waren, macht das gemeinsame Konzert vor der eigenen Haustür sichtlich Spaß. Sie haben extra fleißig die Stücke geübt, damit sie für das sonntägliche Straßenkonzert auch sitzen. Diese schlägt der Musikverband vor. Jede Woche kommt ein neues Lied hinzu. Die Ode an die Freude, das Deutschlandlied von Joseph Haydn und Irische Segenswünsche standen schon auf dem Plan. Die Noten für die unterschiedlichen Instrumente werden im Netz veröffentlicht und können (auf der Unterseite Downloads) heruntergeladen werden. So kann jeder mitmachen.

Nicht nur für die Musiker ist das sonntägliche Konzert in Zeiten der weitgehenden sozialen Isolation eine willkommene Abwechslung. „Auch die Nachbarn sind begeistert und freuen sich total, Jeder ist natürlich froh, wenn gerade mal wieder etwas los ist“, sagt Wolf.

Die Aktion soll fortan jeden Sonntag fortgesetzt werden – „solange diese Situation eben anhält“, sagt Maili Wolf. Auch in der Nachbargemeinde Egelsbach wird „Musik macht Mut“ freudig angenommen: Auch Musiker des SGE-Blasorchesters spielen sonntags um 18.15 Uhr am Fenster oder auf dem Balkon.

VON JULIA RADGEN

Der Langener Musiker Jonas Fisch, Frontmann der Band Inhuman, programmiert auch Computerspiele. Nun ist er mit „Prim – Tochter des Todes“ für den Deutschen Computerspielpreis nominiert.

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