Junge Flüchtlingsfamilie lebt in von Stadt gestellter Wohnung mit gravierenden Mängeln

„Man lässt uns einfach hängen“

Im Wohnzimmer stapelt sich die immer noch nicht eingebaute Küche: Darauf warten (von links) Shahnaz Amini, Renate Knapp mit Matti auf dem Schoß und Ahmad Jamshidi. Aktuell ist die Wohnung keine Umgebung für ein Kind.
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Im Wohnzimmer stapelt sich die immer noch nicht eingebaute Küche: Darauf warten (von links) Shahnaz Amini, Renate Knapp mit Matti auf dem Schoß und Ahmad Jamshidi. Aktuell ist die Wohnung keine Umgebung für ein Kind.

Renate Knapp kümmert sich ehrenamtlich um eine Langener Flüchtlingsfamilie und unterstützt sie, wo sie nur kann. Doch in der von der Stadt gestellten Wohnung gibt es Mängel, die nicht behoben werden. Die neue Küche steht seit Wochen herum. Die Helferin und die Familie fühlen sich von Stadt und Vermietern alleingelassen.

Langen – Der ein Jahr alte Matti flitzt schon ziemlich schnell durch die Zwei-Zimmer-Wohnung von Shahnaz Amini (18) und Ahmad Jamshidi (23). Immer wieder muss die Mutter den kleinen Wirbelwind stoppen. In der Küche ist es gerade etwas zu gefährlich für das Kleinkind. Die Unterschränke haben keine Türen mehr und der Junge räumt alles aus. Die Schränke der neuen Küche stehen in dem kleinen Wohnzimmer auseinander genommen bereit, genau genommen schon seit über drei Wochen. „Wir hätten sie schon längst mit professioneller Hilfe aufgebaut, wenn wir dürften“, berichtet Renate Knapp.

Da es sich um eine Wohnung handelt, die die Stadt Langen angemietet hat, ist das aber nicht so ohne weiteres möglich. Knapp kümmert sich gern um die Familie und unterstützt, wo sie kann. Die Beziehung ist eng, Knapp ist die „Oma“ und durfte dem kleinen Jungen sogar einen Namen geben. „Er heißt Matthias. Er hat auch noch einen persischen Namen, Artin“, erzählt Vater Ahmad Jamshidi. Wenn es Schwierigkeiten gibt, ist Knapp die erste Ansprechpartnerin. „Ich ärgere mich einfach, wie mit dem jungen Paar umgegangen wird, es liegt so vieles im Argen und man lässt uns einfach hängen“, sagt die engagierte Langenerin.

Kein Schlüssel für den Keller: „Migranten müllen den nur voll“

Shahnaz Amini lebt seit vier Jahren in Langen. Sie hat mit ihren Eltern und den Geschwistern nach der Flucht aus Afghanistan hier eine Heimat gefunden. Sie hat den sogenannten subsidiären Schutz, und damit eine Aufenthaltsberechtigung in Deutschland. Ihr Mann lebt, als sie sich kennenlernen, in einer Gemeinschaftsunterkunft in Darmstadt. Auch bei ihm ist eine Abschiebung aufgrund des gemeinsamen Kindes ausgesetzt, wie Knapp erläutert. Kurz vor der Geburt des Sohnes bekommt die Familie von der Stadt eine Wohnung zugewiesen. „Dafür sind wir auch sehr dankbar“, betont Shahnaz Amini.

Dennoch gibt es seit dem Umzug verschiedene Schwierigkeiten mit ihrem Zuhause im zwölften Stock des Hochhauses. „Die Klingel funktioniert seit anderthalb Jahren nicht, Steckdosen sind kaputt. Die Abzugshaube in der fensterlosen Küche leitet die Abluft ins Bad, dort wiederum ist der Abzug ebenfalls defekt – inklusive aller unangenehmer Gerüche“, zählt Knapp auf. All diese Baustellen seien Sache des Vermieters. Dieser habe den Vertrag für die Wohnung mit der Stadt geschlossen. „Wir haben die Mängel mehrfach gemeldet, aber nichts ist seither passiert“, bedauert Knapp. Ein weiteres Thema ist, dass es keine Abstellanlage für Fahrräder gibt. Für den Keller, der zur Wohnung gehört und in dem Räder sicher untergebracht wären, hat das Paar keinen Schlüssel. „Es hieß aus der Stadtverwaltung, sie geben den Schlüssel nicht heraus, Migranten müllen Keller nur voll. Das ist natürlich keine sehr nette Aussage“, so Knapp.

Mit der Küche gibt es jetzt neue Probleme: Die eigentliche Küche, die in der Wohnung war, sei in einem sehr schlechten Zustand gewesen. Knapp beschreibt, dass die Schranktüren alle so ausgerissen waren, dass sie sich nicht mehr schließen ließen. Zu gefährlich für das Leben mit dem Kleinkind. „Ich habe mich dann umgehört und wir konnten eine sehr günstige Küche kaufen. Einbauen dürfen wir sie nicht selbst. Aber die Stadt kommt nicht in die Gänge. Jetzt steht der ganze Kram hier rum“, sagt die Flüchtlingsbetreuerin frustriert. „Wir hätten uns ja selbst geholfen. Durften wir eben nicht, weil es eine städtische Wohnung ist. Aber es wird jetzt wirklich mal Zeit, dass die Küche eingebaut und all die Mängel behoben werden“, hofft Knapp, dass die Familie Hilfe bekommt.

Stadt will auf Vermieter einwirken, aber Reparaturen sind dessen Aufgabe

Im Rathaus bestätigt man, dass die Wohnung von der Stadt angemietet ist und der jungen Familie zur Verfügung gestellt wird, bis diese eine eigene Wohnung gefunden hat. „Die Familie selbst hat uns gegenüber keinerlei Aussagen getroffen, dass sie sich in der Wohnung nicht wohl fühlt. Im Gegenteil ist sie froh, dass die Stadt ihnen die Wohnung zur Verfügung stellt“, sagt Langens Pressesprecher Markus Schaible auf Anfrage. „Die Mängel sind bekannt, ihre Beseitigung – wie immer bei Mietwohnungen – ist in der Wohnung Sache des Vermieters beziehungsweise bei Aufzug, Klingelanlage oder ähnlichem Sache der Hausverwaltung. Die Stadt Langen als Mieterin hat den Wohnungseigentümer bereits mehrfach aufgefordert, die Mängel zu beseitigen. Mehr können wir nicht tun.“ Die Stadt bedauere natürlich sehr, dass der Vermieter seiner Pflicht nicht nachkommt. „Wir werden ihn weiterhin anhalten, die Reparaturen vorzunehmen“, betont der Stadtsprecher.

Die Küche in der Wohnung sei inklusive aller Elektrogeräte vollumfänglich nutzbar. „Die Flüchtlingsbetreuerin hat aus eigenem Antrieb eine neue Küche organisiert. Die Küche wird eingebaut, es sind noch vorbereitende Arbeiten dafür erforderlich. Angebote dazu sind schon eingeholt“, kündigt Schaible an. Zumindest dieses Problem sollte sich für Shahnaz Amini und Ahmad Jamshidi also bald lösen.

Von Nicole Jost

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