Brunnen aus dem Jahr 1934 wieder in den öffentlichen Raum geholt

Markanter Wasserspender

Wasserspender am Beckenrand: Auf diesem historischen Bild ist der Brunnen nur Beiwerk.

Langen – Die Aktion ist schon vor der offiziellen Einweihung (Alt)Stadtgespräch. An der Weiherwiese – also zwischen Freibad und Stumpfem Turm – wurde ein neuer alter Brunnen aufgestellt. VON MARKUS SCHAIBLE

Neu, weil er an einem neuen und erstmals seit Langem wieder öffentlich zugänglichen Ort aufgestellt wurde. Und alt, weil es sich um einen historischen Trinkbrunnen aus dem Jahr 1934 handelt.

Das Wort „historisch“ macht auch schnell klar, wer bei dieser Aktion wieder seine Hände im Spiel hat: die beiden Langener Heimatkundigen Reinhold Werner und Heribert Gött (ehrenamtlicher Stadtarchivar). Als sie auf der Suche nach einem Findling für den Wilhelm-Leuschner-Platz waren (der Gedenkstein wurde bekanntlich vor gut einem Monat enthüllt), fiel ihnen auf dem ehemaligen Gelände des Bau- und Wertstoffhofs der Kommunalen Betriebe an der Liebigstraße ein alter Brunnen ins Auge. Dieser hatte dort offenbar seit Jahren einen Dornröschenschlaf gehalten. Da das Areal im Zuge der Wohnbebauung entlang der Liebigstraße schon bald abgeräumt wird, beschlossen sie, ihn zu retten und an anderer Stelle aufstellen zu lassen.

Gleichzeitig nahmen die Heimatkundigen Recherchen auf nach der Herkunft des Brunnens, der früher von den Beschäftigten des Bauhofes zur Reinigung ihrer Arbeitskleidung genutzt wurde. Gött und Werner ermittelten, dass es sich um den zweiten Trinkbrunnen aus dem Langener Schwimmstadion, das 1934 eingeweiht worden war, handelte. Dieser stand, wie alte Fotografien zeigen, an der Südostecke der 50-Meter-Kampfbahn. Zutage kam zudem ein Plan aus den 1930er Jahren, der erkennen lässt, dass das damals schon an heutiger Stelle befindliche Freibad Teil eines großen Sportparks mit Stadion und weiteren Anlagen sein sollte. Die vom Referat „Turnen und Sport“ der hessischen Landesregierung erarbeitete Planung war im Juni 1938 im Langener Anzeiger (Vorgänger unserer Zeitung) abgedruckt.

Wann der Brunnen aus dem Schwimmbad an die Liebigstraße umgesetzt wurde, konnten die Heimatkundigen nicht mehr herausfinden. Sie können aber berichten, dass ein Brunnen gleicher Konstruktion und Bauart im Jahre 2014 auf ihre Anregung hin von der ans Freibad angrenzenden Rollschuhbahn auf den Langener Friedhof versetzt worden war. Dort ziert er seit dieser Zeit eine gepflegte kleine Anlage vor der Trauerhalle und spendet den Besuchern wieder Wasser.

In Zusammenarbeit mit städtischen Behörden, den Stadtwerken Langen, den KBL und dem Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) gelang es, auch für den zweiten Brunnen einen geeigneten Platz zu finden. Er steht nun an der Weiherwiese zwischen dem Weihertürchen und dem unteren Schwimmbadparkplatz, neben dem markant bemalten Trafohäuschen der Stadtwerke. Diese stellten durch eine Spende auch die Finanzierung von Abtransport und Neuaufstellung sicher.

Dieses Unterfangen stellte die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs unter der Leitung von Valerij Keib vor eine logistische Herausforderung, denn das ursprüngliche Fundament des Brunnens war durch jahrelange Betonablagerungen gewaltig verbreitert worden. Doch es glückte. Die Verantwortlichen entschieden sich auch, den Brunnentrog mit einem wasserdurchlässigen, farblich angepassten Beton zu verfüllen, um ihn vor Verunreinigung zu schützen. Denn der Brunnen ist nur Dekoration – Wasser fließt daraus nicht mehr.

Noch vor der offiziellen Übergabe wird der Brunnen bereits viel beachtet. Ende August wird noch eine Bank, die ein Ehepaar anlässlich seiner Goldenen Hochzeit spendet, das Gelände um den Brunnen bereichern und zu einer Pause mit Blick auf die Altstadt einladen.

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