Kleine Zaungäste sehen Anbau wachsen

Martin-Luther-Kita: Nach Hängepartie rücken Bagger an

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Melodischer Spatenstich auf dem Gelände der Kita Martin-Luther: Die Mädchen und Jungen der Einrichtung stimmten in Bauarbeiter-Montur ein Ständchen auf die nun beginnenden Bauarbeiten an. Im Vordergrund wertet der Spatenstich-Kuchen darauf, zur Feier des Tages angeschnitten zu werden.

Langen - Das Tauziehen um die Finanzierung war zäh, doch knapp fünf Jahre nach den ersten Gesprächen zwischen Stadt und Kirche rollen ab dieser Woche endlich die Bagger auf dem Gelände der evangelischen Kita Martin-Luther. Von Cora Werwitzke

Die dringend benötigte Erweiterung wird in Form von zwei Anbauten verwirklicht. Wenn alles gut läuft, könnten die neuen Gebäudeteile schon Ende des Jahres bezogen werden. „Das ist allerdings ein ambitionierter Zeitplan“, sagt Architekt Thomas Räuber. Neben ihm freuen sich Pfarrerin Susanne Alberti, Erster Stadtrat Stefan Löbig und weitere Vertreter aus Kirche, Kita und Kommune über den ersten Spatenstich, den die Kinder mit Helmen und Kinderspaten selbst bewerkstelligen.

„Wer will fleißige Handwerker sehen?“, schallt’s melodisch über das Brachgelände, das vor nicht allzu langer Zeit noch als Spielfläche diente. An der Stelle, an der die Kinder jetzt singen, werden sie in den kommenden Monaten als Zaungäste die Entstehung eines zweigeschossigen Gebäudes beobachten. Im Erdgeschoss wird Platz für 24 U3-Kinder, im ersten Stock unter anderem für einen großen Turnraum geschaffen. Ein weiterer eingeschossiger Anbau beherbergt künftig Personalräume und eine geräumige Küche, in der frisches Mittagessen für 80 Kinder zubereitet werden kann. „Wir freuen uns sehr auf mehr Platz“, verkündet Pfarrerin Alberti beim Spatenstich stellvertretend für die ganze Kita-Crew.

Als der Kindergarten in den 60er Jahren eröffnet wurde, gingen dort 100 Kinder ein und aus. „Seitdem haben sich die Anforderung an die Betreuung stark verändert“, schildert Alberti. Heute werden auf gleichem Raum noch maximal 75 Kinder betreut – „aktuell sind es wegen des Mangels an Erziehern sogar nur etwa 60.“

Die „großen“ Kindergartenkinder werden künftig Zuwachs von „Kleinen“ bekommen. Auf die Idee, Plätze für U3-Kinder zu schaffen, habe sie die seinerzeitige Fachbereichsleiterin Marita Scheer-Schneider gebracht, berichtet die Pfarrerin: „Die sagte damals: Erweitern Sie auf U 3-Gruppen, dann gibt es noch finanzielle Zuschüsse!“ Erst daraus wurde die Idee geboren, die Kita im großen Maßstab zu erweitern. Bis zum Spatenstich sollten allerdings noch Jahre ins Land ziehen. Der Grund: „Viel Gezerre und Missverständnisse“, so formuliert es Alberti, „zähe Verhandlungen und Hängepartien“, ergänzt Löbig. Beide sind sich einig, dass dies nun getrost zur Vergangenheit zählen darf. Die avisierten Baukosten von 1,3 Millionen Euro teilen sich Stadt, Landeskirche und die hiesige Gemeinde, wobei die Stadt mit rund 1,1 Millionen Euro den Löwenanteil stemmt.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Gerade weil der Weg so steinig war, bedankt sich Löbig bei allen Beteiligten für die Ausdauer, bis eine Lösung gefunden wurde. Ab jetzt bereite es Freude, das Projekt wachsen zu sehen. Mit dem Bau werde wieder etwas getan, um die Kapazitäten im Kitabereich auszuweiten. Der Erste Stadtrat nutzt den Rahmen der Veranstaltung, um ein paar Worte zur Warteliste zu verlieren: „Wir sind in diesem Bereich extrem transparent, das ist im Kreis Offenbach wohl einmalig.“ Während andere Kommunen gar keinen Überblick hätten, werde es in Langen offenbar, wie viele Plätze exakt fehlen. Das mache angreifbar, sei aber richtig und wichtig. Noch in diesem Jahr will die Stadt nach den Worten von Löbig mit der privaten Kita „nanus“ und dem Ausbau der Kita Ohmstraße zwei weitere Projekte in diesem Bereich ankurbeln.

In den Reihen der Kitakinder ist derweil die Vorfreude auf den Spatenstich-Kuchen gestiegen – die verdiente Belohnung für ihren Einsatz in Bauarbeiter-Montur. Architekt Räuber erläutert ein paar Meter weiter die Baupläne: „Der zweigeschossige Anbau wird mit einem Aufzug ausgestattet“, berichtet er. Ferner sei der erste Stock mit Turnsaal und Intensivräumen so ans Treppenhaus gekoppelt, dass er separat vom Familienzentrum genutzt werden könne. Die Fassade wird nach seinen Worten im Stile der neuen Kita Zimmerstraße gestaltet und was das Außengelände angeht, „wird das Terrain, das durch die Bebauung wegfällt, in etwa durch eine bis dato noch nicht genutzte Fläche zwischen Kita und Gemeindehaus ersetzt“.

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