Werner Weigand: „Massig ungenutztes Potenzial“

Langener schreibt Sachbuch über die Bahn und den Klimaschutz

Der ADFC-Vorsitzende Werner Weigand hat in 40 Jahren viel Expertise über die Bahnbranche gesammelt.
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Der ADFC-Vorsitzende Werner Weigand hat in 40 Jahren viel Expertise über die Bahnbranche gesammelt.

ADFC.Vorsitzender Werner Weigand ist in Langen ein bekanntes Gesicht. Jetzt führt der Pensionär seine Profession – er hat vier Jahrzehnte Erfahrung als promovierter Bauingenieur bei der Deutschen Bahn AG – mit seinen Klimaschutzbemühungen zusammen und veröffentlicht sein erstes Buch mit dem Titel „Mobilität und Klimaschutz neu denken – das Potenzial der Bahn besser nutzen“.

Langen – Als Vorsitzender des ADFC Langen/Egelsbach lässt Werner Weigand den Verein in den vergangenen Jahren um viele Mitglieder auf fast 400 anwachsen. Er organisiert Radtouren, engagiert sich für eine fahrradfreundliche Verkehrspolitik in der Stadt und rückt den Drahtesel als klimafreundliches Fortbewegungsmittel in den Fokus. Auch privat tut er für den Klimaschutz, was er kann. Eine Fotovoltaikanlage ist schon seit zehn Jahren auf seinem Dach und sein Haus hat er auf eine Wärmepumpe umgerüstet.

Die Intention seines nun veröffentlichten Buches steckt im Untertitel: „Wie kann die Bahn bis 2030 einen großen Beitrag zu den Klimazielen bringen?“ Auf 190 Seiten beschäftigt sich Weigand mit drei großen Themen. Im ersten Abschnitt beschreibt der Langener Autor die Geschichte der Bahn seit der Bahnreform. Selbst 15 Jahre an der Infrastrukturplanung der Bahn beteiligt und später für die Netzstruktur der Züge und Verbesserung der Anbindung ins Ausland verantwortlich, wirft er einen Blick darauf, was seither gut gelaufen ist und was nicht.

Mehr Güterverkehr vom LKW auf die Schiene bringen

Im zweiten Teil zieht er Vergleiche mit anderen großen Bahnbetrieben der Welt. „Wir könnten beispielsweise große Klimaschutz-Effekte erreichen, wenn wir mehr Güterverkehr vom LKW auf die Schiene bringen würden. Mit einer Tour per Bahn verursachen wir sieben Mal weniger CO2-Ausstoß als mit der gleichen Strecke auf dem LKW“, erklärt Weigand. Der Anteil des Gütertransports liegt in Deutschland bei 17 Prozent – in den USA sind es 40 Prozent. Thema Pünktlichkeit: Was bei der Deutschen Bahn an Verspätungen in Minuten zustande kommt, hat Japan in Sekunden. Auch in der Schweiz sind die Werte deutlich besser, als die Wartezeiten an Deutschen Bahnhöfen. „Ein weiteres Problem, das es bei uns gibt, ist der mangelnde Wettbewerb im Bahnverkehr. In vielen anderen Ländern wie Italien oder Schweden haben die großen Bahnbetriebe längst Wettbewerber im Schienenverkehr“, erläutert der Langener Bahn-Kenner.

Im dritten Abschnitt – dem größten Teil des Buches –zeigt Weigand die Chancen der Bahn auf. Was kann das Unternehmen besser machen, um den Klimaschutz in Deutschland voranzutreiben? Es geht um den Ausbau der Strecken innerdeutsch, aber auch in Europa, die Digitalisierung voranzubringen und die Bahn gegenüber den Billigfliegern konkurrenzfähig zu machen. Weigand fordert, für den Klimaschutz das Potenzial der Bahn besser zu nutzen. „Ich will auch den Anstoß geben, das Thema stärker politisch in den Fokus zu rücken“, wünscht sich der Autor Gehör.

Das Buch

„Mobilität und Klimaschutz neu denken – das Potenzial der Bahn besser nutzen“ (192 Seiten) ist im Handel für 24,80 Euro erhältlich (ISBN 978-3-907014-50-9). In Langen führt es auch Der Buchladen am Lutherplatz.

Für das Buch hat Werner Weigand unzählige Artikel, die er in der Vergangenheit für Fachzeitschriften verfasst hat, überarbeitet und „in einen Guss“ zusammengefügt. Für seine Thesen hat sich der Langener ADFC-Chef nicht nur viel und lange mit ehemaligen Kollegen unterhalten, besprochen und diskutiert, sie haben die Texte zum Teil auch gelesen und gemeinsam überarbeitet. „Es hat mir viel Spaß gemacht, dieses Buch zu schreiben“, sagt er und ist dankbar, dass der Schweizer Fachverlag Minirex sein Buch verlegt. „Ich weiß, es ist kein Massenartikel wie ein spannender Roman, aber ich hoffe, es wird seine Leser bekommen. Die Bahn-Kollegen haben schon angekündigt, es an Weihnachten zu verschenken“, berichtet er mit einem Lächeln. Übrigens: Trotz aller Kritik ist Werner Weigand immer ein Bahn-Fan geblieben und nutzt den Schienenverkehr noch heute sehr gerne.

Von Nicole Jost

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