Gelungener Versuch gegen Arzneimittelwirkstoffe im Abwasser

Medizin: Fluch & Segen

Langen - Der Fortschritt in der Medizin ist für kranke Menschen ein Segen, für die Natur aber mitunter ein Fluch. Von Markus Schaible 

Denn Rückstände aus Pflege- und Reinigungsmitteln, vor allem aber Wirkstoffe aus Arzneien stehen im Verdacht, bei Fischen und Fröschen biologische Veränderungen hervorzurufen. Wissenschaftler schließen deshalb auch Risiken für den Menschen nicht aus. Über das Abwasser gelangen die Rückstände in den Naturkreislauf. Denn bislang werden die Stoffe – es handelt sich um winzig kleine Mengen im Nanobereich – in den Kläranlagen nicht komplett eliminiert.

„Besonders der Medikamenten-Cocktail hat es in sich“, weiß Abwasserverbands-Geschäftsführer Werner Hötzel. Durch die höhere Lebenserwartung erreichen die Kläranlage immer mehr Arzneimittelrückstände. In Deutschland werden jährlich rund 30.000 Tonnen Medikamente verkauft. Aber nur rund ein Drittel der Wirkstoffe bleibt im Körper, bis zu 60 Prozent werden ausgeschieden. „Das sind 20.000 Tonnen, die im Abwasser landen.“ Außerdem sei es leider weit verbreitet, nicht verwendete Zäpfchen, Tabletten oder Salben unsachgemäß über die Toilette zu entsorgen.

Entfernung der Spurenstoffe

Um dem entgegenzuwirken, hat der Abwasserverband in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Darmstadt und mit finanzieller Unterstützung durch das Land Hessen ein zweijähriges Forschungsvorhaben zur Entfernung der Spurenstoffe umgesetzt. „Wir nehmen dadurch eine Vorreiterrolle ein“, sagt Hötzel. Er geht davon aus, dass innerhalb der Europäischen Union entsprechende Auflagen kommen werden. „Dafür wollen wir gewappnet sein.“

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Die Versuchsanlage habe beeindruckende Ergebnisse erzielt: „Sie entzog dem Abwasser durch die sogenannte Membranfiltration in Kombination mit Aktivkohleverfahren bis zu 90 Prozent der Spurenstoffe. Von der Aktivkohle werden sie wie von einem Schwamm aufgesaugt.“ Da es aber etwa 3000 verschiedene Wirkstoffe gebe, gelinge es leider nicht, alle zurückzuhalten. Dennoch sei das Projekt ein großer Erfolg gewesen, das eine Fortsetzung finden soll. „Wir haben einen Folgeforschungsantrag für einen großtechnischen Versuch gestellt“, berichtet Hötzel. Da dieser aber ein Volumen von einer Million Euro habe, werde in Wiesbaden überlegt, gleich eine dauerhafte, großtechnische Anlage zu bauen. Auf eine Entscheidung hofft der Verbandschef noch vor den Sommerferien. Von den Ergebnissen würden dann auch andere Kläranlagenbetreiber profitieren.

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