Röntgen für flauschige Patienten

Medizin zum Mitmachen an der Asklepios Klinik

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Das braucht schon ein bisschen Kraft, aber rettet Leben. Beim Tag der offenen Tür konnten die Besucher der Asklepios Klinik sich auch in Herz-Lungen-Wiederbelebung üben. Doch das größte Problem, sagen die Ärzte, ist nicht, dass falsch geholfen wird – sondern gar nicht.

Langen - Zum 50. Geburtstag behandelt die Asklepios Klinik Langen ausnahmsweise nicht nur Menschen, sondern auch Kuscheltiere. Von Vanessa Kokoschka 

Anlässlich des Jubiläums lud die Klinik zum Tag der offenen Tür an die Röntgenstraße ein und eröffnete Kindern und Erwachsenen ungewohnten Einblick in die Welt der Medizin. Mit Lotta unter dem Arm klettert Charlotte auf den Stuhl neben der Ärztin Friederike Serve-Goronzy. ,,Was ist der Lotta denn passiert?“, fragt diese. ,,Sie ist vom Fahrrad gefallen“, berichtet Charlotte besorgt und deutet auf die Stelle, die ihrer Begleiterin schmerzt. Geduldig hört sich Serve-Goronzy die Beschwerden an und notiert Name, Alter und Gewicht der Kranken. Die Patientin selbst bleibt stumm: Denn Lotta ist ein weißer flauschiger Teddybär im roten Rock mit weißen Streifen. Zum Tag der offenen Tür kümmern sich die Ärzte und Krankenschwestern der Teddy-Klinik um viele plüschige Patienten.

An mehreren Stationen können die Kinder ihre Lieblinge untersuchen und behandeln lassen: Erst bei den Ärzten, dann beim Röntgen, schließlich geht es zur Apotheke, um die Medikamente zu besorgen. ,,Die Idee der Teddyklinik stammt eigentlich aus Schweden. Sie soll Kindern spielerisch die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern nehmen“, erklärt Beate Schütz. Sie hat die Teddyklinik für diesen Tag organisiert, sonst leitet sie das Fall- und Dokumentationsmanagement.

„Das tut nicht weh“ – dieser junge Besucher der Teddyklinik beobachtet fasziniert das Röntgen bei seinem Stoffhund. Vorher ging’s zur Beratung beim Arzt, danach zur Apotheke.

Für die Älteren bietet die Klinik beispielsweise Rundgänge durch OP-Säle und das Herzkatheter-Labor an, zudem gibt es Vorträge und Workshops. An einigen Stationen können die Besucher ihre Gesundheit checken lassen, sich per Ultraschall die Herzschlagader untersuchen oder den Blutdruck überprüfen lassen. Viele Programmpunkte sind zum Mitmachen angelegt: So können die Gäste durch ein riesiges Modell des Herzens spazieren, Verbände anlegen und eine virtuelle Alterssimulation nutzen. Auch Operieren am Knochen-Modell oder „Gummibärenfischen“ am sogenannten Laparoskopieturm mit Fasszange und 3D-Brille ist ein Erlebnis. Letzteres simuliert für die Laien eine Bauchspiegelung. In der Realität werden die Gallenblase oder der Blinddarm entfernt, hier nur Gummibärchen.

„Die Klinik will mit außergewöhnlichen Einblicken in die Abläufe bei Untersuchungen und operativen Eingriffen ihre Leistungsvielfalt präsentieren“, sagt Jan Voigt. Der Geschäftsführer der Asklepios Klinik ist überzeugt: ,,So lassen sich am besten Informationen zu neuesten Diagnose- und Behandlungsverfahren, Prävention und Nachsorge vermitteln.“ Seit einem halben Jahrhundert stellt die Klinik die medizinische Versorgung im Kreis sicher. Im Juli 1968 eröffnete die Klinik, damals als „Dreieich-Krankenhaus“. 2002 übernahm der Hamburger Klinikbetreiber Asklepios das Krankenhaus. Allein im vergangenen Jahr ließen sich dort 16.000 Patienten stationär und 30.000 ambulant behandeln.

Auch am Tag der offenen Tür läuft die Patientenversorgung selbstverständlich weiter. Dafür ist ein hohes Maß an Organisation erforderlich. Schließlich erstreckt sich der Schnuppertag über mehrere Etagen und Räume. So informiert Astrid Voigt im Erdgeschoss über das Reanimieren. ,,Den Fehler, den die meisten Menschen machen, ist gar nicht reagieren, wenn jemand bewusstlos auf dem Boden liegt“, berichtet die Mitarbeiterin in der Stationsleitung Intensiv des Krankenhauses. Anhand einer Puppe können Interessierte die Herzdruckmassage ausprobieren.

Tag der offenen Tür an der Asklepios Klinik Langen: Bilder

Zwei Stockwerke darüber legt Krankenschwester Almira einem Kind nach dem anderen einen Gips am Unterarm an. Am Fenster hängen Röntgenbilder, die verschiedene Brüche zeigen. ,,Wer von Ihnen kann mir die Fraktur und den Körperteil nennen?“, fragt sie die Eltern, die auf ihren Nachwuchs warten. ,,Der Hauptgewinn ist ein Gips am Oberschenkel“, scherzt die Krankenschwester. Doch bei den Erwachsenen herrscht betretenes Schweigen.

Derweil hört Charlotte in der Teddy-Klinik mit einem Stethoskop die Herztöne ihres Teddybären ab. Die klingen gut, stellt die Sechsjährige fest. Allerdings diagnostiziert die Ärztin einen Bruch im linken Bein. Mit dem Untersuchungsergebnis in der Hand geht es für Charlotte und Bärin Lotta zum Röntgen. Als die flauschige Patientin das überstanden hat, dann noch in die Apotheke. Dort nimmt Charlotte einen „Knochenreparier-Lutscher“ entgegen und den Rat, in nächster Zeit sehr viel mit Lotta zu kuscheln, damit sie schnell wieder gesund wird.

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