Mehr Ruhe für Pflanzen und Tiere

Fläche des Naturschutzgebietes verdoppelt

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Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid und Erster Stadtrat Stefan Löbig präsentierten bei einer kleinen Feier mit geladenen Gästen vor Ort an den Belzbornwiesen die markanten Schilder, die das erweiterte Naturschutzgebiet markieren.  

Langen - Langen hat seit dieser Woche deutlich mehr geschützte Natur. Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid wies die Grünfläche hinter dem Neubaugebiet Belzborn als Naturschutzgebiet aus. Dort können sich seltene Pflanzen und Tiere in Ruhe entwickeln. Von Nicole Jost

Ein bisschen struppig sieht sie aus, die Kammereckswiese. Reichlich feucht und mit bräunlichem Magergras übersäht. Immer wieder erhebt sich ein Busch auf dem weiten Areal hinter dem Neubaugebiet Belzborn, in dem sich die heimischen Vögel gerne zum Brüten niederlassen. „Genau so muss eine extensiv behandelte Wiese aussehen“, betont Heike Gollnow vom städtischen Fachdienst Bauwesen, Stadt- und Umweltplanung. Diese noch sehr intakte Natur auf rund 25 Hektar, die auf der Stadtkarte als „Belzbornwiesen und Schmale Wiesen“ betitelt sind, ist nun offiziell Naturschutzgebiet. Damit hat sich der geschützte Bereich zwischen Langen und Egelsbach auf die Gesamtgröße von 53,4 Hektar nahezu verdoppelt.

„Ein großer Erfolg“, findet Regierungspräsidentin Brigitte Lindscheid (Grüne), die die dreieckigen, grün umrandeten Naturschutzgebiets-Schilder persönlich vorbeibrachte. Gemeinsam mit Erstem Stadtrat Stefan Löbig (Grüne), Vertretern vom städtischen Umweltamt, der Unteren Naturschutzbehörde und Hessen Forst stieß sie mit einem Gläschen Sekt auf diesen Erfolg an. Denn so ganz einfach ist die Ausweisung von Naturschutzgebieten in Zeiten von vermehrtem Flächenbedarf und intensiv betriebener Landwirtschaft nicht: „Wir begleiten den Prozess schon seit dem Jahr 2009. Mitten im Rhein-Main-Gebiet ist der Konflikt zwischen Natur und dem Druck auf die Baugebiete groß. Die Artenvielfalt ist massiv bedroht. Umso wichtiger ist es, dass wir Gebiete haben, in denen wir Flora, Fauna und Tiere schützen, wo sie sich in Ruhe entwickeln können“, betont die Regierungspräsidentin.

Warum uns die Natur so gut tut

Auch Stefan Löbig erklärt, dass die Stadt Langen Grenzen ziehen wolle, wenn die Eingriffe in die Natur scheinbar unaufhaltsam voranschreiten. Gemeinsam mit dem Regierungspräsidium, dem Forstamt und der Unteren Naturschutzbehörde im Kreis Offenbach sei es gelungen, schon in den vergangenen Jahren die Weichen für die Sicherung zu stellen. „Die Schmalen Wiesen und die Belzbornwiesen sind die Heimat von seltenen Orchideen, Röhrichten, Sauergräsern – das sind die braunen Flächen, die auf der Wiese zu sehen sind“, erklärt Löbig. Auch zahlreiche Insekten, Libellen und Vögel seien in diesem Bereich zu Hause.

1982 wurde das erste Stück westlich der Bahnlinie zum Naturschutzgebiet erklärt, 2009 wurde das Areal auf 28,4 Hektar verdoppelt. Seither gebe es seltene Pflanzenarten auf den Wiesen. Die Orchideenart Breitblättriges Knabenkraut, das rund um Muttertag violett blüht, sei nur ein Beispiel. Es wächst dort auch die Prachtnelke und der kantige Lauch. Bei den Tieren ist besonders der selten gewordene Dunkle Wiesenknopf-Ameisen-Bläuling – ein beiger Schmetterling mit Tupfen – in Langen heimisch geworden. Mit dieser offiziellen Ausweisung als Naturschutzgebiet sei das Wachstum des Neubaugebiets in Richtung Egelsbach ausgeschlossen. Löbig bedankte sich bei den beiden Egelsbacher Landwirten Arno Eckert und Helmut Fink, die die Flächen extensiv bewirtschaften, in dem sie die Wiesen einmal im Jahr mähen.

Dieter Ohler, Vogelschutzbeauftragter der Stadt, betreut das Areal schon seit Jahren und zählt jedes Jahr die besonderen Orchideenbestände in der freien Natur. „Ich freue mich natürlich über die Ausweisung als geschütztes Gebiet. Ich hoffe jetzt nur, dass sich die Langener an die Regeln halten“, bittet er um Rücksichtnahme auf die Natur (siehe Infokasten). Gerade Hundebesitzer seien leider oftmals uneinsichtig. Wenn Ohler darum bittet, dass die Tiere nicht durch die potenziellen Niststätten der Bodenbrüter toben, fängt er sich meist einen frechen Spruch. Ein Feldschütz, wie ihn Langen bis in die späten 80er Jahre hatte und wie er in Dreieich mit großem Erfolg eingesetzt wird, wäre für Langen wünschenswert, findet auch Stefan Löbig. „Aber daran ist bei der derzeitigen Haushaltslage leider nicht zu denken“, bedauert der grüne Stadtrat.

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