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Zukunft der Langener Bahnstraße: Ergebnisse der Bürgerbefragung liegen vor

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Von: Julia Radgen

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Wird die Bahnstraße dauerhaft zur Einbahnstraße? Die Stadt möchte die aktuelle Verkehrsführung nutzen und durch temporäre Projekte sowie die Befragung von Bürgern und Gewerbetreibenden Erfahrungen sammeln.
Mit der Befragung von Bürgern und Gewerbetreibenden will die Stadt Erkenntnisse über die künftige Gestaltung der Bahnstraße sammeln (hier ein Archivbild aus dem vergangenen Sommer). Dabei geht es auch um die Einbahnstraßenregelung. © Stadt

Das Projekt „Zukunft obere Bahnstraße“ soll für eine attraktivere Innenstadt sorgen. Die Vorbereitungen für das Stadtexperiment laufen auf Hochtouren. Zur ersten Phase gehörte von Dezember bis Januar eine Bürgerbefragung: Sie ist nun abgeschlossen und zeigt, dass die Langenerinnen und Langener großes Interesse an einer positiven Entwicklung der Einkaufsmeile haben.

Langen – Die Stadt verzeichnet eine rege Beteiligung an der Bürgerbefragung, mit der der „Ist-Zustand“ erfasst wurde: 2 536 Teilnehmer zählte die mit der Umfrage beauftragte Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA). „Das sind rund 1 000 mehr als von der GMA erwartet und zeigt, wie wichtig den Langenerinnen und Langenern – die 95 Prozent der Befragten ausmachen – die Zukunft der oberen Bahnstraße ist“, sagt Joachim Kolbe, städtischer Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Wirtschaft, Kultur und Sport. Die Beteiligung an der Umfrage war für jeden online und über ausgedruckte Fragebögen möglich.

Dass die Bahnstraße trotz Lockdowns, Online-Handel und der aktuellen Baustellen fest im Leben der Menschen verwurzelt ist, zeigt die Tatsache, dass 81 Prozent der Umfrageteilnehmer mehr als einmal pro Woche in der Innenstadtstraße unterwegs sind. Mit 45 Prozent am häufigsten angegeben wurde „ein bis drei Mal“. 40 Prozent der Befragten kommen mit dem Auto oder Motorrad, 58 Prozent machen mit dem Fahrrad oder zu Fuß.

Die meisten besuchen die Langener Bahnstraße zum Einkaufen

Beim Grund für den Besuch der Bahnstraße liegt das Einkaufen an der Spitze, auch die Inanspruchnahme von Dienstleistungen oder der Besuch von (Eis)Cafés oder Restaurants wurde häufig angegeben. Da in diesem Bereich Mehrfachnennungen möglich waren, hat sich gezeigt, dass viele Langenerinnen und Langener mehrere Unternehmungen kombinieren.

Die den aktuellen Baustellen geschuldete Einbahnstraßenregelung – die aber auch für die zukünftige Gestaltung in der Diskussion ist – kommt gut an in der Bevölkerung: 63 Prozent der Befragten stehen ihr positiv gegenüber, nur 22 Prozent negativ. 14 Prozent gaben eine neutrale Haltung an. Differenziert man die Einstellung zur Einbahnstraße nach Verkehrsarten, stößt sie bei den Fahrradfahrern mit 76 Prozent auf die größte Zustimmung, gefolgt von Fußgängern (67 Prozent). Aber selbst 51 Prozent der Autofahrer befürworten sie, nur 33 Prozent von ihnen stehen der Regelung negativ gegenüber.

Argumente für und gegen die Einbahnstraßenregelung

Gefragt nach den Argumenten für ihre Haltung zur Einbahnregelung, rangierte „weniger Verkehr“ mit 546 Nennungen mit weitem Vorsprung ganz vorne auf der Positiv-Seite. Auch „mehr Sicherheit“ (154), „übersichtlicher“ (129), „weniger Hektik“ (122) und „besseres Parken“ (109) wurden häufig angegeben. Die Negativ-Seite wird mit 224 Nennungen angeführt von genereller Kritik daran, dass der Verkehr nur noch in eine Richtung fließt und Umwege entstehen. „Zu wenige Parkplätze“ wurde lediglich 61 Mal genannt.

Deutlich wird auch: Nur 23 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass durch die Einbahnstraße unzumutbare Umwege für Autofahrer entstanden sind. Fragt man nur die Betroffenen selbst, finden 34 Prozent die längeren Wege nicht zumutbar.

Die überwiegend positive Grundhaltung zur Einbahnregelung spiegelt sich in Detailfragen wider: „Die Bahnstraße gewinnt an Aufenthaltsqualität“ finden 59 Prozent der Umfrageteilnehmer (26 Prozent nicht). Verkehrsberuhigung sehen 60 Prozent (Nein sagen 22 Prozent). Und 67 Prozent sind der Ansicht, dass eine Querung der Fahrbahn durch Fußgänger sicherer möglich ist.

Stadt hat 300 000 Euro zur Verfügung

Die positive Haltung zur Einbahnstraßenregelung wird von den Gewerbetreibenden geteilt. Beim jüngsten Citymarketing-Workshop stellten Joachim Kolbe und sein Team ihre Ideen vor, die von mehr Grün über zusätzliche Flächen für Gastronomie, Ruhezonen und Fahrradständer bis zu Lichtinstallationen reichen. Durch das Landesprogramm „Zukunft Innenstadt“ hat der Magistrat inklusive Eigenmitteln 300 000 Euro zur Verfügung. „Das ermöglicht uns, punktuelle Akzente zu setzen und für Belebung zu sorgen, aber keine Umgestaltung der Innenstadt“, so Kolbe. Wichtig ist für den Magistrat zu betonen: Es werden keine unwiderruflichen Fakten geschaffen, alles ist wieder schnell veränderbar. Nach 18 Monaten wird dann Bilanz gezogen und es gibt gegen Ende des Stadtexperiments eine weitere Bürgerbefragung. Auf Basis dieser Erkenntnisse soll das Stadtparlament dann eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Bahnstraße treffen, so Bürgermeister Werner. (jrd)

„Das sind angesichts der Einschränkungen durch die Baustellen durchaus unerwartete Erkenntnisse“, sagt Kolbe. „Ich denke, da sind bereits Erwartungen in die Zukunft mit eingeflossen.“ Wie diese Zukunft während des etwa 18 Monate dauernden Stadtexperiments aussehen soll, wird innerhalb der Stadtverwaltung derzeit abgestimmt. Dabei fließen auch Wünsche mit ein, die Bürger in der Umfrage äußern konnten – zum Beispiel mehr Stadtgrün und Flächen für Gastronomie. So zeigte sich, dass Sauberkeit, Sicherheit und Geschäfte den Menschen sehr wichtig sind. Dagegen sind das Parkplatzangebot und Lärmreduktion für die meisten weniger wichtig.

Ein als Verschlechterung oft genannter Punkt war die Belastung anderer Straßen. „Speziell in der Heinrichstraße herrscht dringender Handlungsbedarf“, sagt Bürgermeister Jan Werner. „Wir werden die Anregungen aufnehmen und möchten im Zuge des Versuchs in der engen Heinrichstraße ebenfalls eine Einbahnregelung einführen, um dort Begegnungsverkehr zu verhindern.“ Eine Entlastung werde mittelfristig auch der Hopper ab Mitte 2022 bringen, der die großen Linienbusse schrittweise ersetzt. „Wir werden die Auswirkungen des Experiments in der Bahnstraße auf die umliegenden Straßen genau im Auge behalten und bei steigenden Belastungen Abhilfe schaffen, wo immer das möglich ist“, verspricht Werner.  (jrd)

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