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Gastronomen blicken mit gemischten Gefühlen in die Freiluftsaison

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Von: Manuel Schubert, Julia Radgen

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Am Haferkasten sitzt es sich gut draußen: Mathias Schäfer und seine Frau Julia Schäfer-Wetzl sind gut vorbereitet auf die Saison. Der Gebührenverzicht ist für sie eine Erleichterung, denn die Außengastro sei äußerst wichtig.
Am Haferkasten sitzt es sich gut draußen: Mathias Schäfer und seine Frau Julia Schäfer-Wetzl sind gut vorbereitet auf die Saison. Der Gebührenverzicht ist für sie eine Erleichterung, denn die Außengastro sei äußerst wichtig. © strohfeldt

Die Stadt Langen verzichtet – wie bereits in den Pandemiejahren – auf die Gebühren für Außenbestuhlung auf öffentlichen Flächen in der Gastronomie. Das ist eine Erleichterung für hiesige Wirte, aber sie plagen derweil andere Probleme.

Langen/Egelsbach – So langsam wird es wärmer, die Sonne lässt sich öfters blicken. Das macht Lust auf einen Kaffee, ein Mittagessen oder einen Aperol an der frischen Luft. Um die Langener Gastronomie finanziell etwas zu entlasten, hat die Stadt beschlossen in diesem Jahr, keine Gebühr für die Außenbestuhlung zu erheben. Normalerweise stellt die Verwaltung kostenpflichtige Sondernutzungsgenehmigungen für Stühle und Tische im öffentlichen Raum aus. Trotzdem ist es gerade für Betreiber in der Gastronomie keine einfache Zeit – vielerorts fehlt Personal, hinzu kommen die gestiegenen Energiepreise und die hohe Inflation. Wir haben bei örtlichen Restaurants nachgefragt, wie sie auf die anstehende Freiluftsaison blicken.

Ein gemütlicher Ort zum Draußensitzen ist der Wilhelm-Leuschner-Platz. Nicht wegzudenken ist die Außengastronomie im Haferkasten, der an wärmeren Tagen bis zu 13 Tische rund um den Vierröhrenbrunnen bewirtet. „Das ist unser Hauptgeschäft“, betont Inhaber Mathias Schäfer, der deswegen dankbar ist, dass die Stadt die Gebühr für Bestuhlung unter freiem Himmel erneut erlassen hat. „Wir sind immer noch am Kämpfen und haben aus der Corona-Zeit einiges aufzuholen“, sagt er. Die pandemiebedingte Schließung – insgesamt war der Haferkasten sechs Monate zu – hat dem Restaurant wehgetan, das laut Schäfer vor allem im Getränkeverkauf seine Haupteinnahmequelle hat, nicht zuletzt wegen des selbst gekelterten Ebbelwois.

Preissteigerungen nur moderat an die Kunden weitergeben

Während die Gäste längst wieder kommen, mangelt es dem Haferkasten an Personal. Vor allem Köche seien immer schwerer zu finden, erzählt Schäfer, das liege wohl an den familienunfreundlichen Arbeitszeiten. „Wer ein guter Koch ist, macht sich selbstständig oder geht in die Sterne-Gastronomie.“ Auch die gestiegenen Energiekosten belasten den Haferkasten, vor allem das große Kühlhaus, der Herd und die gemütliche Beleuchtung sind Stromfresser. Deswegen musste Schäfer seit Beginn der Energiekrise schon zweimal die Preise erhöhen. „Es ging nicht anders, auch die Waren werden ja immer teurer“, sagt er. Im Schnitt kostet das Essen im Haferkasten jetzt zwei Euro mehr. „Die Kunden haben aber Verständnis, sie sehen ja selbst im Supermarkt, wie sehr die Preise für Lebensmittel steigen“, sagt Schäfer.

Auch das direkt gegenüber gelegene Tiepolo läutete diese Woche die Sommersaison ein. Der Gebührenverzicht für Außengastronomie sei eine große Erleichterung. „Das sind Kosten, die wegfallen“, sagt Geschäftsführer und Inhaber Angelo de Pascalis. Die Bewirtung draußen laufe wetterbedingt erst langsam an, aber das Restaurant kann immerhin auf zwei große Zelte zurückgreifen, in denen es sich gemütlich speisen lässt. „Bei sonnigem Wetter und vor allem samstags, wenn Markt ist, sitzen die Leute schon gerne draußen“. Dafür stehen bis zu 90 Plätze zur Verfügung.

Stammkundschaft bleibt treu

Auch von den steigenden Preisen bleibt das Lokal nicht verschont. Im Winter, als das Speiseöl so teuer war, blieb die Fritteuse bei wenig Betrieb auch mal aus, das habe sich aber wieder reguliert. „Wir versuchen aber die Preissteigerungen noch nicht oder nur sehr moderat an die Kunden weiterzugeben“, so de Pascalis. Die Bierpreise habe das Tiepolo leicht erhöht, da auch die Produzenten mehr verlangen. „Ein großes Bier kostet bei uns aber immer noch 3,80 Euro“, viele andere Gastronomien hätten da schon die Vier-Euro-Marke geknackt. Das wisse die Stammkundschaft auch zu schätzen – die wolle man schließlich nicht verprellen.

Am Lutherplatz sind bei gutem Eis-Wetter oft alle Plätze vor dem La Dolce Vita besetzt. Den Leuten sei es aber immer noch zu kalt, sagt Ismail Yilgit vom Eiscafé. Dass die Gebühr für Außenbestuhlung wegfalle, sei natürlich eine Hilfe, aber nun hofft man im Eiscafé am Lutherplatz, dass das Wetter endlich schöner wird. Die Kugel kostet 1,50 Euro, der Preis wurde somit nur um zehn Cent erhöht. Wer im Eiscafé speist, muss allerdings ein bisschen mehr zahlen. „Hier kommen ja noch die Bedienung und die Mehrwertsteuer hinzu.“

Besonderheit vor Eis-Anita: Jesco Mann und Namensgeberin Anita Stiefling posieren mit den Parklets.
Besonderheit vor Eis-Anita: Jesco Mann und Namensgeberin Anita Stiefling posieren mit den Parklets. © Marc Strohfeldt - www.nachelf.de

Bei Eis-Anita in der Bahnstraße, das zu Condit Couture von Jesco Mann und Jens Schönfelder gehört, gibt es einen Spezialfall: Vor dem Eiscafé stehen mintgrüne Parklet, auf dem sich die Gäste bei schönem Wetter ihre Eisbecher schmecken lassen. Dass die Stadt auf die Gebühren für Außenbestuhlung verzichte, sei auf jeden Fall eine Hilfe, sagt Jens Schönfelder. „Das ist eine tolle Anerkennung. Die vergangenen Jahre waren recht intensiv für uns. Corona war eine Belastung“, so der Geschäftsführer.

Condit Couture: „Parklets sind eine Bereicherung“

Condit Couture habe die Parklets übrigens von Anfang an als Bereicherung gesehen, „auch wenn sie zu Beginn von vielen belächelt und verpönt wurden“. Mittlerweile werden die Stadtmöbel aber gut angenommen. „Ich denke, weil wir diese auch entsprechend schmücken. Wir stellen Blumen auf, bepflanzen die Kübel und im Winter hatten wir eine blinkende, glitzernde Dekoration“, erzählt Schönfelder.

Weniger beschönigen lässt sich die Inflation.  „Auch wir haben die Preise angepasst. Um es ganz klar zu sagen: Wir sind in allen Segmenten teurer geworden“, betont er. Dazu zählen neben der Energie vor allem die Preise für Rohstoffe, die Löhne der Mitarbeitenden, Reparatur- und Wartungskosten und nicht zuletzt etwa Futter für die eigenen Hühner, deren Eier Condit Couture verarbeitet. „Erfreulicherweise haben wir aber überhaupt keine Preis-Diskussionen“ mit unseren Gästen. Vielmehr erleben wir eine unglaubliche Wertschätzung für das, was wir anbieten und für das, was wir tun“, lobt Schönfelder die Langener Kundschaft. Genervt ist das Condit-Couture-Duo derweil, dass die Ordnungspolizei während der Warenanlieferung um die Ecke schon auf die Konditorei-Autos zu warten scheint und regelmäßig Knöllchen verteilt. Das „ordentliche“ Halten auf der Bahnstraße erzeuge Stau und Unmut bei anderen Autofahrern. Schönfelder habe sich in dieser Sache schon öfters ans Rathaus gewandt jedoch ohne Erfolg. „So wird der ,Gebührenausfall‘ scheinbar wieder reingeholt“, sagt er.

Fisch Rath: Ralf Hafner und sein Team freuen sich auf die Draußensaison. Die Personalsuche sei aber schwierig.
Fisch Rath: Ralf Hafner und sein Team freuen sich auf die Draußensaison. Die Personalsuche sei aber schwierig. © Marc Strohfeldt - www.nachelf.de

„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, fasst Ralf Hafner, Inhaber von Fisch-Rath, die Corona-Zeit zusammen. Das Bistro in der Wassergasse musste zu keinem Zeitpunkt komplett schließen, konnte Fischbrötchen, Kartoffelsalat und Co. zum Mitnehmen verkaufen. „Die Stammkunden haben auch während der Pandemie weiter bei uns eingekauft, so konnten wir uns über Wasser halten“, sagt Hafner, der trotzdem die Öffnungszeiten reduzierte und seitdem montags und dienstags schon am frühen Nachmittag schließt. „Jetzt könnten wir eigentlich wieder wie gewohnt öffnen, aber nun fehlt das Personal“, so der Fischverkäufer. Die Suche gestalte sich sehr schwierig, Zeitungsannoncen und Umfragen im Bekanntenkreis blieben bislang erfolglos. Hafner vermutet, dass in der Gastronomie viele Personen aus dem Ausland gearbeitet haben, die während der Pandemie in ihre Heimat zurückgezogen sind. Zudem gehörten viele Jobber zu den geburtenstarken Jahrgängen und erreichten nun das Rentenalter, glaubt er.

Die erste komplette Sommersaison steht währenddessen dem Jume’s in der Bahnstraße bevor. Sukhwinder Singh, der den Gastrobetrieb zum 1. August vergangenen Jahres übernommen hat, ist optimistisch und gespannt, wie der neue Außenbereich bei den Gästen ankommt. „Wir haben die Terrasse komplett neu gemacht“, sagt er.

Ebenfalls im vergangenen August aufgemacht hat Michael Obertowski im Eigenheim-Restaurant in Egelsbach. Er hat Probleme bei der Personalsuche. „In der Küche nicht, aber im Service könnte ich locker noch zwei bis drei Mitarbeiter gebrauchen“, sagt der Wirt, der zuvor die „Pferdetränke“ betrieben hat. Er vermutet, dass sich viele während der Pandemie andere Jobs gesucht haben und nicht mehr zurückgekehrt sind. Auch die gestiegenen Preise machen ihm zu schaffen. „Meine Ware kostet jetzt oft doppelt so viel wie vor zwei Jahren.“ Er blickt seiner ersten vollen Saison also gespannt entgegen, sagt aber zugleich: „Es wird nicht einfach – doch das geht allen so.“ (Von Julia Radgen und Manuel Schubert)

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