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Mit Steinmeier gespeist und geplauscht

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Von: Nicole Jost

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Bei Wind und Wetter unterwegs: Sylvia Marka hat das Schulschwimmen eingeführt und war 35 Jahre Schwimmtrainerin. Jetzt gab es einen Lohn für das Ehrenamt.
Bei Wind und Wetter unterwegs: Sylvia Marka hat das Schulschwimmen eingeführt und war 35 Jahre Schwimmtrainerin. Jetzt gab es einen Lohn für das Ehrenamt. © jost

Wer kann schon von einem Mittagessen in Schloss Bellevue berichten? Mit fein eingedecktem, weißen Porzellan mit Goldrand und dem Bundesadler auf jedem einzelnen Besteckteil. Sylvia Marka aus Langen wird die Tage in Berlin nicht so schnell vergessen.

Langen – Als einzige Frau unter fünf Hessen und insgesamt 70 Ehrenamtlichen aus dem Bundesgebiet, durfte die Langenerin beim Neujahrsempfang von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dabei sein. „Das war wirklich ein unglaubliches Erlebnis. Ich wurde mit dem Auto bis an den roten Teppich vorgefahren. Der Bundespräsident und seine Frau waren sehr nett, dabei ganz natürlich – auch wenn bei dem eigentlichen Empfang alles genau durchgetaktet war und nicht viel Zeit für eine Unterhaltung blieb“, berichtet Marka von ihrer Begegnung mit dem Staatsoberhaupt.

Fest hält sie eine Mappe mit den wichtigsten Erinnerungen in den Händen, ein Foto, das sie zwischen Frank-Walter Steinmeier und seiner Ehefrau Elke Büdenbender zeigt. Die Menükarte vom gemeinsamen Mittagessen, mit einer Zeichnung von Schloss Bellevue auf dem Deckblatt und der Speisenfolge mit Maultaschen, Bürgermeisterstück und einem Bratapfel zum Nachtisch hat sie natürlich auch aufgehoben.

Eine von 70 Ehrengästen

Schon am Vortag dürfen die Gäste mit ihren Begleitern das Schloss und das Dienstzimmer des Bundespräsidenten besichtigen. Am Neujahrsempfang selbst geht es dann streng nach Protokoll. „Wir wurden kontrolliert wie am Flughafen – nur mit moderneren Geräten“, erzählt Marka schmunzelnd. Alphabetisch sortiert dürfen alle 70 Ehrengäste Steinmeier die Hand schütteln, es bleibt Zeit für ein kurzes Gespräch.

Sylvia Marka weiß bis heute nicht, wer sie für den Neujahrsempfang in Berlin vorgeschlagen hat. Sie war aufgrund ihres jahrzehntelangen ehrenamtlichen Engagements ins Schloss Bellevue eingeladen worden. Sie hat das Schulschwimmen in der Geschwister-Scholl-Schule eingeführt, 30 Jahre geleitet und war 35 Jahre lang als Schwimmtrainerin beim TV Langen ehrenamtlich aktiv. „Herr Steinmeier hat mich gefragt, ob Langen denn jetzt noch ein Schwimmbad hat – wir haben mit dem Waldsee ja sogar drei Möglichkeiten, schwimmen zu gehen. Auch Regierungssprecher Steffen Hebestreit hat mich auf den Langener Waldsee angesprochen, dass er dort selbst schon schwimmen war und es ihm aber ein bisschen zu kalt war.“ Sogar ein Plausch mit Bundeskanzler Olaf Scholz, Innenministerin und Hessin, Nancy Faeser, Karl Lauterbach und Christian Lindner war der ehemaligen Konrektorin der Geschwister-Scholl-Schule möglich.

Unzähligen Kindern Schwimmen beigebracht

Sylvia Marka hat es ohne Zweifel mehr als verdient, für ihr ehrenamtliches Engagement zu solch einem spannenden Berlin-Besuch eingeladen zu sein. Schon als Kind hilft sie in ihrer Klasse beim Korrigieren von Fehlern, weil es dem Lehrer in ihrer Heimatstadt Bensheim bei 60 Mädchen nicht möglich ist, alle Hausaufgaben selbst nachzusehen. Als Gymnasiastin in Darmstadt wird sie Mentorin für die jüngeren Schülerinnen. Sie wünscht sich, Lehrerin zu werden – beinahe wäre das gescheitert, weil ihr Vater zunächst nicht wollte, dass sie studiert. „Aber meine Lehrerin hat mit ihm gesprochen“, ist die heute 82-Jährige sehr froh darüber. Sie startet ihre berufliche Laufbahn in Dreieichenhain, wechselt zwei Jahre später, Mitte der 60er Jahre, an die Geschwister-Scholl-Schule.

Ihr Sohn Andreas ist es, der sie zum Schwimmverein bringt. Mit großem Ehrgeiz geht er im Schwimmsport auf. „Ich habe dann den Trainerschein gemacht und die Anfänger übernommen“, berichtet Sylvia Marka. Der Junior ist erfolgreich, schwimmt für die Jugend- und Juniorennationalmannschaft, stellt mit 15 den deutschen Altersklassen-Rekord auf und ist in der Mannschaft mit dem späteren Olympiasieger Michael Groß. Auch ihre jüngere Tochter schwimmt. Marka macht den Kampfrichterschein – und führt in der Geschwister-Scholl-Schule für alle Drittklässler das Schwimmen ein. Sie organisiert die Schwimmwettbewerbe für den Kreisentscheid Jugend trainiert für Olympia. „Ich bin 30 Jahre lang mehrmals in der Woche von der Schule mit meinen Klassen ins Schwimmbad gelaufen, egal bei welchem Wetter“, erzählt die sehr rüstige Seniorin lachend. Bis heute freut sie sich darüber, wenn sie ehemalige Schüler trifft und die zu ihren Kindern sagen: „Schau, das ist Frau Marka. Bei ihr habe ich Schwimmen gelernt.“

Lebensrettende Fähigkeit

An eine Situation erinnert sie sich noch gut: Ein kleiner Junge lernt im September bei ihr das Schwimmen. Nach den Osterferien erzählt ihr die Mama des Kindes von einem Unfall in einem großen Angelteich, in den der Junge bei einem seiner Ausflüge gefallen ist. „Er stand nass in seiner winterlichen Kleidung bei den Eltern vor der Tür und die Mutter fragte ihn, wer ihm geholfen hat. Da sagte der Schüler, dass er keine Hilfe brauche, er hat doch bei Frau Marka schwimmen gelernt“, erklärt sie, dass das der beste Beweis ist, dass die Schwimmfähigkeit lebensrettend sein kann.

Als sie schon als Lehrerin pensioniert ist, den Posten als Schwimmtrainerin beim TVL abgegeben hat, übernimmt sie für zweieinhalb Jahre den Job als Schwimmlehrerin an der Strothoff-International School. „Das war noch mal spannend mit den Kindern aus der ganzen Welt. Sie haben ein Jahr, nachdem ich sie abgegeben habe, sogar den Pokal bei dem Kreisausscheid für Jugend trainiert für Olympia gewonnen.“ Neben dem Engagement für den Schwimmsport, ist Marka in der katholischen Kirche bei Albertus Magnus aktiv, hat unzählige Kommunion- und Firmkurse gegeben, singt seit fast 40 Jahren im Kirchenchor. Sie organisiert den Europäischen Wettbewerb an der Geschwister-Scholl-Schule und ist bis heute Kassenprüferin im Förderverein, der die Mittagsbetreuung an der Grundschule organisiert. Langeweile kennt Marka nicht. Privat liebt sie es zu reisen, unzählige Spanien- und USA-Aufenthalte hat sie mit ihrem Mann unternommen und gemeinsam bauen sie an der Modelleisenbahn weiter. Dabei ist sie übrigens als Häusle-bauerin und für die Landschaftsgestaltung zuständig.

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