Kiesabbau

Angst ums Trinkwasser

Langen - Der Gegenwind für die Firma Sehring nimmt weiter zu: Jetzt erhebt die Stadt Mörfelden-Walldorf Normenkontrollklage gegen die Kiesabbau-Pläne im Bannwald. Von Markus Schaible

Eine Entscheidung im Genehmigungsverfahren ist noch gar nicht gefallen, doch die westliche Nachbarkommune macht Nägel mit Köpfen. Aus Angst „um die Qualität unserer Trinkwasserversorgung“ (Erster Stadtrat Franz-Rudolf Urhahn, Grüne) zieht Mörfelden-Walldorf gegen die Auskiesungspläne auf einer 83-Hektar-Fläche südöstlich des Waldsees vor den Hessischen Verwaltungsgerichtshof. Zwar war, wie Urhahns Referentin Claudia Rügner sagt, beim öffentlichen Erörterungstermin vergangenen Juni angedacht worden, die Waldabteilung 37 (Schutzzone des Wasserwerks Walldorf) aus dem Abbaugebiet herauszunehmen. „Doch wir haben nichts Offizielles dazu.“

Auswirkungene reichen bis weit in die Waldgebiete hinein

Aber nicht nur deshalb ist Mörfelden-Walldorf gegen die Pläne: „Bannwald sollte geschützt sein, sonst braucht man ihn nicht so zu nennen“, sagt Rügner. Die Auskiesung „hätte nicht nur negative Auswirkungen auf die dort vorhandene Flora und Fauna, das Mikroklima, Lärm- und Immissionsschutz, die Wirkung reichen auch weit bis in die angrenzenden Waldgebiete hinein“, so Urhahn. Er befürchte eine Zerstörung des „sensiblen Ökosystems“. Außerdem gehe die Stadt davon aus, dass der Bannwald nach erfolgter Rodung „nie wieder gleichwertig aufgeforstet werden kann“.

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Energisch widerspricht er dem Lob von Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt für die Rekultivierungsarbeiten der Firma Sehring in der Ostgrube am Waldsee – und verweist auf eine Aussage von Lucia Puttrich (CDU), Hessische Ministerin für Umwelt, Energie, Landschaft und Verbraucherschutz. Diese habe bereits im Juli 2012 auf eine Anfrage des Grünen-Landtagsabgeordneten Frank Kaufmann bestätigt, dass es bei Rekultivierungsmaßnahmen zu Verzögerungen komme und als Beispiel die Ostgrube genannt. „Diese Verzögerungen können im Einzelfall zehn Jahre überschreiten“, wird die Ministerin zitiert.

Nicht genug Material zur Verfüllung

Zudem geht Urhahn (bezugnehmend auf Aussagen der Ministerin) davon aus, dass gar nicht genügend Material zur Verfüllung zur Verfügung steht. Außerdem sei im Rahmenbetriebsplan keine regelmäßige Prüfung des Verfüllmaterials vorgesehen: „Damit kann ein Eintrag von Schadstoffen nicht ausgeschlossen werden.“ Und (auch dabei bezieht sich Urhahn auf Aussagen von Puttrich): „Daraus folgern wir, dass mit einer Verschmutzung des Grundwassers gerechnet werden muss.“

Rubriklistenbild: © dpa

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