Motordefekt: Andachtsglocke schweigt

Kein Geläut - da fehlt einfach etwas

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Zwei der vier Stadtkirchenglocken in Aktion.

Langen - Wenn das Wahrzeichen verstummt, werden die Altstadtbewohner hellhörig. Nachdem es in der vergangenen Woche wiederholt beunruhigte Anfragen gegeben hat, wieso denn die Glocken der Stadtkirche tagsüber nicht mehr läuten, liefert die Evangelische Kirche des Rätsels Lösung: Die Technik streikt – ein defekter Motor muss repariert werden. Von Holger Borchard 

Die Langener Andachtsglocke. Die Aufnahme entstand im Rahmen der festlichen Auslieferung.  

Keine böse Absicht, sondern der Teufel im technischen Detail verhindert derzeit den bekannten Glockenklang, der offensichtlich prompt vermisst worden ist. „Dahinter steckt keine böse Absicht, wie auch schon gemutmaßt worden ist, sondern ein kaputter Motor – und zwar der der Andachtsglocke“, präzisiert der evangelische Dekan Reinhard Zincke. „Und da wir nun mal mitten in der Ferienzeit sind, wird es eine Weile dauern, bis der Antrieb wieder repariert ist.“
Vier Glocken bilden das Geläut der Stadtkirche. Die derzeit lahm gelegte Andachtsglocke stammt aus dem Jahr 1948. Sie ist im Ton „a“ gestimmt und ruft: „Das Wort Gottes bleibt ewiglich!“ Die Glocke lädt zum Gebet zu den verschiedenen Tageszeiten: um 10 Uhr, um 12 Uhr (Friedensgebet), um 17 Uhr und um 20 Uhr. Nach Ostern bis zum Tag nach der Einweihung der Stadtkirche (26. August) läutet sie um 21 Uhr, außerdem lädt sie zu den verschiedenen Wochenandachten wie etwa der „Wochenmitte“ ein.

Die Festglocke von 1950 (Ton d) ist die größte der Stadtkirchen-Glocken: Ihr Ruf: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden!“ Sie weist sonntags und an Festtagen um 9 Uhr auf den Gottesdienst hin. Um 9.50 Uhr beginnt dann das volle Geläut vor dem Gottesdienst um 10 Uhr.

Die Totenglocke von 1891 (Ton: fis) ruft: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Ist ein Mitglied der Stadtkirchengemeinde verstorben, so wird während der Beisetzung auf dem Friedhof geläutet. Es beginnt die Totenglocke, sodann schließen sich die übrigen zum vollen Geläut an.

Die Betglocke von 1891 (Ton h) ist die kleinste der Glocken. Sie ruft: „Kommt vor den Herren und betet ihn an!“ Sie läutet zum Vaterunser während des Gottesdienstes.

„Beim Geläut wird im Gegensatz zum Uhrenschlag die Glocke bewegt, sodass der Klöppel an den Glockenrand anschlägt und den entsprechenden Ton erzeugt. Beim Uhrenschlag schlägt ein Hammer auf die Glocke. Hierbei geht es lediglich um die Zeitansage“, verdeutlicht der Dekan den kleinen, aber feinen Unterschied. „Das Geläut dagegen ruft zum Gottesdienst, zur Andacht oder zum Gebet.“ Dem liturgischen Läuten komme insofern besondere Bedeutung zu: „Es will uns erinnern, dass unser Leben nicht nur aus Arbeit besteht, sondern wir im Gebet notwendige Auszeiten und Unterbrechungen des Alltags erfahren“, so Zincke. „Das ist eine gute Tradition, die wir mit anderen Religionen teilen.“ Jede Andacht und jeder Gottesdienst beginnen dem liturgischen Verständnis nach nicht erst mit der Begrüßung durch den Pfarrer, sondern mit dem Läuten der Glocken.

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Selbstverständlich erklingen alle vier Glocken auch zu den übrigen Gottesdiensten, wie etwa zu Taufen oder Trauungen. Kirchenmusikalische Veranstaltungen mit gottesdienstlichem Charakter werden ebenfalls auf diese Weise „eingeläutet“. Die Altstädter haben sich längst an den Klang vom „Dom der Dreieich“ gewöhnt – und mehr noch: „Das vertraute Läuten der Kirchenglocken zu bestimmten Tageszeiten und zu besonderen Anlässen gibt der Altstadt ein besonderes Gepräge“, weiß nicht nur Reinhard Zincke zu schätzen, der am Fuße der Stadtkirche wohnt.

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