Mysteriöse Beschwerden: Suche nach giftigem Krankmacher

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Ein Großaufgebot an Rettungskräften kümmerte sich am Langener Bahnhof um die Reisenden.

Langen - Ein Großaufgebot an Rettungskräften hat heute Morgen das Langener Bahnhofsgebäude und Teile des Vorplatzes abgesperrt: Fünf Reisende einer Regionalbahn hatten gegen 7.30 Uhr gleichzeitig über gesundheitliche Beschwerden geklagt. Von Markus Schaible

Sie wurden in einem eigens dafür aufgebauten Zelt von Notärzten behandelt. Drei Stunden später – noch immer markiert rot-weißes Plastikband den abgesperrten Bereich. Ein junger Mann bleibt davor stehen: „Abgesperrt?“, fragt er. „Was ist denn los?“ Andrea Ackermann von der Offenbacher Polizeipressestelle deutet nach rechts: „Wenn Sie auf den Bahnsteig wollen, außen rum. Die Züge fahren normal.“ „Und was ist los?“, hakt der Mann nach. „Keine Aussage“, gibt sich Ackermann genauso wortkarg wie der Kollege neben ihr, auf dessen Jacke groß Bundespolizei Pressebetreuung steht. Für Journalisten haben sie wenig mehr Erhellendes parat. Nur so viel: „Vier Fahrgäste klagten über Gesundheitsbeschwerden.“ Im Übrigen erteile nur die Frankfurter Polizei weitere Auskünfte.

Das macht die Nachforschungen nicht leichter, aber zumindest zeichnet sich bald der Ablauf des Geschehens ab. Deshalb noch einmal ein paar Stunden zurück, in die hauptsächlich von Pendlern genutzte Regionalbahn 15344. 7.30 Uhr, Darmstadt: Fünf Fahrgästen (erste Angaben über vier Betroffene werden später korrigiert) wird urplötzlich übel, sie haben ein Kribbeln und Taubheitsgefühle in den Händen. Acht Minuten später rollt die Bahn, die von Heidelberg nach Frankfurt unterwegs ist, im Langener Bahnhof ein. Die Betroffenen – es handelt sich um vier Frauen und einen Mann, alle Anfang 20 – steigen aus und wählen den Notruf; die ersten Rettungskräfte treffen schon kurz danach ein.

Fast im Minutentakt kommen weitere Helfer am Bahnhof an: Notarzt, Rettungswagen, die Langener Feuerwehr, Polizei, Bundespolizei. Vor dem Bahnhofsgebäude errichten die Einsatzkräfte ein Zelt; dort werden die fünf Patienten erstversorgt. Dies übernehmen zwei Notärzte und acht Rettungssanitäter, berichtet später Kreis-Pressesprecherin Kordula Egenolf, zuständig auch für das Gefahrenabwehrzentrum.

Bilder vom Ort des Geschehens

Großeinsatz: Bahnhof gesperrt 

Während die Mediziner in Langen rätseln, was den Zugpassagieren widerfahren ist, hat die um 6.25 Uhr in Heidelberg gestartete Regionalbahn bereits ihren Zielort Frankfurt erreicht. Dort sperrt die Feuerwehr Gleis 13 und beginnt, den mittlerweile eingelaufenen Zug „mit ihren elektronischen Riechern“ (so der Frankfurter Polizeisprecher Manfred Vonhausen) zu durchkämmen. Allerdings: „Ohne Ergebnis“, sagt Vonhausen. Und es kommt noch besser: Die Patienten sind mittlerweile in der Asklepios Klinik, doch auch ihre Untersuchung ergibt nichts Greifbares, so der Polizeisprecher. Auch hätten sich keine weiteren Fahrgäste gemeldet, die Beschwerden hatten. Nach ersten Erkenntnissen habe es keine Gefährdung weiterer Reisender gegeben, vermeldet Torsten Sälinger von der Pressestelle der Deutschen Bahn am späten Vormittag.

Im Laufe des Vormittags stellt sich auch heraus, dass die Betroffenen offenbar kurz vor Auftreten der Beschwerden von einem Unbekannten im Zug einen Zettel erhalten haben. Darauf habe irgendetwas von „vergiftet“ oder „infiziert“ gestanden, vermelden Nachrichtenagenturen und die Boulevardpresse. Vonhausens Kollege André Sturmeit widerspricht am Nachmittag energisch, sagt dagegen: „Da ist ein undurchsichtiger und zusammenhangloser Text.“ Geschrieben war das „wirre Zeug“ in Deutsch, auch soll der Mann akzentfrei gesprochen haben.

Der Zettel wird jetzt vom Landeskriminalamt untersucht. Erste Ergebnisse ergaben keinerlei Anhaltspunkte auf Gift- oder andere gesundheitsgefährdende Stoffe, so die Polizei.

Im Laufe des Nachmittags ermittelte die Polizei einen 25-Jährigen aus Mannheim - der Mann gab unumwunden zu, den Fahrgästen den Zettel überreicht zu haben. Er habe den Eindruck gehabt, die Mitreisenden würden seine Hilfe benötigen, begründete er die Übergabe des Papiers. Die Polizei machte zunächst keine Angaben, ob der Mann auch etwas mit der Übelkeit der Passagiere zu tun hat. Nach der Befragung wurde der 25-Jährige wieder auf freien Fuß gesetzt.

Auswirkungen auf den Bahnverkehr hatte der Vorfall nach Auskunft der Bahn nicht.

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